library.nu Verleger machen E-Book-Raubkopierer ausfindig

Mehrere Verlage haben einstweilige Verfügungen gegen das E-Book-Raubkopieverzeichnis library.nu und den Filehoster ifile.it erwirkt. Die mutmaßlichen Betreiber sollen allein durch Werbung täglich 21.000 Euro umgesetzt haben.
E-Books auf Lesegeräten (Symbolbild): Buchhandel geht gegen Raubkopierseiten vor

E-Books auf Lesegeräten (Symbolbild): Buchhandel geht gegen Raubkopierseiten vor

Foto: Konrad Lischka

Hamburg - Eine Gruppe internationaler Verlage hat einstweilige Verfügungen gegen drei Personen in Irland erwirkt. Das teilten der Börsenverein des deutschen Buchhandels und die International Publishers Association am Mittwoch mit. Nach Recherchen der Verlage sollen die Verdächtigen verantwortlich sein für library.nu, ein Verzeichnis mit Links auf mehr als 400.000 raubkopierte E-Books, sowie den angeschlossenen Filehoster ifile.it.

Die Seite library.nu verzeichnete Links auf illegal kopierte E-Books, die sich anonym und kostenlos von Filehostern herunterladen ließen. Einen dieser Filehoster, ifile.it, sollen die Betreiber des Verzeichnisses laut der Mitteilung des Börsenvereins selbst betrieben haben. Nach außen hätte jedoch der Eindruck erweckt werden sollen, die Plattformen hätten nichts miteinander zu tun. Die Websites waren am Dienstag nicht erreichbar.

Nach Schätzungen des Börsenvereins sollen die mutmaßlichen Betreiber mit ihren Websites rund acht Millionen Euro im Jahr umgesetzt und somit an der Verletzung von Urheberrechten verdient haben. So sollen allein durch Google-Werbung jeden Tag rund 21.000 Euro eingenommen worden sein, hinzu kämen Spenden für Premiumdienste.

Um für Zivil- und Strafprozesse Beweise zu sichern, haben die Verlage private Ermittler beauftragt. Ein technischer Dienstleister fertigte Kopien der angebotenen Dateien an. Offenbar bemerkten die Betreiber diesen massenhaften Zugriff und verlagerten ihr Angebot auf andere Server, um die Ermittler zu behindern. Auch hätten die Betreiber den Serverstandort von Deutschland in die Ukraine verlegt und ihre Domains dort auf falsche Namen registriert.

Nach Angaben des Justiziars des Börsenvereins, Christian Sprang, haben die Verlage einen sechsstelligen Betrag investiert, um den Betreibern nachzuspüren. Dabei sei allerdings nicht, wie im Fall kino.to, Geld an Informanten geflossen. Insgesamt 17 einstweilige Verfügungen, jeweils im Namen eines anderen Verlages, wurden vor dem Landgericht München I erwirkt und den drei Betreibern im Umkreis der irischen Stadt Galway zugestellt.

Sprang kritisierte die Strafverfolger. "Es ist ein Unding, dass wir zivilrechtlich gegen ein so offenbar illegales Angebot vorgehen müssen und sich dafür bisher keine Staatsanwaltschaft interessiert hat." Die Verlage hätten die Plattformen so schnell wie möglich offline sehen wollen. Während sich organisierte Kriminelle international aufstellten, gebe es bisher zu wenig strafrechtliche Mittel und eine mangelnde internationale Zusammenarbeit im Bereich des Urheberrechts. "De facto findet eine Privatisierung der Durchsetzung des Urheberrechts im Internet statt", so Sprang.

Im Fall kino.to waren Ermittler ausgerückt und hatten mehrere Hintermänner des Netzwerks aus Raubkopieverzeichnis und Filehostern festgenommen. Bislang wurden vier von ihnen verurteilt.

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