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Teenager-Idol Lukas Rieger: "Ich war halt ein kleiner Junge"

Foto: BellaSchwarz

Teenager-Idol Lukas Rieger "Je ekliger es wurde, desto mehr Zuschauer hatte ich"

Auf seinen Konzerten löst Lukas Rieger Kreischanfälle aus. Im Interview erzählt der 18-Jährige, warum er nicht ohne Social Media kann - und wie er mit peinlichen Videos Follower ergattert hat: "Ich wollte bekannt werden."

Drei Millionen Fans auf Musically, zwei Millionen Fans auf Instagram - und Dutzende ohnmächtige Mädchen bei einer Autogrammstunde. Der Popmusiker Lukas Rieger gilt als Teenie-Schwarm und gewinnt seine Reichweite vor allem durch soziale Medien.

Rieger nutzt die letzten Sekunden vor dem Interview für einen Schnappschuss aus dem Fenster, die Herbstsonne über der Hamburger Hafencity. Das wird er nach dem Gespräch in seiner Instagram-Story verwerten.

Zur Person

Lukas Rieger, Jahrgang 1999, ist Musiker und Influencer. Sein zweites Album "Code" erscheint am 16. Februar 2018, die dazugehörige Single "Slowmo" am 8. Dezember 2017.

SPIEGEL ONLINE: Wie lange können Sie offline sein?

Rieger: Ich war in diesem Jahr eine Woche lang offline, ich wollte einfach probieren, ob das geht. Den Fans habe ich das sogar angekündigt, aber es gab trotzdem Gerüchte. Leute haben mich gefragt, ob mir etwas passiert ist. Die ersten drei Tage waren echt schwer. Ich wollte ständig automatisch was am Handy posten. Ich poste sonst jeden Tag etwas auf Instagram, Snapchat und Facebook.

SPIEGEL ONLINE: Können soziale Medien süchtig machen?

Rieger: Ich glaube schon. Als mein erstes Album rauskam, war es für mich das Größte, wenn ich für ein Instagram-Bild die maximale Anzahl Likes bekommen habe. Mittlerweile bin ich da entspannter. Es kommt mir nicht mehr darauf an, ob ich 100.000 oder 80.000 Likes auf Instagram habe. Wichtiger als Likes sind ja die Leute, die mich supporten und auf meine Konzerte gehen.

SPIEGEL ONLINE: Hätte das ohne soziale Medien geklappt mit Ihrer Karriere?

Rieger: Nein. Nicht so, wie ich das jetzt mache. Ohne Instagram hätte ich nie mitbekommen, dass die Leute mich feiern, und niemand hätte mitbekommen, dass ich ein Album mache oder auf Tour gehe.

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SPIEGEL ONLINE: Im Jahr 2015 haben Sie Tausende neue Fans über die Livestreaming-Plattform YouNow gewonnen. Wie?

Rieger: Auf YouNow hatte ich am Tag immer etwa fünf Stunden gestreamt, beim Hausaufgabenmachen, beim Essen, überall. Es war auch so, dass ich mich irgendwann eingeschlossen habe und nur noch Social Media und Musik gemacht habe, die ganze Zeit. Ich habe fast alles abgesagt und war nicht so viel mit Freunden unterwegs. Manche haben mir geschrieben: Lukas, wo bist du? Ich habe oft gesagt, ich habe keine Zeit. Ich wollte bekannt werden.

SPIEGEL ONLINE: Um bekannt zu werden, haben Sie auf YouNow auch viel Blödsinn gemacht...

Rieger: Sehr viel sogar.

SPIEGEL ONLINE: Was war denn das Peinlichste?

Rieger: Da gab es so viel. Ich hatte eine Tanzchallenge gemacht, da musste man Tanzstile imitieren, Hip-Hop und Ballett zum Beispiel. Dabei ist mein Bett kaputt gegangen, weil ich einfach rumgesprungen bin wie ein Irrer. Ich dachte, die Leute wollen das sehen. Ich habe auch Flachwitze-Challenges gemacht. Dabei hat man Wasser im Mund und darf nicht lachen, während man sich Witze anhört. Am Ende war alles nass, es war eklig. Je ekliger es wurde, desto mehr Zuschauer hatte ich. Einmal habe ich meine Haare mit Honig gestylt. Es ist verrückt.

SPIEGEL ONLINE: Schämen Sie sich heute dafür?

Rieger: Nein, ich war halt ein kleiner Junge, da hat man so was gemacht. Heute würde ich mir die Haare nicht mehr mit Honig stylen.

SPIEGEL ONLINE: Wie schüchtern waren Sie als Schüler?

Rieger: Kommt drauf an. Auf Social Media war ich nie schüchtern. Irgendwie hat mir das gelegen. Ich konnte einfach drauflosreden. Auch wenn ich Scheiße gelabert habe, es war nicht peinlich. Im echten Leben war ich eher zurückhaltend.

SPIEGEL ONLINE: Was für eine Rolle hatten Sie in der Schulklasse?

Rieger: Ich glaube, ich war eher ein frecher Schüler. Zwei Freunde und ich haben immer Streiche gespielt. Wir haben zum Beispiel Honig auf den Stuhl der Lehrerin geschmiert. Aber es war auch nicht so, dass alle uns deshalb krass mochten. Ich hatte halt zwei Leute, mit denen ich gechillt habe. Dann sind die beiden sitzen geblieben, und ich war alleine und habe mit den Streichen aufgehört.

SPIEGEL ONLINE: Im Februar konnte man in Ihrem Fanshop Bettwäsche kaufen. Auf dem Kissenbezug war ein fotorealistisches Abbild Ihres Gesichts zu sehen, schlafend. Wie kam es dazu?

Rieger: Wir hatten die Idee für die Bettwäsche, weil mir viele Leute geschrieben haben: "Ich wünschte, du wärst jetzt bei mir." Und ich habe mich gefragt, wie könnte ich jetzt am besten bei denen sein? Durch die Bettwäsche konnten die Fans dann sozusagen neben mir einschlafen.

SPIEGEL ONLINE: Finden Sie es nicht komisch, wenn Minderjährige sich vorstellen, mit Ihnen im Bett zu liegen?

Rieger: Das ist ja kein sexueller Hintergrund. Das heißt, dass ich nahe bei den Fans bin. Dass ich ihnen Schutz gebe. Man ist ja auch früher mit den Eltern im Bett eingeschlafen. Das gibt den Leuten so eine Geborgenheit. Die mögen mich so sehr, dass sie auch gerne neben mir einschlafen würden.

SPIEGEL ONLINE: Sind Ihre Social-Media-Inhalte so etwas wie eine Dauerwerbesendung?

Rieger: Eigentlich schon, ja. Es geht um Entertainment und meine Musik. Aber das heißt ja nicht, dass die Leute ständig was kaufen sollen. Die Leute folgen mir, weil sie sich für meine Musik interessieren.

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SPIEGEL ONLINE: Wenn Sie mal schlecht drauf sind, verstecken Sie das in den sozialen Medien?

Rieger: Ich versuche schon, sehr real zu bleiben. Aber wenn ich nachdenkliche Phasen habe, möchte ich das so gut wie möglich verstecken, weil die Fans sich immer Sorgen machen. Dann poste ich einfach weniger oder ich poste Snaps und Instagram-Storys, in denen ich trotzdem happy bin. Auf Social Media ist vieles nur Fassade.

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