Lizenz- und Sicherheitslücken Neues aus Googleistan

Möglich, dass Google in China gar nicht darf, was es in Amerika nicht will: Mit der Regierung kooperieren. Denn angeblich besitzt Google dort gar keine Betriebserlaubnis, was die Firma bestreitet. Im Gegensatz zu der Nachricht, dass es Sicherheitsprobleme mit Google Desktop gibt.


Stimmt es, dass es ein Sicherheitsproblem im Zusammenhang mit Google Desktop gibt? Aber ja, gibt es, sagt Google.

Netzkampagne "No Love for Google": Erschüttertes Vertrauen

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Und zwar ganz hemdsärmelig: Das Sicherheitsrisiko ist nämlich sozusagen systemimmanent. Google Desktop bietet seinen Nutzern die Möglichkeit, über verschiedene Rechner hinweg Zugriff auf eigene Daten zu nehmen. Möglich macht das die Zwischenspeicherung von Datenkopien auf einem Server von Google. Im Falle einer solchen "Datenauslagerung" ergäbe sich aus der Perspektive von Unternehmen also durchaus ein Sicherheitsrisiko, erklärte trocken Google-Sprecher Andy Ku gegenüber ZDnet.

Das sei vergleichbar mit den Risiken von E-Mail. So oder so sollten Unternehmen ihre empfindlichen Daten aber schützen: Immerhin ließe sich das entsprechende Feature ja sperren und das Sicherheitsrisiko so ausschließen.

Am Montag hatte die Unternehmensberatung Gartner vor dem Gebrauch von Google Desktop in Unternehmen gewarnt. Zwar werden die Informationen zwischen dem Rechner des Desktop-Nutzers und dem Google-Server verschlüsselt übertragen, doch dürfte kein Unternehmen, das zum Teil mit empfindlichen oder gar geheimen Daten operiert, die Zwischenspeicherung in einer Datenbank bei Google so prickelnd finden.

Google-Sprecher Andy Ku wiegelt ab: "Die Verantwortung für solche Sicherheitsfragen liegt bei den Unternehmen."

Google in China: Illegale Operation?

Google (Wahlspruch: "Sei nicht böse!") fordert damit eine Menge Vertrauen ein - und das wurde erst kürzlich massiv erschüttert, als bekannt wurde, dass das US-Unternehmen in Kooperation mit der chinesischen Regierung Inhalte zensiert. Möglich, dass es das auch nach chinesischem Recht gar nicht dürfte, berichtet nun "Bejing News": Angeblich verfügt Google gar nicht über die nötige Lizenz, in China überhaupt eigene Internetdienste anzubieten.

Google dementiert das und verweist auf die Lizenz, die es mit dem Unternehmen Ganji.com teile. Solche Kooperationen sind in China Gang und Gäbe, auch Yahoo und eBay operieren dort mit Hilfe chinesischer Partnerunternehmen. Die "Bejing News" behauptet nun, die geteilte Lizenz decke Googles Tätigkeiten nicht ab, weil diese anderes gelagert seien als die von Banji.

USA: Google reibt sich an Regierung

In den Vereinigten Staaten steht Google derweil weiter unter Beschuss, weil es mit der chinesischen Regierung kooperiert. Sauer dürfte den Behörden dabei aufstoßen, dass die Firma zugleich genau das mit der US-Regierung nicht tun will: Am Montag wies Google förmlich ein Ersuchen der US-Regierung zurück, Zugriff auf Datenbestände des Suchdienstes nehmen zu dürfen.

Die Bush-Regierung sucht in den Logs führender Suchdienste nach Argumenten für die Schaffung von Gesetzen, die den Zugriff auf Informationen zum Beispiel für Minderjährige limitieren sollen. Erneut wies Google den Antrag mit ungewöhnlich starken Worten als "unsinnig" zurück. Jetzt soll die Frage, ob die Suchmaschine zur Herausgabe von Daten über ihre Nutzer gezwungen werden kann, am 13. März vor Gericht entschieden werden.

pat/rtr

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