LTE-Funknetz Vodafone-Kunden beklagen Probleme mit Highspeed-Datenfunk

Der neue Datenfunk LTE ist sehr schnell. Bei einigen der ersten deutschen LTE-Nutzer aber sorgen derzeit massive Probleme für Unmut: Sie klagen über ein bis zwei Netzabbrüche pro Stunde, verpasste Anrufe und wirkungslose Updates. Der Netzbetreiber Vodafone spricht von wenigen Fällen.

Der Turbo-Funk LTE (die Abkürzung steht für Long Term Evolution) ist eine beeindruckende Entwicklung. Wer einmal die Gelegenheit bekommt, nur mit einer entsprechenden Sim-Karte und passendem Gerät ausgerüstet mobil zu surfen, ist in der Regel bass erstaunt: So schnell kann das gehen?

LTE erlaubt Datendurchsatzraten, die oft deutlich über denen einer haushaltsüblichen DSL-Leitung liegen. Mobil Videos ansehen, Dateien in Sekundenschnelle herunterladen, Kartenanwendungen verzögerungs- und ruckelfrei nutzen - mit dem UMTS-Nachfolger alles kein Problem. Es ist, als hätte man eine sehr schnelle Internetleitung immer in der Tasche. Der Haken ist: Das funktioniert derzeit nur an sehr wenigen Orten auf dem Planeten - an der US-Westküste zum Beispiel. Auch in Deutschland kann man den schnellen Datenfunk nur in einigen Regionen ausprobieren, meist außerhalb der Großstädte.

Highspeed für die DSL-Wüste

Sehr positiv waren die ersten Erfahrungen, die Marcus Karle aus Fahrenzhausen  bei München mit seinem LTE-Anschluss machte. Bevor Vodafone seinen Wohnort mit der neuen Mobilfunktechnik versorgte, gab es aus seiner Sicht kaum empfehlenswerte Anschluss-Alternativen. Die Telekom, so Karle, biete kein DSL an, wo er wohnt. Die einzige Möglichkeit, einen leidlich schnellen Online-Zugang zu bekommen, war bislang das Wimax-Netz eines kleineren Anbieters. Der offeriert bis zu 6 Megabit/s schnelle Funkzugänge, Karle erreichte damit aber nur 3 Megabit/s. Zu wenig, wie er meint.

Mit Vodafones LTE sah das für ihn zunächst ganz anders aus. Nach einer Informationsveranstaltung des Unternehmens hatte er sich schnell entschlossen, das Angebot zu buchen. Schließlich war der nächste LTE-Funkmast nur 300 Meter von seinem Haus entfernt, was eine gute Verbindung versprach. Und Karle wurde nicht enttäuscht: Als sein Anschluss im März freigeschaltet wurde, konnte er - anders als es bei vielen DSL-Anschlüssen ist - tatsächlich exakt die versprochene Bandbreite nutzen. "Wenn die Technik funktioniert, ist sie super", sagt Karle SPIEGEL ONLINE. Mit 21,6 Megabit/s war er ja auch rasend schnell online unterwegs - leider nur zehn Tage lang.

Immer auf den Dachboden

Anfang April gab es plötzlich Probleme. Ein bis zweimal pro Tag brach die Verbindung zum Mobilfunkmast zusammen - und damit auch die Telefonverbindung. Denn auch seine Festnetznummer hatte Marcus Karle auf seinen LTE-Anschluss verlegt, war deshalb nicht mehr erreichbar, wenn die LTE-Verbindung abbrach. Auf seinen Anruf hin erklärte ihm ein Techniker der Vodafone-Hotline, sein Problem hänge wohl mit einer Änderung an der Konfiguration der LTE-Basisstationen zusammen. Die hätte eigentlich den Empfang und die Reichweite verbessern sollen, sorgte bei den Funkmodems, die Vodafone ausliefert, für Probleme.

Und dass die nicht auf Marcus Kare beschränkt sind, zeigt ein Blick ins Vodafone-Kundenforum . Dort klagen LTE-Kunden seit Mitte April über teils immer schlimmere Probleme mit dem drahtlosen Hochgeschwindigkeitsnetz. Genau darüber beschwert sich auch Marcus Karle. Teilweise breche die Verbindung mehrmals pro Stunde zusammen, werde vom Modem nicht automatisch wieder aufgebaut. Besonders lästig: Weil das LTE-Modem laut Karle nicht per Steuerungsbefehl vom PC aus neu gestartet werden kann, muss er jedes Mal auf den Dachboden klettern, um das Gerät von Hand zurückzusetzen. Aber das nimmt er in Kauf: "Lieber starte ich mein Modem alle Viertelstunde neu als keinen Empfang zu haben".

