Online-Kartendienst Maps Google schaltet Live-Verkehrsdaten aus der Ukraine ab

Google Maps zeigt für die Ukraine nicht mehr an, wo sich Fahrzeuge stauen oder viele Menschen versammelt sind. Die Maßnahme sei mit lokalen Behörden abgestimmt.
Grenzübergang von der Ukraine nach Polen: Der Stau wird erst hinter dem Grenzbaum angezeigt

Grenzübergang von der Ukraine nach Polen: Der Stau wird erst hinter dem Grenzbaum angezeigt

Foto: Screenshot / Google Maps

Seit Sonntag zeigt Google Maps für die Ukraine nicht mehr alle Informationen an, die der Dienst Nutzerinnen und Nutzern sonst bereitstellt. Wie das Unternehmen der Nachrichtenagentur Reuters bestätigt hat , werden weltweit keine Echtzeit-Verkehrsdaten und auch keine Daten über Menschenansammlungen in dem Land mehr ausgespielt. Die Maßnahme sei nach Rücksprache mit lokalen Behörden ergriffen worden.

Die Möglichkeit, Routen zu planen, ist hingegen weiterhin nutzbar – und das offensichtlich aus gutem Grund. Wie Googles tagesaktueller Transparenzbericht zeigt , hat die Nutzung des Kartendienstes in der Ukraine seit dem 24. Februar, dem Tag des russischen Angriffs auf die Ukraine, dramatisch zugenommen. Zugleich ist die Nutzung der Bürosoftware Google Docs in der Ukraine drastisch zurückgegangen, wie Google-Sicherheitsexperte Damian Menscher auf Twitter schreibt. Menschers Interpretation: »Unsere Nutzer in der Ukraine haben vor zwei Tagen ihre Arbeit eingestellt und sich stattdessen auf die Erstellung von Evakuierungsplänen verlegt.«

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Wie die »Washington Post« berichtet, haben Forscher vom Institute of International Studies in Monterey Googles Kartendienst allerdings auch genutzt, um russische Truppenbewegungen zu analysieren. Demnach haben Studenten gemeinsam mit ihrem Professor Satellitenaufnahmen russischer Truppen mit Echtzeit-Verkehrsdaten in Google Maps abgeglichen und daraus Rückschlüsse auf Truppenbewegungen gezogen.

Einen Twitter-Post von Professor Jeffrey Lewis zufolge haben er und seine Studenten daraus schon vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine erkennen können, dass sich gepanzerte russische Fahrzeuge der Grenzen näherten. Die Quelle der Daten seien vermutlich nicht die Smartphones russischer Soldaten gewesen, sondern die von Autofahrern, die von Straßensperren aufgehalten wurden, um die Militärkolonne vorbeizulassen.

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»Früher hätten wir uns auf einen Reporter verlassen, der uns gezeigt hätte, was vor Ort passiert. Und heute können Sie Google Maps öffnen und sehen, wie die Menschen aus Kiew fliehen«, sagte Lewis der »Washington Post«.

Google Maps nutzt anonymisierte Bewegungsdaten von Mobiltelefonen, um zu erkennen, wo sich viele Menschen aufhalten und wo sich Staus bilden. So kann die Software bei der Routenplanung erkennen, welche die zum gegebenen Zeitpunkt schnellste Verbindung zwischen zwei Orten ist oder Hinweise geben, ob etwa ein Geschäft oder ein Restaurant gerade gut besucht ist.

mak