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15. April 2019, 11:22 Uhr

WikiLeaks-Mitgründer festgenommen

Ecuadors Präsident wirft Assange Spionage vor

Lenín Moreno sagt, Julian Assange habe in der Londoner Botschaft von Ecuador ein "Zentrum für Spionage" einrichten wollen. Dass es einen Deal mit den USA zum WikiLeaks-Mitgründer gebe, weist der Staatschef Ecuadors zurück.

Ecuadors Präsident Lenín Moreno hat erneut den Entzug des politischen Asyls für WikiLeaks-Gründer Julian Assange verteidigt. Moreno sagte der Zeitung "The Guardian", Assange habe versucht, in der ecuadorianischen Botschaft in London ein "Zentrum für Spionage" einzurichten.

Offenbar spielte Moreno auf die Rolle von WikiLeaks im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 an. Die Plattform veröffentlichte damals Tausende E-Mails aus dem Lager der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton.

US-Behörden gehen davon aus, dass die E-Mails von russischen Geheimdiensthackern heruntergeladen und WikiLeaks zugespielt wurden. Diesen Aspekt hat auch FBI-Sonderermittler Robert Mueller in seinem Abschlussbericht über die vermutete russische Einmischung bei der von Donald Trump gewonnenen Präsidentenwahl festgehalten.

"Respektieren die Politik aller anderen Staaten"

Moreno sagte, die Vorgängerregierung in Quito habe zugelassen, dass von der Botschaft aus in die "Prozesse anderer Staaten" eingegriffen werde. "Jeder Versuch der Destabilisierung ist eine verwerflicher Tat für Ecuador, denn wir sind eine souveräne Nation und respektieren die Politik aller anderen Staaten", heißt es.

Assange habe zudem Botschaftsmitarbeiter schlecht behandelt, sagte Moreno. Die Anwältin des Australiers, Jennifer Robinson, wies das zurück. Dem Sender Sky sagte sie, Ecuador habe "einige ziemlich haarsträubende Anschuldigungen" geäußert, um der britischen Polizei zu ermöglichen, in die Botschaft zu kommen und ihren Mandanten festzunehmen.

Der Entzug des Asyls sei nicht willkürlich erfolgt, sondern fuße auf internationalem Recht, sagte Lenín Moreno. Er will eine schriftliche Zusage von Großbritannien erhalten haben, dass Assange nicht ausgeliefert werde, wenn ihm die Todesstrafe drohe.

Den Vorwurf seines Amtsvorgängers Rafael Correa, der Entzug des Asyls sei Teil eines Deals mit den USA zum Schuldenerlass für Ecuador, wies Moreno zurück: "Zu keiner Zeit war der Status von Assange Teil von Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten".

Assange war am Donnerstag nach sieben Jahren in der ecuadorianischen Botschaft in London festgenommen worden. Die Regierung in Quito hatte zuvor das politische Asyl für den 47-jährigen Australier aufgehoben, der wegen der Veröffentlichung geheimer US-Dokumente vielen in den USA als Staatsfeind gilt. Assanges Anwälte wollen nun eine Auslieferung des WikiLeaks-Gründers an die USA verhindern.

pbe/dpa

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