Krypto-E-Mail-Dienst Lavabit-Kunden können verlorengeglaubte Nachrichten sichern

Weil US-Behörden Zugriff auf verschlüsselte Nachrichten verlangten, wurde der E-Mail-Dienst Lavabit im August abrupt geschlossen. Nun soll er kurzzeitig wiederbelebt werden. Nutzer bekommen wenige Tage Zeit, um E-Mails zu sichern, die noch auf den Servern lagern.

Screenshot der Lavabit-Website (Archivbild): Geschlossen, weil Behörden Zugriff verlangten
REUTERS

Screenshot der Lavabit-Website (Archivbild): Geschlossen, weil Behörden Zugriff verlangten


Lavabit-Kunden haben harte Wochen hinter sich: Immer wieder machte der von ihnen genutzte E-Mail-Dienst Schlagzeilen. Seit August haben sie keinen Zugriff mehr auf ihre dort gespeicherten E-Mails. Lavabit-Gründer Ladar Levison hatte seinen Dienst Anfang August geschlossen, nachdem US-Behörden versucht hatten, Zugriff auf die Kundendaten zu bekommen. Nun wird der Dienst, der sich vor allem durch seine Verschlüsselung einen Namen machte, kurzzeitig wiederbelebt.

Seit der Nacht zum Dienstag können Lavabit-Kunden online ihr Passwort ändern. Wie die zugehörige Pressemitteilung erläutert, steht für diesen Schritt ein Zeitfenster von 72 Stunden zur Verfügung. Von der Nacht zu Freitag an sollen Nutzer anschließend die Möglichkeit haben, ihr E-Mail-Archiv herunterzuladen.

Wie lang der Zugriff auf die Nachrichten möglich sein wird, ist unklar. "The Verge" mutmaßt, dass es in Anbetracht dessen, dass dem Dienst weitere rechtliche Schritte drohen, unwahrscheinlich ist, dass die Seite lange online sein wird. Auf der Lavabit-Website heißt es, man biete ein kurzes Zeitfenster von fünf Tagen an, vermutlich bezieht sich diese Angabe auf beide Schritte.

Zu den Nutzern des Dienstes soll Whistleblower Edward Snowden gehört haben. Im Netz war Levison für seinen Entschluss zur Dienstabschaltung gefeiert worden: Er habe sein Unternehmen, das er rund zehn Jahre lang aufgebaut hatte, geopfert, um die Daten seiner Kunden zu schützen, lautete seine Heldengeschichte.

3500 Dollar für Metadaten-Weitergabe

Über den Kontakt mit den Behörden durfte Levison unter Haftandrohung zunächst nicht sprechen, erst Anfang Oktober gelangten Details an die Öffentlichkeit. Demnach hatten die Fahnder nicht nur Zugang zu Edward Snowdens Konto verlangt, sondern eine Art Generalschlüssel zu allen rund 410.000 Kundenkonten.

Vergangene Woche wurde bekannt, dass Levison zeitweise mit der Weitergabe von Nutzer-Metadaten einverstanden war, zu eigenen Bedingungen. Gerichtsunterlagen zufolge hatte er dem FBI angeboten, für 3500 Dollar ein Programm zum Herauslesen der Daten zu schreiben und die Daten selbst weiterzuleiten. Das FBI lehnte den Vorschlag ab.

mbö



insgesamt 3 Beiträge
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ein-dummer-junge 15.10.2013
1. na da freut sich auch die NSA
rasch alle Daten mal mit abgleichen die man schon hat. Zur Not auch neue Daten sammeln
daten.waesche@gmail.com 15.10.2013
2. Verlinken
Warum hinkt der SPIEGEL immer hinterher? Natürlich kann man mehr Geld verdienen, wenn man nicht verlinkt, aber warum setzen sich die Autoren nicht zusammen, die so etwa ins gleiche Horn stoßen und verbinden ihre Themen. Das überläßt man den Lesern und die haben nicht die Zeit es zu machen. Die Daten Wäsche hat etwas mit den Infos hier zu tun und mit dem Artikel über die Internetpolizei. Wenn man querverbindet hätte man auch Antworten. Denn jeder fragt sich doch wohin das alles führen wird. Dass zum Beispiel im Juli berichtet wird die USA wolle verschlüsselte Daten haben, aber ein früherer Artikel besagt, dass sie längst zugreifen, zeigt doch was los ist. Die Steuercds, warum wird da nicht nachgeforscht, das sind doch abgegriffene Daten der NSA oder GCHQ, die dann über einen Strohmann als Steuercds Eingang fanden. Da wird gerüttelt aber das war es dann. Auch die Verbindung zu den Medien wird nicht thematisiert, wie wir ja längst den gesetzlosen Rächer a la Batman oder Supermann geschluckt haben, sogar der Terminator ist uns ans Herz gewachsen. Dann die Golemlegende, die von den Juden gern als Supermann Heldenepos gesehen wird aber der Sturz des Golem völlig negiert wird.
Loosa 15.10.2013
3.
Zitat von ein-dummer-jungerasch alle Daten mal mit abgleichen die man schon hat. Zur Not auch neue Daten sammeln
Ach, wie lustig. Gerade der Betreiber von Lavabit hatte sich mit aller Kraft gegen den Zugriff der NSA gesträubt. Als er gerichtlich zur Herausgabe des Schlüssels für Snowdens Mails gezwungen war tat er es... und druckte ihn auf 11 Seiten mit einer kaum lesbaren Schmuckschrift in Größe 4. Als der Geheimdienst dann aber Zugriff auf alle Nutzerdaten wollte stellte Lavabit den Maildienst lieber komplett ein als der Forderung nachzugeben. Aber Hauptsache immer mit der NSA-Keule draufhauen. Egal ob sinnvoll oder nicht...
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