Laienfrust am Computer Lost in Formation

Kennen Sie auch jemanden, der am Computer sonderbare Wege geht? Auf die Frage haben wir viel Leserpost erhalten. Die Geschichten dürften Fachleuten die Tränen in die Augen treiben. Laien sollten sie eine zarte Mahnung sein: Frag lieber, bevor du dich im Computer-Dickicht verlierst.
Frustrierte PC-Anwender: Papierkorb als Archiv, Excel-Kästchen selbst gemalt

Frustrierte PC-Anwender: Papierkorb als Archiv, Excel-Kästchen selbst gemalt

Foto: Corbis

Die Geschichten, die uns die Leser von SPIEGEL ONLINE zuschickten, handeln von Chefs, die jahrelang Spam-Mails sammeln, Kollegen, die fünf Jahre zu spät den Sinn von Excel begreifen und von Freunden, die eine Tastatur mit der Maus verwechseln.

Doch der Artikel "Wie PC-Laien Probleme lösen - Warum einfach, wenn ..." schlug auch im SPIEGEL-Forum Wellen. In mittlerweile über tausend Einträgen streiten sich die Foristen über die Kopierfunktion des Windows-Taschenrechners, um die Benutzbarkeit von Mac-, Windows- und Linux-Rechnern und darum, ob zum Handwerkszeug eines jeden Computerbenutzers gehören sollte, mit der Kommandozeile umgehen zu können.

Von diesen Erfahrungen soll im Weiteren aber nicht die Rede sein - sie könnten ja noch erbaulich sein. Was die Leser von SPIEGEL ONLINE auf den nächsten Seiten berichten, ist nur etwas für starke Nerven. Dort herrschen Frust, weiße Knöchel und unterdrücktes Aufstöhnen. Seien Sie also vorsichtig, falls Sie sich zufällig mit Computern auskennen sollten.

Die Sache mit der Outlook-Ablage

Der Vater von SPIEGEL-ONLINE-Leser Christian König hat die digitale Rundablage in Outlook entdeckt:

"Mein Vater bat mich einst, nach seinem PC zu schauen, denn sein Outlook sei sehr langsam geworden. Nachdem ich in den Einstellungen nichts Besonderes gefunden hatte, sah ich dass im Papierkorb etwa 500 E-Mails lagen. Also Papierkorb leeren! Das hat dann tatsächlich auch dazu geführt dass Outlook etwas schneller wurde. Als mein Vater jedoch zurückkam gab es Ärger: "Alle wichtigen E-Mails sind weg!" Wie sich herausstellte benutzte er den Papierkorb als Archiv, da er nicht wusste wie man neue Ordner anlegt."

Die Sache mit Excel und dem Taschenrechner

Norberg Bargfried aus Kiel hat einen Freund, der das vermutlich teuerste Karopapier der Welt benutzte: Microsoft Excel.

"Ein Freund von mir war nicht besonders Rechner-affin. Weil ihm sein Arbeitgeber aber einen Rechner hinstellte, entdeckte mein Freund eines Tages die Tabellenkalkulation Excel.

Die Anwendung des Programms erfolgte hauptsächlich aus optischen Gründen, denn alle Zahlen standen jetzt immer schön aufgelistet untereinander und es sah beim Ausdruck gut aus. Er nutzte das Programm hauptsächlich, um Rechnungswerte aufzulisten. Wenn die Eintragungen erfolgt waren, schnappte er sich seinen Taschenrechner und addierte alles schön von Hand. Das Ergebnis trug er dann in die letzte Zeile ein, druckte alles aus und war sehr zufrieden mit sich und der Welt.

Seine hauptsächlich wesentlich jüngeren Kollegen haben sich das circa fünf Jahre lang angeguckt, aber keiner, wirklich keiner, hat ihm einen Hinweis auf die Summenfunktion gegeben oder ihn wenigstens auf die F1-Taste mit der Hilfe-Funktion hingewiesen.

Als er dann in einem anderen Zusammenhang bei mir sah, wie ich in Nullkommanix alles mittels Summenfunktion zusammenrechnete und auch Formeln und Matrizen nutzte und wie anschließend (und das war das Wichtigste!) alles formatiert wurde, fiel er fast vom Glauben ab.

Ich weiß bis heute nicht, worüber er mehr enttäuscht war, über das niederträchtige und arrogante Verhalten seiner Kollegen oder über seine eigene Unfähigkeit, sich die Vorteile der Software zunutze zu machen."

