"Let's Play"-Videos YouTuber protestieren gegen Nintendo

"Let's Play"-Macher wie Gronkh, Sarazar und PewDiePie sind durch YouTube bekannt geworden und verdienen mit ihren Videos viel Geld. Nintendo will nun einen Teil der Einnahmen - und bei den Videos mitreden. Viele Web-Stars sind sauer.
Nintendo Creators Program: YouTuber kontrollieren?

Nintendo Creators Program: YouTuber kontrollieren?

Foto: Nintendo

Sie spielen Videospiele, kommentieren live ihre Aktionen, zeichnen das Ganze auf und stellen es auf YouTube: Erfolgreiche Produzenten sogenannter "Let's Play"-Videos genießen bei ihren meist jugendlichen Fans Kultstatus und haben sich als gewinnträchtige Marken etabliert.

Nun erleben YouTube-Größen wie der Schwede PewDiePie , der laut "Wall Street Journal"  rund vier Millionen Euro im Jahr verdient, und deutsche Videomacher wie Gronkh und Sarazar, Unge  oder Dner  erstmals Gegenwind. Das japanische Unternehmen Nintendo hat vergangene Woche die Beta-Phase seines neuen Creators Program  gestartet - und will künftig nicht nur mitverdienen, sondern die YouTuber auch kontrollieren.

Bereits im Frühjahr 2013 hatte der Konzern begonnen, sich mittels YouTubes Content-ID-System  die gesamten Gewinne von Videos, die urheberrechtliches Material ihrer Spiele enthalten, einzuverleiben und eigene Werbeclips zu schalten. Dieses Vorhaben stieß damals auf Protest von professionellen YouTubern wie dem Amerikaner Zack Scott , der in einem offenen Brief an Nintendo  ankündigte, bis auf Weiteres auf Inhalte aus Spielen mit Nintendo-Inhalten zu verzichten.

Aus "Fuck You" wird "Ihr solltet die Entscheidung überdenken"

Nun hat Nintendo in Japan und den USA das dazugehörige Affiliate-Programm eröffnet. Offiziell beginnt es erst am 27. Mai 2015, Anmeldungen sind aber bereits möglich. Es sieht vor, dass "Let's-Play"-Autoren, die Videos auf Basis von Nintendo-Software wie "Mario Kart 8" anfertigen, 40 Prozent der via Werbung verdienten Umsätze an den Konzern abtreten müssen. Von YouTube-Kanälen, die sich ausschließlich Nintendo-Spielen widmen, will das Unternehmen 30 Prozent der Einnahmen haben. Die generierten Werbeerlöse fließen zuerst auf das Konto des Herstellers, der wiederum den Anteil für den YouTuber auf dessen Paypal-Account überträgt - allerdings mit bis zu zwei Monaten Verzögerung.

Verglichen mit Nintendos ursprünglichen Plänen klingt das nach einem fairen Mittelweg. Dennoch stößt das Creators Program bei den Web-Akteuren auf wenig Begeisterung.

Erneut ist Zack Scott einer derjenigen bekannteren "Let's Player", die Nintendo für das neue YouTube-Modell kritisieren. Auf seiner Facebook-Seite  schreibt er: "Wenn ich die Nintendo-Richtlinien mit denen anderer Entwickler vergleiche, sehe ich keinen Anreiz für etablierte YouTuber. (...) Das Nintendo-Programm treibt einen Keil zwischen Videomacher und Spieleentwickler."

PewDiePie geht Nintendo in seinem Blog  ebenfalls scharf an. Er bemängelt, das Unternehmen würde "die kostenlose Präsentation und die Werbung, die es von den YouTubern bekommt" übersehen. Die Formulierung "Fuck you, Nintendo" hat er mittlerweile jedoch in "Ihr solltet eure Entscheidung überdenken, Nintendo" abgeändert.

Nintendo will die volle Kontrolle

Wer an Nintendos Creators Program teilnehmen will, muss nicht nur auf einen Teil seiner Einnahmen verzichten, sondern sich obendrein an die von Nintendo vorgegebenen Regularien halten und die Kontrolle über seine Videowerke abgeben. Entweder registriert man jedes Video einzeln oder meldet gleich den gesamten YouTube-Kanal an; die Freigabe seitens Nintendo nach Einreichen des entsprechenden Videos dauert bis zu drei Werktage. Das hat seinen Grund: Das Unternehmen prüft sorgfältig die von den Nutzern eingesprochenen Kommentare. Man nimmt sich das Recht heraus, "diskriminierendes, diffamierendes, verleumderisches, hasserfülltes, belästigendes, beleidigendes, obszönes, bedrohliches, physisch gefährliches, ungesetzliches oder sonstiges anstößiges Verhalten in Bezug auf den Inhalt oder das Nintendo Creators Program" entfernen zu lassen. Das ist vage formuliert - und dient womöglich als Absicherung für die Japaner, dass sich die YouTuber allzu harsche Kritik an einem Nintendo-Spiel verkneifen.

Außerdem ein Ärgernis für Nintendo-Fans wie Zack Scott: Nintendo hat eine sogenannte Whitelist  veröffentlicht, die genau vorgibt, zu welchen Spielen "Let's Play"-Videos erstellt werden dürfen. Titel, die sich nicht auf der Whitelist befinden, darunter etwa der Erfolgstitel "Super Smash Bros."  oder die populären "Pokémon"-Games, bleiben "Let's Play"-Fans also künftig verwehrt.

US-Spieleanbieter zeigt Verständnis für die YouTuber

Ob in Zukunft auch andere Spielentwickler Franchise-Modelle nach Nintendo-Vorbild einführen werden, hängt sicherlich nicht unwesentlich vom Erfolg des Creators Program ab. Bislang standen Unternehmen wie Sony, Electronic Arts oder Ubisoft der "Let's Play"-Szene positiv gegenüber.

Der im texanischen Austin ansässige Indie-Publisher Devolver Digital ("Serious Sam HD") zeigt sich indes schon seit einiger Zeit solidarisch mit den Videoproduzenten: Unter http://canipostandmonetizevideosofdevolvergames.com  lassen die Entwickler keinerlei Zweifel daran aufkommen, dass eine Monetarisierung von Videos über ihre Spiele erwünscht ist.