Kultserie aus den Neunzigerjahren KI generiert neue »Stargate«-Szenen

Aliens, Zeitreisen und schräge Gags: Ein Autor hat Googles künstliche Intelligenz Szenen der Sci-Fi-Serie »Stargate« schreiben lassen. Schauspieler der Original-Crew trugen sie vor der Kamera vor – und waren verblüfft.
(Von Menschen geschriebene) Szene aus »Stargate«

(Von Menschen geschriebene) Szene aus »Stargate«

Foto: dpa

Samantha Carter von der United States Air Force quält sich durch das Unterholz. Sie blickt auf den piepsenden Scanner in ihrer Hand. Plötzlich bricht ein affenartiges Wesen mit rasiermesserscharfen Zähnen durch das Gestrüpp und greift an. Carter rollt sich zur Seite und rennt los. Doch die Kreatur schnappt die Forscherin, begräbt sie unter sich und holt zum Schlag aus. Die Lage scheint aussichtslos. Dann ist ein schriller Schrei zu hören. Ein Wesen mit blauen Schwingen fliegt herbei und fegt die Affenkreatur hinweg. Carter ist gerettet.

Diese Szene könnte aus der Kultserie »Stargate« aus den Neunzigerjahren stammen. Doch die Idee kommt nicht etwa aus der Feder eines Drehbuchautors, sondern von einer Software. Nur die Überschrift der Szene und ein bis zwei Sätze haben Entwickler der sogenannten künstlichen Intelligenz (KI) mit dem Namen »Stargate AI 2.0« vorgegeben. Der Rest stammt aus deren künstlichen neuronalen Netzwerken.

Fünf kurze Szenen aus dem KI-Drehbuch hat das Online-Fanportal »The Companion«  am Samstag ausgestrahlt. Einige Schauspieler der Originalserie machten mit und lasen das Skript bei einem Zoommeeting vor. Neben Amanda Tapping als Samantha Carter schaltete sich auch Darsteller Richard Dean Anderson zu, der wieder in die Rolle von Jack O’Neill aus »Stargate« schlüpfte.

KI erfindet Aliens mit gelb glühenden Augen

Stellenweise ist das Ergebnis verblüffend. Die KI beschreibt die Szenen detailliert, gibt Regieanweisungen, wechselt immer wieder die Drehorte, springt zwischen Dschungelplaneten und Raumschiffbrücken hin und her. Das Aussehen fremder Wesen erklärt das Programm exakt mit Beschreibungen wie blauem Gefieder, gelb glühenden Augen und schlangenartigem Grinsen. Die kurzen Geschichten entwickeln sich.

Sogar die Dialoge stammen aus dem Computer. Die Charaktere reagieren auf Fragen ihrer Teamkollegen und sprechen darüber, was um sie herum zu sehen ist. Manchmal sind dabei sogar Züge von Humor zu erkennen. In einer Szene etwa steht die Crew vor einem Portal. Unter einem von Ranken umwucherten Stargate-Bedienportal steht ein Gerät, an das mehrere Kabel angestöpselt sind. Alle fragen sich, worum es sich dabei handelt.

Jack O’Neill wiederholt ständig: »Es sieht aus wie eine Bombe.« Die Crew zweifelt daran und widerspricht. Es seien schließlich keine Chemikalien oder Sprengkörper zu sehen. Doch dann kommt ein älterer Jack O’Neill aus der Zukunft und teilt dem Team mit, dass es eine große Explosion geben werde. O’Neill aus der Gegenwart kommentiert das mit den Worten: »Ich habe euch gesagt, dass es eine Bombe ist.«

An einigen Stellen wird es aber auch absurd. In einer Szenenbeschreibung heißt es etwa: »Sie hören einen Schrei von rechts, aber sie hören nichts.« Kurios ist auch, dass sich die KI als Heimatplaneten selbst erfundener Aliens ausgerechnet die Erde herauspickt. An einer Stelle muss Richard Dean Anderson sogar passen. »Ich verstehe diese Zeile einfach nicht«, sagt er. Der Schauspieler zögert kurz, spielt dann aber seine Rolle weiter.

»Stargate«-Produzent hatte Idee für KI-Experiment

Das Projekt hatte der kanadische Serienautor Brad Wright ins Leben gerufen, der vor rund 25 Jahren als Autor und leitender Produzent an fast allen »Stargate«-Folgen beteiligt war. Im Juni vergangenen Jahres teilte Wright erstmals die Idee mit seinen Followern. Auf Twitter schrieb er: »Ein Spaßexperiment: Könnte eine Weltklasse-KI ein Stargate-Skript verfassen, das interessant genug für die Stars der Serie für eine Wiedervereinigung ist? Könnte ich mich selbst arbeitslos machen?«

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Unterstützung bekam er von Laurence Moroney, der bei Google die KI-Entwicklung leitet. Dem Techportal »Venturebeat«  erklärte Moroney, dass verschiedene KI-Tools das Drehbuch ermöglicht haben: Mit der Übersetzungs-KI Transformer  etwa seien die Dialoge erstellt worden. Das Programm wurde dafür umgepolt: Es spuckte keine Wörter in einer anderen Sprache heraus, stattdessen antwortete es auf eine zuvor eingespeiste Frage eines Crewmitglieds. Und ein sogenannter Universal Sentence Encoder habe dafür gesorgt, dass die Software semantische Zusammenhänge erkannte und die Dialoge fortlaufend gestalten konnten.

Gefüttert mit Hunderten »Stargate«-Folgen

Der Vorteil für die Entwickler: Es gab ordentlich Stoff fürs Training. Google fütterte sein Machine-Learning-Modell mit den Drehbüchern von mehr als 190 Stargate-Folgen der Originalserie »SG-1« sowie mit 100 Folgen des Spin-Offs »Atlantis« und mit 40 Folgen von »Universe«. Aus den Abläufen lernte die Software, ob die Filmfiguren eher mit Humor, Finesse oder Gewalt reagieren.

Im November war das erste Drehbuch fertig. Doch dieser Versuch scheiterte. Das habe zwar Spaß gemacht, schrieb Brad Wright auf Twitter , doch es sei noch zu viel Unsinn im Skript aufgetaucht. Die KI reihte damals Wörter aneinander, die reines Kauderwelsch ergaben. Daraufhin sei sie noch einmal komplett überarbeitet worden. Zumindest ergeben nun die meisten Sätze einen Sinn.

Aber auch mit der neuen Version »Stargate AI Version 2.0« müssen Drehbuchautoren nicht um ihre Jobs bangen. Das Experiment reiht sich lediglich ein bei unterhaltsamen Kreativ-KIs, mit deren Hilfe Kunstwerke erstellt, Witze erfunden und Musik im Stile von Beethoven komponiert wurde . Die Drehbuchfragmente sind weit davon entfernt, als Serie verfilmt zu werden. Dafür sind die Geschichten zu simpel und für Profiautoren nicht mehr als eine Fingerübung. Oder sie sind einfach zu schräg – so wie »Sunspring« aus dem Jahr 2016 , ein Science-Fiction-Kurzfilm, dessen Dialoge und Regieanweisungen ebenfalls KI-generiert waren.

Doch ausgereizt ist die Technologie noch lange nicht. Allein von der Tatsache, dass das Ergebnis innerhalb weniger Monate so viel besser geworden ist, zeigten sich die Schauspieler überrascht. »Bisher wird noch viel mit Spucke und Klebeband zusammengehalten«, sagt Laurence Moroney in dem Video auf die Frage, bei wie viel Prozent die Kapazitäten der KI derzeit stehe. »Ich glaube, wir können noch viel weiter gehen.«