Interview mit Jean-Claude Juncker YouTuberin wirft YouTube Einflussnahme vor

Laetitia Nadji behauptet in einem Video, YouTube habe versucht, ihre Fragen für ein Interview mit Politiker Juncker zu beeinflussen. Offenbar hatte sie Hilfe von einer französische Aktivistengruppe.

Nadji im Interview mit Juncker
YouTube/ European Commission

Nadji im Interview mit Juncker


Die französische YouTuberin Laetitia Nadji behauptet, von YouTube-Mitarbeitern gedrängt worden zu sein, in einem Interview mit dem EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker nur bestimmte Fragen zu stellen.

Ihre Behauptung stützt Nadji mit einem heimlich gefilmten Video, in dem ein YouTube-Mitarbeiter zu sehen und zu hören ist. Der Mitarbeiter in dem Video weist darauf hin, dass einige Fragen von Junckers Pressesprecherin abgenickt werden müssten.

Außerdem seien einige Fragen der YouTuberin sehr kritisch, damit könnte sie "auf der falschen Seite" von YouTube und der EU-Kommission stehen. "Außer dir ist eine lange Karriere auf YouTube egal", so der Mitarbeiter weiter. Im Interview stellte YouTuberin Nadji trotzdem alle Fragen, die sie sich vorgenommen hatte.

Das Video-Netzwerk wies die Vorwürfe gegenüber der US-Zeitung "Politico" zurück. Nadji habe einige schwierige Fragen an Juncker gehabt und um Ratschläge bei der Formulierung gebeten. Darauf habe der Mitarbeiter im Video reagiert. "Unser Kollege ermutigte sie respektvoll zu sein, anstatt auf Konfrontation zu gehen - das alles ist, was hier passiert ist."

Andere YouTuber können die Vorwürfe nicht bestätigen

Außer Nadji waren zwei weitere YouTuber zum Interviewtermin mit Juncker geladen. Einer davon: der deutsche YouTuber Jonas Ems. Er hat laut Aussage des YouTuber-Netzwerks Studio 71, wo er unter Vertrag ist, keine negativen Erfahrungen gemacht. "Jonas wurde gebeten, seine Fragen an Juncker vorab einzureichen. Dabei ging es aber darum, Dopplungen mit den anderen beiden Interviewern zu vermeiden", heißt es von Studio 71 auf Anfrage. Lediglich eine Frage von Ems sei gestrichen worden, weil Nadji sie ebenfalls auf dem Zettel gehabt habe. Nadji habe sie dann auch tatsächlich gestellt im Interview.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich ein Politiker den Fragen eines YouTubers stellt. Ähnlich wie Kanzlerin Angela Merkel beim Interview mit LeFloid, erhoffte sich auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker mit einem solchen Interview ein jüngeres Publikum zu erreichen. Das Event wurde gemeinsam von dem Netzwerk Debating Europe, YouTube und Euronews organisiert.

Eine Sprecherin der EU-Kommission betonte gegenüber SPIEGEL ONLINE man trete für die freie Meinungsäußerung, die YouTuber haben alle Fragen stellen können, es habe seitens der Kommission auch keinen Druck auf YouTube-Mitarbeiter gegeben.


Update, 14:47 Uhr: Die Aktivisten-Gruppe "Osons Causer", die auch auf YouTube aktiv ist, legt nahe, dass es sich bei dem Vorfall um eine geplante Aktion handelt. Auf ihrem Facebook-Profil schreibt die Gruppe, sie hätten Nadji die letzten zwei Wochen geholfen sich vorzubereiten und sie nach Belgien begleitet.

Laetitia Nadji gab gegenüber SPIEGEL ONLINE an, sie hätte sich von der Gruppe beraten lassen. Die Aktivisten hätten sie zu dem Interview begleitet, um sicherzustellen, dass sie auch wirklich alle kritischen Fragen stellen könne. Denn bereits im Vorfeld habe YouTube versucht, sie zu einem Juncker-freundlichen Interview zu drängen.

Nach Angaben von YouTube wurde der Mitarbeiter gezielt von Laetitia Nadji angesprochen und hatte daraufhin mit den umstrittenen Äußerungen reagiert.

tsi

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