Leica-Film mit "Tank Man"-Aufnahme Echte Fotografen benutzten Nikon-Kameras

Ein Film, in dem es um Leica-Kameras geht, hat in China Irritationen ausgelöst. Er dreht sich um ein historisches Foto. Nun kommt heraus: Die wirklich dafür verwendeten Geräte kamen von einem anderen Kamerahersteller.
Der "Tank Man" - hier in der Version von Reuters

Der "Tank Man" - hier in der Version von Reuters

Foto: STRINGER/ REUTERS

Ein Film, der im Zusammenhang mit dem hessischen Kamerahersteller Leica steht, hat die chinesischen Behörden verärgert. Das Video soll die Entstehung eines der berühmtesten Fotos der Weltgeschichte zeigen: 1989 hatte sich ein unbekannter Mann am Platz des Himmlischen Friedens den heranrollenden Panzern entgegengestellt. Vier Pressefotografen fingen den Moment von einem Pekinger Hotel aus ein, das Bild des "Tank Man" ging um die Welt.

Nur: Keiner der Fotografen benutzte damals eine Leica-Kamera, wie der Film nahelegt. Stattdessen arbeiteten Jeff Widener (AP), Charlie Cole (Newsweek), Stuart Franklin (Magnum) und Arthur Tsang (Reuters) mit Fotoapparaten des japanischen Konkurrenten Nikon, wie sie auf Anfrage bestätigten. Widener, Cole und Franklin gaben zudem an, weder von Leica noch von der Werbeagentur des Unternehmens kontaktiert worden zu sein.

Im Film mit dem Titel "The Hunt" ("Die Jagd") ist zu sehen, wie ein westlicher Fotograf während des Volksaufstands 1989 von chinesischen Sicherheitskräften bedrängt wird und heimlich den "Tank Man" ablichtet. Am Ende erscheint das Leica-Logo.

Das Video hatte in China Kritik ausgelöst, weil die Niederschlagung des Volksaufstands dort ein Tabu ist. Der Film verschwand aus dem chinesischen Internet, Suchen nach "Leica" oder ähnlichen Begriffen führten zu Fehlermeldungen. Leica distanzierte sich von dem Clip: Man habe ihn angeblich weder in Auftrag gegeben noch autorisiert. Ein Leica-Sprecher sagte, das Unternehmen prüfe rechtliche Schritte, um eine weitere Verbreitung im Namen der Firma zu verhindern.

Für das Unternehmen ist der Ärger brisant. Leica entwickelt Kameras für den chinesischen Handyhersteller Huawei. Ob der Vorfall die Partnerschaft gefährdet, ist bislang nicht bekannt. Huawei ist ein Privatunternehmen, gilt aber aufgrund seiner strategischen Bedeutung für Chinas industriepolitische Agenda nach Expertenmeinung als staatsnah.

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