Malware-Museum "Hab keine Angst, ich bin ein sehr netter Virus"

Sie ließen den Bildschirm blinken oder meldeten ihre Attacken brav beim Nutzer an. Eine neue Webseite zeigt die bekanntesten Viren aus der Ära von MS-DOS.
GIF aus dem Malware Museum: Früher waren Viren noch mitteilsamer

GIF aus dem Malware Museum: Früher waren Viren noch mitteilsamer

Foto: SPIEGEL ONLINE

Früher waren Computerviren noch höflich. Wer sich den Skynet-Virus eingefangen hatte, der bekam zum Beispiel vor einem blutroten Bildschirmhintergrund diese Mitteilung: "Hab keine Angst, ich bin ein sehr netter Virus. Du hast so hart gearbeitet heute, ich werde deinen Computer jetzt ein bisschen langsamer machen."

Das Malware Museum zeigt nun in einer Online-Ausstellung  Viren wie Skynet sowie viele andere Schädlinge aus der Frühzeit der Desktop-Computer. Rund 80 Viren und Würmer aus den Achtziger- und Neunzigerjahren hat das "Internet Archive " dafür zusammentragen lassen. Besucher der Webseite können sich durch eine Kollektion des Schreckens im 8-Bit-Pixel-Look klicken und anhand von Animationen nachvollziehen, wie sich ein Virenbefall am PC damals angefühlt und wie er ausgesehen hat.

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PC-Schädlinge: So sehen die Viren der Computer-Frühzeit aus

Foto: Malware Museum

Das ist unterhaltsam: Anders als heute, wo Computerschädlinge am liebsten möglichst lange unbemerkt bleiben wollen, um ihr Unwesen zu treiben, waren sie in ihrer Frühzeit weitaus mitteilsamer. Die historischen Viren machten sich ihrem Wirt oft durch Texteinblendungen und Animationen bemerkbar.

Der Viren-Code ist entschärft worden

Das Malware-Museum zeigt Viren, die blinkende Herzen, eine wabernde Oberfläche des Planeten Mars oder psychedelisch angehauchte Muster auf den Bildschirm warfen. "Legalisiert Cannabis" erscheint bei einem der MS-DOS-basierten Viren, ein anderer lässt wissen: "Frodo lebt". Bei einem dritten läuft in irritierender Langsamkeit einfach ein Zähler von der Zahl 1000 an abwärts.

Ausgewählt hat die Sammlung der finnische Antiviren-Spezialist Mikko Hyppönen von der Firma F-Secure. Er jagt seit Jahrzehnten Computerschädlinge und erzählt, dass er viele der Exponate selbst von 5.25-Zoll-Disketten extrahiert hat. Er habe versucht, Viren auszuwählen, bei denen es für den Nutzer auch tatsächlich etwas zu sehen gibt, ansonsten erübrige sich ja der Sinn eines solchen Museums. "Mein Liebling ist 'Casino'. Er zerstört bestimmte Informationen, macht sich aber vorher Kopien. Dann lädt er den Benutzer zu einem Spiel ein. Wenn er gewinnt, bekommt er seine Daten wieder. Wenn man verliert oder den PC neu startet, ist alles weg."

Dieses Psychospiel kann man sich nur mit dem Browser auf der Seite des Museums ansehen. Dafür wurde eine DOS-Box in die Webseite eingebettet. Wer will, kann sich den Code auch herunterladen. Hyppönen hat allerdings die zerstörerischen Teile des Codes modifiziert, sodass Nutzern keine Gefahr mehr droht. Was auf der Seite des Malware Museums noch fehlt, sind zusätzliche Informationen zu den Viren. Außer dem Namen und den Informationen, die man aus der Animation ziehen kann, erfährt man wenig über die Arbeitsweise und Verbreitung der jeweiligen Schadsoftware.

Verspielter und nicht so gefährlich wie heute

Wer sich durch die Sammlung klickt, bekommt trotzdem einen guten Überblick über die heute sehr verspielt wirkenden Viren von damals. Deren Harmlosigkeit hatte einen einfachen Grund: Auf Computern lagerten seinerzeit nur wenige Informationen, als Angriffsziel gaben sie nicht so viel her wie heute. Das Ziel, sich durch einen Virus zu bereichern und beispielsweise Kreditkartennummern abzugreifen, war damit hinfällig.

Die Exponate stammen noch aus Zeiten, als das Internet, heute Virenschleuder Nummer eins, kaum jemandem bekannt war. Malware verbreitete sich über Datenträger wie Disketten. Den Viren-Programmierern ging es zwar auch darum, Schaden anzurichten. Das war aber nur in einem viel begrenzteren Ausmaß als heute möglich.

Das Malware Museum ist Teil des "Internet Archives", einer riesigen digitalen Bibliothek. In seinen Archiven finden sich Millionen von Büchern, Musikstücken und Videos, außerdem historische Software und alte MS-DOS-Spiele. Und nun auch die Computer-Schädlinge.

"Die alten Viren haben einen ganz bestimmten Look, manche würden das sicher als Kunst bezeichnen", sagt Hyppönen. Sie seien Teil der Geschichte der Digitalisierung, wenn auch ein unliebsamer. "Es ist wichtig, dass wir das archivieren. Niemand anderes wird das für uns übernehmen."

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