#SocialMediaStrike Wikipedia-Mitgründer ruft zu zweitägigem Social-Media-Verzicht auf

Kein Facebook, kein Twitter, kein Instagram: Einer der Wikipedia-Gründer fordert Internetnutzer auf, am Donnerstag und Freitag keine sozialen Medien zu nutzen - abgesehen von Hinweisen auf den Protest.

Larry Sanger (Archivbild)
Kiichiro Sato / AP

Larry Sanger (Archivbild)


#SocialMediaStrike: Unter diesem Hashtag ruft Larry Sanger auf, soziale Medien zu bestreiken, indem man sie eine Zeit lang nicht benutzt und auch andere Nutzer dazu aufruft. "Niemand wird ignorieren können, was passiert", schreibt der Wikipedia-Mitgründer auf seiner Website.

Niedergelegt werden soll das Posten am 4. und 5. Juli, mit Ausnahme von Nachrichten und Memes, die klarmachen, dass und warum man streikt. Programmierern legt Sanger nahe, spezielle Streik-Bots zu programmieren, die Nutzern das Veröffentlichen der Streikbotschaften abnehmen könnten.

Larry Sanger zählte 2001 zu den Mitgründern der Wikipedia. Er kehrte dem Projekt aber recht bald den Rücken und wurde zu einem seiner lautstärksten Kritiker. Sanger war in den Folgejahren noch an anderen Online-Community-Projekten wie Citizendium, Infobitt beteiligt. Derzeit will er mit Everipedia eine Online-Enzyklopädie auf Basis von Blockchain-Technologie aufbauen.

Zu den Social-Media-Streikplänen schreibt Larry Sanger nun, es gehe um eine "kollektive Pause bei der Nutzung von Social Media", jedoch mit klarer Botschaft im Sinne seiner Erklärung: "Wir, die Streikenden, fordern die globale Entwicklergemeinschaft auf, ein neues System dezentraler sozialer Medien zu entwickeln."

"Für normale Nutzer unmöglich zu verstehen"

Im Rahmen seiner Protestaktion will Larry Sanger auch eine Forderungsliste namens "Erklärung der digitalen Unabhängigkeit" verbreitet wissen, deren jüngster Entwurf sich hier nachlesen lässt. Darin werden unter anderem Vergehen der Social-Media-Dienste angeprangert, etwa: "Sie haben die Zustimmung zu Nutzungsbedingungen verlangt, die für normale Nutzer unmöglich zu verstehen sind."

Im zweiten Teil werden dann Grundsätze dezentraler sozialer Netzwerke formuliert, wie: "Kein Unternehmen oder eine kleine Gruppe von Unternehmen sollte die Standards und Protokolle dezentraler Netzwerke kontrollieren."

Sangers Text erinnert vom Grundgedanken her an viele weitere Netzmanifeste, die zum Teil bereits vor dem Durchbruch von Plattformen wie Facebook und Twitter erschienen sind, wie die "Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace" von John Perry Barlow aus dem Jahr 1996.

Bislang erst wenige Unterschriften

Als Vision skizziert Larry Sanger ein System, in dem Nutzer selbst die Kontrolle über ihre Daten sowie ihre Privatsphäre haben und in dem soziale Medien als neutrale Dienstanbieter fungieren, ähnlich dem E-Mail- oder SMS-System. Nutzer sollten ihre Daten in einem solchen System zwischen verschiedenen Diensten austauschen können, wünscht sich Sanger. Dafür sei es nötig, dass die Dienstanbieter mit denselben Standards arbeiten.

Welchen Einfluss Sangers Streikaufruf und seine Unabhängigkeitserklärung haben werden, ist noch schwer einzuschätzen. Bislang haben die Erklärung - laut der Zahl auf Sangers Website - erst etwas mehr als 330 Nutzer unterschrieben. Sanger aber träumt von "Millionen Unterschriften": "Ich möchte, dass sich jeder bewusst wird, dass dezentrale soziale Medien eine Option sind." Er wolle auch keine Bewegung starten, betont Sanger, sondern Aufmerksamkeit für die bereits existierende Bewegung in Richtung eines dezentralisierten Internets schaffen.

Über sich selbst schreibt der heutige "Chief Information Officer" von Everipedia noch, er sei "im Grunde genommen ein unzufriedener Kunde": "Ich habe kein Projekt, das ich vorantreibe. Für meinen Lebensunterhalt arbeite ich an einem Enzyklopädieprojekt."

mbö

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
Erythronium2 01.07.2019
1.
Viel Spaß mit dem Protest! Für mich persönlich sind Facebook, Twitter und Instagram ziemlich uninteressant. Youtube kann hilfreich sein, etwa für Tutorials. Kaum jemand muss privat dort etwas publizieren. Wikipedia hingegen finde ich, offenbar im Gegensatz zu Herrn Sanger, richtig gut. Und dort mache ich auch im Rahmen meiner Fähigkeiten und Möglichkeiten mit.
gedankensucher 01.07.2019
2. Und Amazon??
Ehrlich gesagt, macht mir Amazon mehr Sorgen. Bei Facebook und Co geht es um Gerüchte. Amazon zerstört massiv den Markt und Stellenmarkt. Auf immer mehr Seiten (ich meine, auch SPON) gibt es bei Produktinfos sofort einen Link zu Amazon. Wie soll da ein Handel Zukunft haben, der Innenstädte belebt und Arbeitsplätze nicht nur für Lageristen und Paketauslieferer schafft?
thommy05 09.07.2019
3.
01.07.2019 1. Viel Spaß mit dem Protest! Für mich persönlich sind Facebook, Twitter und Instagram ziemlich uninteressant. Youtube kann hilfreich sein, etwa für Tutorials. Kaum jemand muss privat dort etwas publizieren. Wikipedia hingegen finde ich, offenbar im Gegensatz zu Herrn Sanger, richtig gut. Und dort mache ich auch im Rahmen meiner Fähigkeiten und Möglichkeiten mit. m
thommy05 09.07.2019
4.
Alle Kommentare öffnen Erythronium201.07.2019 1. Viel Spaß mit dem Protest! Für mich persönlich sind Facebook, Twitter und Instagram ziemlich uninteressant. Youtube kann hilfreich sein, etwa für Tutorials. Kaum jemand muss privat dort etwas publizieren. Wikipedia hingegen Seh ich genau soWiki brauch ich. Der Resthält mich von wichtigeren Dingen ab. Wie ein gew. Mr Flynn vor wenigen Tagen publizierte, sinkt der IQ in den Industrienationen. Wer sich von morgens bis Abends nur mit FB WA und IG beschäftigt un nrbenher Bibis Schminktips als Bildungsfernen nutzt, kanm seinen IQ nicht erhöhen. Alerdinhs wird der Protest am normalen Social Media Nutzer eben komplett vorbeigehen. Und wie von Sander gesagtsind die AGB undurchschaubar. Wenn ich als deutscher Nutzer 40 Seiten engl. Juristensprech incl. salvatorischer Klauses abhaken soll reicht es mir um auf NEIN zu klicken
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