Medienkirche.de Service für Gott- und Sinnsucher

Zu den kuriosen Adressen auf der Ifa zählt Medienkirche.de, der Stand der Katholischen Rundfunkarbeit Deutschlands (KRD). Der stellvertretende KRD-Vorsitzende Ulrich Fischer, 43, erklärt im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE, was die katholische Kirche zwischen TV-Sendern, Telekommunikationsunternehmen und Technikproduzenten sucht.

SPIEGEL ONLINE:

Mit der katholischen Kirche rechnen auf der Ifa wohl die wenigsten Besucher. Warum sind Sie dort mit dem Stand Medienkirche.de präsent?

Ulrich Fischer: Daran ist eigentlich nichts Außergewöhnliches. In gewisser Weise ist die Kirche ein großes Unternehmen, das natürlich auch von seinem Recht auf Selbstdarstellung in den Medien Gebrauch macht. Für die Privatsender produzieren wir Verkündigungssendungen wie die "Bibelclips" bei RTL oder "So gesehen" bei Sat.1. Das "Wort zum Sonntag" in der ARD betreuen wir redaktionell. Und da die Ifa eine Plattform für Medienmacher ist, sind wir als solche natürlich mit von der Partie.

SPIEGEL ONLINE: Das war nicht immer so.

Fischer: Früher haben wir häufig den Fehler gemacht, uns zu sehr auf unsere eigenen Räume zurückzuziehen. Heute verkünden wir unsere frohe Botschaft verstärkt über die Medien. Bei der Ifa sind wir schon zum dritten Mal dabei.

SPIEGEL ONLINE: Der Name Ihres Standes - Medienkirche.de - ist eine eindeutige Anspielung auf Ihre Webadresse. Spielen Onlinemedien denn eine so besondere Rolle für die katholische Kirche?

Fischer: Wenn man sich Internet-Auftritte großer Medienanbieter ansieht, dann hinkt die katholische Kirche doch gewaltig hinterher. Momentan gibt es eine Vielzahl kirchlicher Auftritte, die untereinander aber nicht abgestimmt sind und ganz unterschiedliche Akzente setzen: www.autobahnkirche.de steht vor allem für Meditation und Spiritualität, während www.katholische-kirche.de eher eine Art "Amtsserver" ist. Und unter www.kath.de finden sich viele Infos aus den einzelnen Bistümern, aber wenig Interaktives.

SPIEGEL ONLINE: Wäre ein einheitliches Konzept nicht sinnvoller?

Fischer: Uns fehlt in der Tat ein zentrales Portal, das die bereits bestehenden Angebote geschickt miteinander vernetzt und so die Kräfte bündelt. In der Planungsgruppe Internet denken wir zur Zeit darüber nach, wie man ein solches Portal - zum Beispiel unter www.katholisch.de - aufbauen kann.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es schon konkrete Vorstellungen, wie das genau aussehen soll?

Fischer: Wir müssen uns im Netz als ein Special-Interest-Unternehmen präsentieren, das Leuten auf Gott- und Sinnsuche Service-Leistungen anbietet. Wie alle anderen großen Netzauftritte brauchen auch wir endlich umfangreiche Datenbanken und eine Redaktion, die das Angebot rund um die Uhr pflegt. Gleichzeitig müssen wir in unserer klassischen Medienarbeit intensiv für ein solches Portal werben und vor allem die Service-Orientierung zum Ausdruck bringen - zum Beispiel über TV-Spots.

SPIEGEL ONLINE: Welche Service-Angebote kann mir die katholische Kirche denn bieten?

Fischer: Stellen Sie sich vor, ein Freund möchte Sie als Trauzeuge oder Taufpate für sein Kind. Wüssten Sie sofort, was da auf Sie zukommt? In solchen und anderen Momenten muss die Kirche virtuell informieren. Wir müssen aber auch als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Außerdem wäre ein Callcenter sinnvoll - jedes größere Unternehmen hat das mittlerweile, wir noch nicht.

SPIEGEL ONLINE: Muss die Kirche weg von der belehrenden Predigt und stattdessen interaktiver werden?

Fischer: In der Tat. Wir können da vor allem auf unsere bisherigen Erfahrungen aus der Internet-Seelsorge bauen. In der digitalen Kirche von www.funcity.de gibt es bereits Online-Pfarrer, die in vertraulichen Chats für alle menschlichen Probleme ansprechbar sind. Im Anliegenbuch von www.liebfrauen.net können Sie eine virtuelle Kerze anzünden und Ihr Gebet in ein Fürbittbuch schreiben. Solche Dinge müssen wir künftig verstärkt über das Portal anbieten. Schließlich ist der Dialog mit den Menschen seit eh und je zentrales Anliegen der Kirche gewesen. Warum also nicht auch über die neuen Medien? Die evangelische Kirche verschickt zum Beispiel seit kurzer Zeit den täglichen Segen per SMS.

SPIEGEL ONLINE: Das dürfte nicht ganz billig sein.

Fischer: Deshalb ist der Service auch zahlungspflichtig. Das ist für mich allerdings ein zweischneidiges Schwert. Ich denke, dass wir für die Verbreitung des christlichen Glaubens prinzipiell kein Geld verlangen dürfen. Andererseits muss ich mich natürlich auch fragen, wie man umfangreiche Service-Angebote sonst finanzieren soll.

SPIEGEL ONLINE: Und was ist Ihnen dazu eingefallen?

Fischer: Ich finde die Idee einer Church-Card nicht schlecht, eine Art Clubkarte für alle, die Kirchensteuer zahlen. Wir könnten die Mitgliedschaft bei uns attraktiver machen, indem wir zusätzliche Services mit der Karte verbinden. Die Kirche könnte zum Beispiel als Internet-Provider antreten, bei dem sich die User mit ihrer Kartennummer zu günstigeren Konditionen einloggen.

Ulrich Fischer ist Mitglied der Planungsgruppe Internet und verantwortet unter anderem im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz die Kirchenprogramme bei Sat.1. Das Interview führte Matthias Sdun.

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