Proteste nach Tod von Mahsa Amini WhatsApp verspricht »iranischen Freunden« technischen Beistand

In Iran organisieren die Menschen ihre Proteste gegen das Regime im mobilen Netz, zuletzt auch die Aktionen nach dem Tod von Mahsa Amini. WhatsApp will »alles tun«, um seinen Messenger im Land am Laufen zu halten.
Smartphone-Nutzer in Teheran (hier im Jahr 2021): WhatsApp will »alles im Rahmen unserer technischen Möglichkeiten tun, um unseren Dienst aufrechtzuerhalten«

Smartphone-Nutzer in Teheran (hier im Jahr 2021): WhatsApp will »alles im Rahmen unserer technischen Möglichkeiten tun, um unseren Dienst aufrechtzuerhalten«

Foto: Shota Mizuno / AP

Nach dem Aufsehen erregenden Tod von Mahsa Amini gibt es in Iran in mehreren Städten immer wieder Bürgerproteste. Die Regierung reagiert darauf offenbar auch mit absichtlichen Einschränkungen der Digitalkommunikation. Nach Angaben der Website Netblocks  kam es Anfang der Woche in der Provinz Kurdistan, aus der die nach einer Festnahme durch die Sittenpolizei gestorbene Amini stammte, zu einer fast vollständigen Lahmlegung des mobilen Internets. Zuvor kam es Netblocks zufolge unter anderem bereits in Teheran zu Netzstörungen, wenn auch von geringerem Ausmaß.

Ernster wurde es am Mittwoch: Zeitweilig seien am Abend landesweit die Mobilfunknetze abgeschaltet oder massiv eingeschränkt gewesen, berichtete das Londoner Portal . Am Donnerstagabend machte es ähnliche Beobachtungen, in der Nacht zum Freitag sprach Netblocks von »Ausgangssperre-ähnlichen Unterbrechungen« bei den Netzverbindungen.

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Von Einschränkungen betroffen sind dem Bericht zufolge auch WhatsApp und Instagram. Die beiden Angebote von Meta zählten in Iran bisher zu den wenigen internationalen Diensten, die einerseits beliebt, anderseits noch nicht verboten waren. Am Mittwoch jedoch wurden beide US-Apps radikal ausgebremst . Der Nachrichtenagentur Reuters berichteten zwei Informanten aus Teheran und dem Südiran, per WhatsApp könnten sie nur noch Nachrichten, aber keine Bilder mehr verschicken. Instagram scheine derweil sogar komplett geblockt zu sein.

2019 fiel das Internet fast eine Woche aus

Irans Regierung hat bereits 2019 Internetsperren eingesetzt, um unliebsame Proteste zu stören: Damals, als Menschen gegen eine Spritpreiserhöhung demonstrierten, waren viele Iranerinnen und Iraner eine Woche lang ohne Netz. Die meisten Bürger des Landes gehen mobil online, mithilfe ihres Smartphones. Das stationäre Internet ist in Iran weniger wichtig als etwa in Deutschland.

Am Donnerstagabend bezog WhatsApp Stellung zu den aktuellen Störungen bei seinem Dienst. »Wir setzen uns für das Recht der Menschen auf Zugang zu privaten Nachrichten ein«, hieß es auf dem offiziellen Twitter-Account des Messengers auf Englisch und Persisch. »Wir arbeiten daran, die Verbindungen unserer iranischen Freunde aufrechtzuerhalten und werden alles im Rahmen unserer technischen Möglichkeiten tun, um unseren Dienst am Laufen zu halten.«

In seinem Statement betonte WhatsApp zudem, dass es keine iranischen Telefonnummern blockiere. Der Vorwurf, der Dienste verwehre Nutzern mit solchen Nummern aktiv die Nutzung des Messengers, hatte am Donnerstag im Netz die Runde gemacht.

Amnesty Iran fordert Hilfe aus anderen Ländern

Mahsa Amini war am Freitag der vergangenen Woche im Krankenhaus gestorben, nachdem sie im Koma lag. Die 22-Jährige war zuvor von der Sittenpolizei wegen eines Verstoßes gegen die strenge islamische Kleiderordnung festgenommen worden. Was genau mit Amini nach ihrer Festnahme geschah, ist im Detail unklar. Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben. Die Polizei weist diese Vorwürfe zurück.

Der iranische Ableger von Amnesty International schrieb am Donnerstag, er sei »zutiefst besorgt darüber, dass die iranischen Behörden den Zugang zu Internet und Mobilfunknetzen stören«. Man fordere die führenden Politiker der Welt bei der Uno-Generalversammlung auf, »dringend Maßnahmen zu ergreifen, um Druck auf die iranischen Behörden auszuüben, damit sie aufhören, im Schutz der Dunkelheit Demonstranten zu töten und zu verletzen«.

Verbotspläne für Instagram und das Ende-zu-Ende-verschlüsselte WhatsApp gibt es in Iran schon länger. Internetdienste aus dem Ausland sind dem islamischen Establishment ein Dorn im Auge, weil die Regierung anders als bei den Staatsmedien keinen Einfluss auf die darin verbreiteten Inhalte hat. Dienste wie Twitter, Facebook, TikTok und YouTube sind in Iran offiziell nicht verfügbar. Erreichen lassen sie sich nur mithilfe sogenannter VPN-Dienste – die bei einem Komplettausfall des Internets jedoch auch nicht mehr weiterhelfen.

mbö/dpa/AP/Reuters
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