Medienkongress in Peking Murdoch wettert gegen "Content-Kleptomanen"

Der Medienunternehmer Rupert Murdoch und Tom Curley, Chef der Nachrichtenagentur AP, haben auf einem Medienkongress in Peking ihre Forderung nach einer Bezahlung von Inhalten im Web erneuert. Scharf fielen ihre Angriffe gegen Unternehmen im Web aus, die Nachrichten nur verwerten.

Rupert Murdoch: Der gebürtige Australier gilt als einer der letzten Medientycoons der Welt - und machte im letzten Jahr vor allem mit Kampfansagen gegen Google und seinen Plänen Schlagzeilen, von Web-Lesern Geld zu verlangen
AFP

Rupert Murdoch: Der gebürtige Australier gilt als einer der letzten Medientycoons der Welt - und machte im letzten Jahr vor allem mit Kampfansagen gegen Google und seinen Plänen Schlagzeilen, von Web-Lesern Geld zu verlangen


Peking - Die Nachrichtenmedien verstärken ihren Druck auf große Web-Portale, aktuelle Inhalte angemessen zu bezahlen. Zum Auftakt eines Weltmediengipfels in Peking sagten der Chef der Nachrichtenagentur AP, Tom Curley, und der Verleger Rupert Murdoch vom Medienkonzern News Corp., die Zeit des kostenlosen Contents müsse zu Ende gehen.

"Wir Content-Produzenten haben zu langsam auf die freie Ausbeutung von Nachrichten reagiert", sagte Curley vor 300 Teilnehmern des "World Media Summits" in der Großen Halle des Volkes. Auf der einen Seite gebe es Nachrichtenmedien, die mit hohen Kosten aktuelle Informationen sammelten. Auf der anderen Seite gebe es Unternehmen, die davon profitierten, ohne dafür zu zahlen. Massenhaft genutzte Web-Angebote wie Wikipedia, YouTube und Facebook seien zu zentralen Umschlagplätzen für Nachrichten geworden und hätten die Online-Auftritte traditioneller Nachrichtenmedien verdrängt.

"Wir Content-Produzenten müssen schnell und entschlossen handeln, um die Kontrolle über unseren Content wieder zu erlangen", sagte Curley. Auch Murdoch sprach sich für neue Bezahlmodelle für Nachrichten im Internet aus. Der Vorstandschef von News Corp. sagte, es gebe zurzeit eine Bewegung hin zu bezahltem Content. Dies müsse jetzt genutzt werden, damit nicht "die Content-Kleptomanen triumphieren".

Wer gemeint ist, ist klar

Anders als AP-Chef Curley hat Murdoch hier wohl vor allem ein Unternehmen im Blick: Google. Gegen den dominanten Suchdienst und News-Aggregator wettert Murdoch seit rund einem Jahr mit zunehmender Heftigkeit. Das Wort "Diebe" rutschte ihm schon einmal im Rahmen einer öffentlichen Diskussion im Frühjahr 2009 heraus: Murdoch sieht wie viele in den USA aktive Verleger kaum noch eine Möglichkeit, die aufwendigen Online-Angebote seiner Objekte zu refinanzieren. Wie ein Paukenschlag hallte seine darum letztlich konsequente Ankündigung durch die Branche, ab Frühjahr 2010 alle seine Online-Unternehmungen zumindest in Teilen kostenpflichtig zu machen. Murdoch hofft darauf, dass andere Medienhäuser mitziehen werden und so die generelle Kostenlos-Kultur im Internet doch noch geändert werden kann. Das Grundproblem der Medienhäuser: Die Erlöse aus dem herkömmlichen Mediengeschäft kollabieren regelrecht. Online dagegen ist äußerst erfolgreich, was Nutzerzahlen angeht, durch Werbung allein aber kaum zu finanzieren.

Auch die Nachrichtenagentur AP erwartet, dass die Einnahmen aus dem Vertrieb ihrer Dienste in diesem Jahr auf 700 Millionen Dollar sinken werden, nachdem es im vergangenen Jahr noch 748 Millionen Dollar gewesen waren. Hintergrund sind massive Finanzprobleme von Zeitungen und Rundfunksendern in den USA, die unter der Abwanderung ihres Anzeigengeschäfts ins Internet leiden.

Der chinesische Staatspräsident Hu Jintao versprach den Teilnehmern der Konferenz aus 80 Ländern, seine Regierung werde die Berichterstattung ausländischer Medien aus China "gemäß der Gesetze und Bestimmungen" sichern. Die internationale Presse habe eine wichtige Rolle, um die Welt über die Entwicklungen in China zu unterrichten. Er rief die Nachrichtenmedien dazu auf, auf die Förderung des Friedens hinzuwirken. Murdoch forderte von der Führung in Peking, die Medienlandschaft in China dem Wettbewerb zu öffnen.

AP/pat



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