Projekt Marea Microsoft und Facebook bauen schnelles Transatlantikkabel

Mehr als 6000 Kilometer lang soll das Kabel werden, mit dem Facebook und Microsoft ihre Rechenzentren in den USA mit Kunden in Europa verbinden wollen. Anlanden soll das Kabel weiter südlich als viele andere.
Tiefseekabel (Zeichnung)

Tiefseekabel (Zeichnung)

Foto: DPA/ TE SubCom/ Arctic Cable Company

Schon jetzt verbrauchen die großen Internetkonzerne einen Großteil der Kapazitäten der Tiefsee-Datenkabel, die Europa und die USA verbinden. Doch deren Leistung reicht ihnen offenbar nicht mehr aus. Jetzt haben sich Microsoft und Facebook zu einem neuen Großprojekt zusammengetan. Gemeinsam wollen sie ein neues Transatlantikkabel bauen, das alle bisher verfügbaren Leitungen weit übertrumpft.

Einer Pressemitteilung  zufolge soll das Kabel eine Strecke von 6600 Kilometern überwinden und über eine ungewöhnliche Route geleitet werden. Die meisten aktuellen Transatlantikkabel beginnen im Norden der USA und landen in Nordeuropa an.

Das nach dem spanischen Wort für Gezeiten Marea genannte Kabel hingegen soll vom US-Bundesstaat Virginia aus nach Bilbao in Spanien führen. Die ungewöhnliche Route soll dazu helfen, "Kunden in den USA, Europa und darüber hinaus belastbarere und zuverlässigere Verbindungen zu gewährleisten".

160 Terabit pro Sekunde

Dass die beiden Konzerne sich eine eigene Datenleitung über den Atlantik bauen, liegt am rasant steigenden Bedarf an Bandbreite. Suchmaschinenabfragen, Cloud-Speicher wie OneDrive, cloudbasierte Office-Angebote und professionelle Dienstleitungen wie Microsofts Azure verlangen nach Leitungen, die große Datenmengen schnell von Kontinent zu Kontinent übertragen können.

Eben diese Bandbreite soll Marea nun bieten. Über acht Glasfaserstränge soll das Kabel eine Kapazität von 160 Terabit pro Sekunde bereitstellen, viel mehr als die bisherigen Leitungen schaffen. Das zum Jahreswechsel fertiggestellte AECConnect, kommt nur auf 40 Terabit pro Sekunde.

Dreistellige Millionensummen

Zu den Kosten des Projekts machen die Partner keine Angaben. Der Aufbau des 2015 in Betrieb genommenen Kabels Hibernia Express soll Schätzungen zufolge rund 300 Millionen Dollar gekostet haben. Billiger dürfte die Microsoft-Facebook-Verbindung kaum werden, zumal mit 6600 Kilometern weit länger ist als weiter nördlich verlegte Kabel. Hibernia Express braucht nur 4600 Kilometer, um den Ozean zu durchqueren.

Facebook und Microsoft sind nicht die einzigen Konzerne, die mit eigenen Datenleitungen Kapazität und Geschwindigkeit interkontinentaler Netzverbindungen sicherstellen wollen. Auch Google investiert längst in eigene Kabel, baut derzeit beispielsweise eine Verbindung zwischen den USA und Asien.

Mit Kevlar gegen Haie

Tiefseekabel werden seit mehr als hundert Jahren durch Pazifik, Atlantik und andere Weltmeere gelegt. Die Submarine Cable Map  des Dienstleisters Telegeography zählt mehr als 300 auf. Regelmäßig kommt es zu Ausfällen, weil Stürme, Erdbeben oder Schiffsanker und Schleppnetze Kabel beschädigen. Google etwa entwickelt deshalb schon eigene Technologien, um die wertvollen Kabel beispielsweise durch einen Mantel aus Kevlar vor Beschädigungen zu schützen.

Doch nicht immer sind es nur Kapazitätsfragen, die zum Aufbau neuer Kabel drängen. Brasilien etwa verlegt ein eigenes Kabel nach Europa, um beim Datenverkehr von den USA unabhängiger zu werden - und sich vor Abhörversuchen fremder Geheimdienste zu schützen.

mak