Die Sache mit dem Ein/Aus-Schalter

Für die "Geschichten aus dem Kundendienst", die per Leserbrief hereinflatterten und in vielen Online-Foren mehr oder weniger genüsslich wiedergegeben werden, müsste man eigentlich eine eigene Unterkategorie einführen. Weil die hier wiedergegebene Anekdote aber so schön knackig ist und alle Anforderungen an einen guten Witz erfüllt, soll Leser Robert Plötzke berichten:

"Das ist einem Freund von mir passiert, der an der Telefon-Hotline eines PC-Wartungsdienstes arbeitete:

Er: Guten Tag.

Kunde: Hallo, mein PC geht nicht.

Er: Was hat er denn?

Kunde: Der Monitor zeigt kein Bild.

Er: Ist er denn an?

Kunde: Ja.

Er: Dann schalten Sie ihn doch einmal aus.

Kunde: Ah, jetzt geht er auf einmal.

Die Sache mit der Spam-Sammlung

Leser "Kurt" will lieber anonym bleiben. Was er über seinen alten Chef zu erzählen hat, ist einfach zu peinlich:

"Vor ein paar Jahren arbeitete ich in einem Betrieb, in dem Aufträge so abgearbeitet wurden:

Pro Tag gingen ein bis zwei Aufträge per E-Mail ein, die nur der Chef empfangen konnte. Eigentlich kein Problem. Die E-Mail wurde ausgedruckt und der Sekretärin übergeben, die alles weitere per Fax erledigte.

Das Problem war der PC, auf dem, von keinem Filter gebremst, ungehindert vor allem Spam-Mails eintrafen. Fünfzig bis hundert pro Tag, manchmal sogar zweihundert! Also ging es immer darum, aus den eingelaufenen Mails die richtigen herauszufischen.

Damit dabei nichts verloren ging, wurde der Empfangsordner mit all seinen Spam-Mails niemals gelöscht...

Als ich in dem Betrieb anfing, fragte mich der Chef erstmal, was man denn da machen könnte - ich hab's ihm natürlich erklärt und bin erstmal nach hinten umgekippt. Denn ich hatte noch nie einen Rechner mit einer fünfstelligen Anzahl an Spam-Mails gesehen. Und an der Zahl änderte sich auch nichts, solange ich im Betrieb war.

Und so war es normal, dass manchmal E-Mails mit Aufträgen in all den Spam-Mails untergingen. Wenn dann ein Kunde anrief um zu fragen, ob denn die Auftrags-Mail vor ein paar Tagen angekommen sei, passierte Folgendes:

Der Chef ging jede E-Mail einzeln durch, um zu gucken, ob der Auftrag dabei ist. Wenn er nach ein paar Stunden nicht fündig wurde, holte er seine Sekretärin und begann die Suche mit ihr von vorn. Das konnte schon mal zwei Tage dauern. Man kann sich vorstellen, dass der eine oder andere Auftrag verlorenging.

Solche Such-Operationen fanden ungefähr alle zwei Wochen statt. Das konnte man zumindest an den Gesichtern beim Nachmittagskaffee ablesen. Vor allem, wenn nach zwei bis drei Aufträgen gleichzeitig gesucht wurde. Stress bei der Arbeit ..."

Die Sache mit dem gedrehten Bild

Ist das noch kreative Problemlösung bei mangelnden Ressourcen oder schon der kleine Wahnsinn, was SPIEGEL-ONLINE-Leser S. M. zu erzählen hat?

"In der Intranetabteilung eines großen Unternehmens habe ich mich über eine 15 Megabyte große Bilddatei in unserem Netzwerk gewundert. Ich rief die Kollegin an, die das Bild angelegt hatte, um den Grund für die enorme Dateigröße, die zu viel Datenaufkommen verursachte, zu erfahren. Ihre Erklärung:

  • Sie hatte ein Bild mit einer Digitalkamera gemacht...
  • leider spiegelverkehrt
  • weswegen sie es ausdruckte,
  • wieder richtig herum einscannte und
  • in Originalqualität ins Intranet lud.

So kann man Bilder natürlich auch drehen …"

Die Sache mit dem Professor und der Maustatur

Leser Hilke hat gleich zwei Anekdoten zu mangelnder PC-Bedienungskompetenz zu erzählen:

"Während meines Studiums hatte ich einen Professor, der sich E-Mails von seiner Sekretärin ausdrucken ließ, dann eine Antwort auf der Schreibmaschine tippte, um diese von der Sekretärin wieder in den PC tippen und als E-Mail-Antwort versenden zu lassen.

