Leica-Film mit "Tank Man"-Aufnahme Echte Fotografen benutzten Nikon-Kameras

Ein Film, in dem es um Leica-Kameras geht, hat in China Irritationen ausgelöst. Er dreht sich um ein historisches Foto. Nun kommt heraus: Die wirklich dafür verwendeten Geräte kamen von einem anderen Kamerahersteller.

Der "Tank Man" - hier in der Version von Reuters
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Der "Tank Man" - hier in der Version von Reuters

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Ein Film, der im Zusammenhang mit dem hessischen Kamerahersteller Leica steht, hat die chinesischen Behörden verärgert. Das Video soll die Entstehung eines der berühmtesten Fotos der Weltgeschichte zeigen: 1989 hatte sich ein unbekannter Mann am Platz des Himmlischen Friedens den heranrollenden Panzern entgegengestellt. Vier Pressefotografen fingen den Moment von einem Pekinger Hotel aus ein, das Bild des "Tank Man" ging um die Welt.

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Heft 18/2019
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Nur: Keiner der Fotografen benutzte damals eine Leica-Kamera, wie der Film nahelegt. Stattdessen arbeiteten Jeff Widener (AP), Charlie Cole (Newsweek), Stuart Franklin (Magnum) und Arthur Tsang (Reuters) mit Fotoapparaten des japanischen Konkurrenten Nikon, wie sie auf Anfrage bestätigten. Widener, Cole und Franklin gaben zudem an, weder von Leica noch von der Werbeagentur des Unternehmens kontaktiert worden zu sein.

Im Film mit dem Titel "The Hunt" ("Die Jagd") ist zu sehen, wie ein westlicher Fotograf während des Volksaufstands 1989 von chinesischen Sicherheitskräften bedrängt wird und heimlich den "Tank Man" ablichtet. Am Ende erscheint das Leica-Logo.

Das Video hatte in China Kritik ausgelöst, weil die Niederschlagung des Volksaufstands dort ein Tabu ist. Der Film verschwand aus dem chinesischen Internet, Suchen nach "Leica" oder ähnlichen Begriffen führten zu Fehlermeldungen. Leica distanzierte sich von dem Clip: Man habe ihn angeblich weder in Auftrag gegeben noch autorisiert. Ein Leica-Sprecher sagte, das Unternehmen prüfe rechtliche Schritte, um eine weitere Verbreitung im Namen der Firma zu verhindern.

Leica-Werbefilm

Für das Unternehmen ist der Ärger brisant. Leica entwickelt Kameras für den chinesischen Handyhersteller Huawei. Ob der Vorfall die Partnerschaft gefährdet, ist bislang nicht bekannt. Huawei ist ein Privatunternehmen, gilt aber aufgrund seiner strategischen Bedeutung für Chinas industriepolitische Agenda nach Expertenmeinung als staatsnah.

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insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
theuwe 26.04.2019
1. Der Mythos bebt
Leica war sehr zu Recht ein fotografischer Mythos...ib analoger Zeit. Inzwischen ist Leica nur noch ein überteuertes Lifestyle-Produkt, Innovationen kommen schon längst von anderen Herstellern. In einer hochwertigen Hülle steckt durchschnittliche Digitaltechnik. Gleichzeitig werden fehlende Features als genialer Purismus verkauft, je weniger Features, desto teurer wird das Ding. Huawei hat sich zu einer Zeit, als sie noch um ihr Profil rangen, Leica zur Verbesserung ihres (einstigen) Billig-NoName-Image eingekauft, technologisch braucht Huawei Leica mit Sicherheit nicht
grabredner 26.04.2019
2.
Es geht im Film um Fotojournalismus und um dessen Gefahren. Es geht auch um Wahrheit. Der Film ist aufwändig gemacht, dramatisch und eindringlich. Warum ein Film über die Gefahren des Fotojournalismus eine so plumpe Lüge enthält ist rätselhaft. Die Frage kann nach Hanlons Gesetz mit Dummheit erklärt werden. Aber wenn der Produzent sich nicht erklärt wird der Film Teil der großen Verschwörungstheorien werden. Er wird als Beweis dafür herhalten müssen das wir überall belogen werden. Diese kleine, gerade noch erkennbare Szene im Objektiv dreht die ganze Botschaft des Films in sein Gegenteil. Wie unfassbar dumm …
Circular 26.04.2019
3. Wenn man schon keine Ahnung hat
Zitat von theuweLeica war sehr zu Recht ein fotografischer Mythos...ib analoger Zeit. Inzwischen ist Leica nur noch ein überteuertes Lifestyle-Produkt, Innovationen kommen schon längst von anderen Herstellern. In einer hochwertigen Hülle steckt durchschnittliche Digitaltechnik. Gleichzeitig werden fehlende Features als genialer Purismus verkauft, je weniger Features, desto teurer wird das Ding. Huawei hat sich zu einer Zeit, als sie noch um ihr Profil rangen, Leica zur Verbesserung ihres (einstigen) Billig-NoName-Image eingekauft, technologisch braucht Huawei Leica mit Sicherheit nicht
muss man das nicht auch noch mit aller Gewalt öffentlich machen. Bei den Spiegellosen Vollformat Systemkameras war Leica sowohl Canon als auch Nikon deutlich voraus und hat Zeichen gesetzt, die heute auch von Panasonic und Sigma aufgenommen werden. Die Partnerschaft mit Huawei war ein genialer Schachzug, der die Marke Leica in einem Umfang öffentlich präsent gemacht hat, der ohne diese Partnerschaft nie möglich geweisen wäre.
thomas387 26.04.2019
4. Weder Nikon noch Leica Fotoapparate
machen Bilder. Heute muss man seine Filmdosen-Aufnahmen auch nicht mehr in Plastikfolie wickeln und im Toiletten-Spülkasten verstecken. Man nutzt sein Handy und bereits beim Auslösen wandert die Aufnahme in irgendeine Cloud und ist damit sofort weltweit verfügbar. Wichtige Bilder erledigen heute Überwachungskameras und Bodycams, deren Material von Zugangsberechtigten umgehend bei youtube eingestellt wird. Wir haben es hier also mit reziprokem Bildinteresse zu tun: Leica möchte eine ruhmreiche Vergangenheit ins Aktuelle glorifizieren und China möchte eine gegenteilige unter Verschluss halten. Die einen propagieren Bilder, die anderen möchten sie gerne vernichten. Warum? Weil wir trotz aller Inszenierung, ich erinnere mich noch an den Wolf, der über das Gatter springt, an die Wahrheit des Bildes glauben. Leica wird enden wie Dolce & Gabbana. Und wir alle werden uns vor den Chinesen in den Staub werfen. Gibt auch hübsche Bilder.
kolloq 27.04.2019
5. Wiederholungstäter
Sich mit Bildern zu schmücken, die mit anderen Fabrikaten gemacht wurden hat Leica schon öfter gemacht. Insbesondere in ihren Broschüren wurden berühmte Pressebilder so mit dem kleinen hessischen Hersteller in Zusammenhang gesetzt. Tatsächlich ist Leica eine Marke, die nahezu ausschließlich von wohlhabenden Amateuren verwendet wird. Die aber knipsen höchstens unrelevantes Zeug, das niemand sehen will.
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