Warten auf ein Update

Mit einem Firmware-Update für die Funkmodems hat Vodafone offenbar am vergangenen Wochenende versucht, das Problem zu beseitigen. Per Fernsteuerung wurde die neue Software auf viele Modems aufgespielt - und sorgte für noch mehr Ärger. Seit dem Update, klagen einige LTE-Kunden im Forum, hätten die Probleme sich verschärft, die Verbindungsabbrüche hätten zugenommen. Und sie klagen darüber, dass sich kein Vodafone-Mitarbeiter an der Diskussion beteiligt. LTE-Kunde T. Nauroth bringt es so auf den Punkt: "Wenn es hier keine verbindlichen und qualifizierten Antworten aus der Vodafone-Technik gibt, ist das Forum wohl eher zum Frustabbau als zur Problemlösung geeignet."

Immerhin aber, berichtet Marcus Karle, funktioniere die Kommunikation mit der Vodafone-Hotline bestens. Zwar könnten ihm die Hotline-Mitarbeiter bei seinen Problemen nicht weiterhelfen, es würde aber zuverlässig binnen ein bis zwei Werktagen ein Vodafone-Techniker zurückrufen. Eine echte Hilfe sind diese Anrufe bisher trotzdem nicht gewesen. Zwar wurde Karle immer gut darüber informiert, weshalb es wohl Probleme gebe, zur Problemlösung riet man ihm aber, auf ein Firmware-Update für sein Modem zu warten, von dem man nicht genau wisse, wann es veröffentlicht werde.

Gnadenfrist für Vodafone

Die einzige messbare Reaktion Vodafones, auf die aktuellen LTE-Probleme ist, dass die sogenannte Zufriedenheitsgarantie bis Ende Juni verlängert wurde. So lange haben LTE-Neukunden nun Zeit, von ihrem Vertrag zurückzutreten, falls sie das Angebot doch nicht überzeugen kann. Andernfalls würden sie sich für 24 Monate an Vodafone binden und beispielsweise - so wie Marcus Karle - 40 Euro monatlich für ihren Anschluss zahlen müssen.

Den meisten LTE-Kunden im Vodafone-Forum wäre es dabei offensichtlich lieber, Vodafone würde die Probleme in den Griff bekommen, haben die Leistung von LTE allem Ärger zum Trotz längst schätzen gelernt. Auch wenn sich einige dabei fühlen, als würden sie von dem Mobilfunkkonzern als Versuchskannchen für eine neue Technik missbraucht. Für sie ist die Verlängerung der Zufriedenheitsgarantie gleichzeitig eine Gnadenfrist für Vodafone. So wie für Marcus Karle, der klarstellt: "Wenn sie das bis Ende Juni nicht hinkriegen, werde ich LTE zurückgeben."

Vodafone will Hardware tauschen

Auf Anfrage erklärte ein Vodafone-Sprecher, das Problem sei bekannt: "Wir haben das im Auge, wir gehen das schon an." Man habe festgestellt, dass "die Komponenten des Systems in der Phase der Netzkonfiguration nicht optimal zusammenarbeiteten". Man könne die Probleme aber "eindeutig auf die Hardware zurückführen", die bei den Nutzern zu Hause stehe - also auf Einstellungen und Firmware von Routern und Modems. Eine LTE-Problem auf breiter Front scheint man bei dem Mobilfunkkonzern allerdings nicht zu sehen, weist vielmehr drauf hin, dass sich im Forum nur eine kleine Anzahl von Anwendern äußert. Bis zum Dienstagnachmittag waren immerhin 180 Beiträge in einem einzigen Diskussionsstrang zusammengekommen.

Nun arbeitet man bei Vodafone an einer Lösung. "Wir stehen mit den Hardwareherstellern und Netzwerkausrüstern in Kontakt", sagt Hoffmann. Die müssten jetzt ihre Software anpassen, damit alles wieder rund laufen kann. Die erste Maßnahme in diese Richtung sei das Firmware-Update für die LTE-Modems gewesen, das den Geräten automatisch aufgespielt wurde. Ein ähnliches Update gebe es auch für den Router, den LTE-Kunden von Vodafone zugeschickt bekommen haben. Nur müsse das vom jeweiligen Anwender selbst aufgespielt werden. Wem das nicht gelingt, dem sei es freigestellt, den Router im Rahmen der Zufriedenheitsgarantie gegen ein Gerät mit der neuen Firmware austauschen zu lassen.

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