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Looper: Das Werkzeug für die One-Man-Band

Foto: Korg/ Vox

Kult-Straßenmusiker Umpf, umpf, dedisch!

Der Loop ist Musik-Traditionalisten ein Graus. Jetzt landen die Soundschleifen, aus denen sich Elektronik- und Hip-Hop-Tracks zusammensetzen, im Freien: Straßenmusiker mit sogenannten Loopern bauen ihre Musik selbst auf, Schicht für Schicht - mit atemberaubenden Ergebnissen.

Zwanzig Sekunden: Die Zahl ist willkürlich gewählt, aber wohl recht häufig. Zwanzig Sekunden sind eine gute Zeit, um einen Ausschnitt aus einem Stück Musik zu einem Loop zu machen, einer Schleife aus Tönen, die man beliebig oft wiederholen kann. Wir hören das jeden Tag.

Rund zwanzig Sekunden griff sich Puff Daddy aus dem Police-Klassiker "Every Breath you Take". Mit dem Resultat, dass Menschen bis Mitte, Ende Zwanzig heute glauben, das Gitarrenriff gehöre zu einem Lied namens "I'll be missing you". Beat International machten aus einer Drei-Sekunden-Basssequenz aus "Guns of Brixton" von den Clash den Welthit "Dub Be Good To Me". Nicht jeder Urheber findet das prickelnd, bei der Deutsch-Rapperin Sabrina Setlur waren es nur zwei Sekunden "geklaute" Musik von Kraftwerk, die einen Urheberstreit bis zum Bundesgerichtshof verursachten. Sie verlor.

Viele Fans, Traditionalisten und Liebhaber handgemachter Musik sehen das ähnlich wie der BGH, Sample-basierte Musik ist für sie eine Art Recycling, wenn nicht geistiger Diebstahl. Oft stimmt das. Vieles, was da eigentlich alt, aber frisch berappt in den Charts aufläuft, ist einfach nur billig. Den Loop als neumodisches, musikalisches Werkzeug zu verteufeln, wäre trotzdem falsch: Der Loop heißt so, weil man schon vor Jahrzehnten Tonbänder zu Endlosschleifen klebte, wenn man sich perfekt wiederholende Sequenzen brauchte.

Schon seit den fünfziger Jahren gehörte der Loop zum Instrumentarium der professionellen, aber auch experimentellen Musikproduktion. Nicht nur Unterhaltungsmusiker griffen darauf zurück, sondern früh auch Künstler wie John Cage, Brian Eno oder Karlheinz Stockhausen.

Heute ermöglicht Digitaltechnik Unglaubliches: Gute Loop Stations zeichnen stundenlang auf, erlauben die parallele Bearbeitung mehrerer Loops, halten Dutzende, mitunter Hunderte davon abrufbar bereit. Sie synchronisieren die Samples, sorgen für perfekten Gleichtakt. Sie liefern die Sounds in CD-Qualität aus. Prinzipiell ließe sich so im Alleingang ein Orchesterwerk aufzeichnen, wenn man wollte - zu überschaubaren Preisen (siehe Fotostrecke).

Dass all das aber mehr ist als Technik, zeigen Musiker vor allem beim sogenannten Live-Looping  - dann wird die Maschine selbst zum Instrument, für das man jede Menge Könnerschaft mitbringen muss. In den vergangenen Jahren haben es die Looper hinaus auf die Straße, hinauf auf die Bühnen geschafft. Sie geben dort dem Begriff "One-Man-Band" eine ganz neue Bedeutung. Ein paar Beispiele:

Daniele Gigli: Nur so viel loopen, wie gerade nötig

Der Italiener Daniele Gigli  ist Profi, er gibt Konzerte, ist sich aber auch nicht zu schade, auf die Straße zu gehen. In der ersten Dezemberwoche trat er zugunsten einer Wohltätigkeitsaktion in einem Fußgängertunnel auf.

