"Worm" Der Conficker-Schwarm

Millionen infizierte Rechner, kaum Hinweise auf die Urheber und ein Wettlauf mit der Zeit: In "Worm" spürt ein Journalist dem Conficker-Wurm nach, der von IT-Spezialisten weltweit gejagt wird. Spannend wie ein Krimi, mit einem kleinen Schönheitsfehler.

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Plötzlich bekommen es die Experten mit der Angst. Eine Handvoll Spezialisten hat sich zusammengefunden, um einen heimtückischen Computerwurm zu bekämpfen. Binnen kürzester Zeit befällt im Jahr 2009 ein Wurm mehrere Millionen Windows-Rechner weltweit. Die attackierten Rechner werden Teil einer Zombie-Armee und warten auf Befehle. Diesem Befehl wollen die Spezialisten unbedingt zuvorkommen - und starten eine Abwehrschlacht.

Sie nennen sich die Kabale, niemand hat sie offiziell beauftragt - aber jemand muss sich der Bedrohung schließlich annehmen, denn offenbar wissen Regierungen und Behörden nicht, was gegen den Conficker-Wurm zu tun ist. Als die Kabale dem Wurm auf die Schliche kommt, wird dessen Code verändert. Und kaum haben die guten Hacker den Wurm entschlüsselt, wird eine neue Variante in Umlauf gebracht.

Der Journalist Mark Bowden beschreibt die Conficker-Geschichte als einen Wettstreit. Ausführlich hat er für sein Sachbuch mit den Wurm-Jägern gesprochen, er beschreibt die Allianz als schnelle Eingreiftruppe im Kampf gegen einen ebenbürtigen, unsichtbaren Feind. Was zunächst als ausführliche Recherche in dem Magazin "The Atlantic" erschien, hat Bowden zu einem Buch ausgebaut.

Dabei wurde er zwangsläufig selbst zum Technik-Experten. Trotzdem ist "Worm" für Laien verständlich, Bowden nutzt verständliche Analogien bei der Beschreibung technischer Prozesse - manchmal geht die blumige Ausdrucksweise allerdings zu weit. Und so sehr Bowden sich auch bemüht, die unterschiedlichen Charaktere der Wurm-Jäger und die Konflikte innerhalb der Gruppe zu beschreiben, die spannendste Figur ist der große Unbekannte, der Conficker erschaffen hat.

Das Problem ist nur: Es gibt bis heute allenfalls Vermutungen, wer hinter Conficker stecken könnte. Auch der große Generalangriff ist ausgeblieben, die vielen Millionen infizierten Rechner wurden nicht zu einer Cyberattacke zusammengeschaltet. So endet "Worm" nicht mit der finalen Schlacht, sondern läuft einfach aus - keine Katastrophe, keine Festnahmen. Das ist unbefriedigend, auch wenn Bowden daran nicht die Schuld trägt.

Ein verständliches und spannendes Buch über einen Computerwurm zu schreiben, dessen Protagonisten die meiste Zeit vor Computern oder allenfalls in Hotelzimmern verbringen, ist schon eine Leistung für sich. Auch mit weniger Übertreibungen, weniger "digitalem Weltkrieg" und "Pearl Harbour", wäre es ein lesenswertes Buch. Die deutsche Übersetzung bleibt dicht am Original, der kumpelige Tonfall klingt in einigen Fällen arg bemüht.

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