Eine Verwandte meines Austausch-Gastvaters in den USA suchte telefonische Hilfe zu einem PC-Problem. Der Lösungsweg begann mit einem Rechtsklick - also 'Right-Click'. Danach sollte ein Menü zu sehen sein. Als sie kein Menü sah, fragte sie mehrfach nach und mehrfach bekam sie die Antwort 'right-click again'. Es klappte einfach nicht. Irgendwann meinte sie genervt: 'But I wrote 'click' about seven times now!'" Sie war darüber gestolpert, dass die englischen Begriffe für Rechts ("Right") und Schreiben "Write", phonetisch schwer zu unterscheiden sind.

Die Sache mit dem Screenshot über Bande

Leser "Beuteterraner" hat "ein besonders gelungenes Anschauungsobjekt der Anwenderkreativität" beobachten können:

"Neben der Fehlerbeschreibung hatte der Anwender auch einen Screenshot an seine E-Mail angehängt. Und wie macht man dies als schlauer Fuchs?

  • Screenshot machen.
  • Screenshot ausdrucken.
  • Ausdruck auf den Tisch legen und mit dem Handy fotografieren.
  • Fotografie vom Handy auf den Rechner übertragen.
  • Fotografie an die Mail hängen."

Die Sache mit den Excel-Kästchen

SPIEGEL-ONLINE-Leser Alexander M. hat die Tücken der Tabellenverarbeitung Excel bei seinem Kompaniechef kennengelernt:

"Ein neuer Kompaniechef in der Bundeswehr, Computeranfänger, wollte von mir telefonisch wissen, wie er möglichst einfach Zeilen in eine bestehende Excel-Tabelle einfügen könnte, ohne dabei 'alle Kästchen neu machen zu müssen'. Ich verstand das Problem nicht so ganz und stapfte zwei Stockwerke tiefer, um mir anzuschauen, was er meinte.

Er zeigte mir dann eine Excel-Tabelle mit einem Umfang von etwa 30 bis 40 DIN-A-4-Seiten, die eine Auflistung unseres Fuhrparks enthielt. Er fügte vier neue Zeilen ein und plötzlich 'fehlten' tatsächlich die Rahmen der Zeilen. Die Lösung: Er hatte aus mangelnder Kenntnis der Rahmenfunktion sämtliche Kästchen mit der 'Male-eine-Linie-Funktion' erstellt und musste natürlich diese bei jeder Änderung ständig anpassen ..."

Die Sache mit der Papierschnittstelle

Reinhold Klein hat vor langer Zeit Mal von der ominösen "Papierschnittstelle" erfahren:

"Vor circa 25 Jahren beschrieb ein seitenlanger Artikel in einer Büro-Fachzeitschrift wie eine große mittelständische Firma auf ein neues Computersystem umstieg. Dabei mussten Daten vom alten System übertragen werden. Normalerweise würde man in so einem Fall ein Netzwerkkabel (war damals schon standardisiert) verlegen und die Daten einfach per Netzwerk auf das neue System kopieren. Der Berater dieser Firma ließ stattdessen Drucker und Scanner anschaffen (natürlich von exzellenter Qualität, also teuer), druckte die Inhalte des alten Systems aus und scannte die Ausdrucke dann auf dem neuen System ein."

Die Sache mit dem Diskettenverzeichnis

Da wäre zuletzt eigentlich nur noch die Frage zu klären: Wie um alles in der Welt kann man in Windows eigentlich eine Liste aller Dateien, die auf einer Diskette gespeichert sind, ausdrucken?

Das, so zeigten Dutzende Hinweise im Forum von SPIEGEL ONLINE, ist für PC-Laien und PC-Experten gleichermaßen knifflig, eigentlich geht es gar nicht. Im Forum wurden zwar viele Wege gezeigt, wie es in Spezialfällen, per Kommandozeile oder mit Drittanbieter-Programmen, funktionieren kann. Aber die sind gerade für Laien dermaßen umständlich (und für Experten würdelos), dass man sagen muss: Lasst es lieber.

Und so erklärte ich auch meinem Vater, der mich ursprünglich um Hilfe bat: Vergiss Windows, nimm Stift und Zettel. Ist viel einfacher!

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