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Was er da demonstrierte, war nicht nur Meisterschaft auf der Gitarre, sondern auch mit dem Looper: Der liefert den Rhythmus für die furiosen Soli im letzten Drittel.

Er beschränkt sich dabei auf nur zwei Loop-Spuren. Auf der ersten liegt der Rythmus-Part der Strophen, auf der zweiten klopft er gegen die Gitarre, um sich Percussion hereinzuholen.

Das alles hat absolut nichts mit "Musik aus der Konserve" zu tun. Auch bei Live-Looping-Weltmeisterschaften war der Italiener schon vertreten.

Jarle Bernhoft: Der Loop als Attraktion

Bühnenerfahrung hat auch der Norweger Jarle Bernhoft  satt. In seiner skandinavischen Heimat landen seine Songs in den Charts, sein zweites Album "Solidarity Breaks" schaffte es dort auf Platz eins.

Dass Bernhoft bereits international tourte und kürzlich einen beachteten Auftritt in der US-Talkshow von Ellen DeGeneres hatte, verdankt er aber seiner Loop Station: Bernhoft verzichtet gern auf Band-Begleitung.

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Was seine besondere Meisterschaft ausmacht, ist die Geschwindigkeit, der übergangslose Fluss, den er beim Live-Aufzeichnen seiner Loops hinbekommt: Es liegt in der Natur der Sache, dass jeder Looper erst einmal aufbauen muss, nacheinander die nötigen Samples einspielt. Bernhoft schafft das völlig ohne Pausen, produziert vielmehr mitten im Spiel noch Loops nach, wenn er sie braucht.

Loop Cycle: Der Loop als ausdrucksstarkes Instrument

Looping ist nicht nur etwas für Sänger und Gitarristen. Dan Hickin alias Loop Cycle  hat die Technik gleich zu seinem Namen gemacht. Im Sommer 2012 zeigte er auf dem Straßenmusikerfestival im britischen Mablethorpe, was sich mit einem Looper, digitalen Effektboards, einer Gitarre und ein wenig Beatboxing - die Erzeugung von percussiven Tönen direkt über das Mikrofon - so alles zaubern lässt.

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Teils ist es schwer nachzuvollziehen, dass das wirklich live eingespielt sein soll. Ist es aber.

Dub FX: Absolute Freiheit - sogar von Instrumenten

Dub FX - hinter dem Pseudonym verbirgt sich der australische Straßenkünstler Benjamin Stanford - kommt völlig ohne Instrumente aus.

Er singt, prustet, pustet, summt, brummt, brüllt und schnalzt seine Samples live ein, ein Mikrofon und eine Loop Station reichen ihm dazu. Ursprünglich, sagte er kürzlich in einem Interview, habe er damit angefangen, um Aufmerksamkeit zu erregen und einen regulären Plattenvertrag zu bekommen.

Stattdessen, sagt er heute, habe er "etwas ganz anderes, besseres" gefunden: Dub FX  ist nun eine Art Weltstar, der bei YouTube Millionen Zuhörer hat, die auch seine selbst produzierten CDs kaufen und zu seinen Konzerten kommen. Nach wie vor aber liebt er das "Busking", die Straßenmusik.

Vor kurzem ist eine Filmdokumentation über seine Straßenauftritte erschienen, an deren Vermarktung er direkt mitverdient. Muss man noch erwähnen, dass diese Loop-Musik seine eigene ist?

Im folgenden Video - einem Ausschnitt aus der erwähnten Dokumentation - baut er souverän vor laufender Kamera und vor Publikum ein Stück auf und erklärt dabei auch gleich noch, wie er das macht. Was dabei live ohne jedes herkömmliche Instrument entsteht, muss sich hinter professionellen Studioproduktionen nicht verstecken. Das Stück wurde in dieser Version bisher rund 16 Millionen mal aufgerufen, rechnet man Kopien und andere Mitschnitte mit, kommt man auf über 20 Millionen Mitschnitte.

Besser kann man das ja auch kaum machen.

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