Medienkonsumstudie Berieselung bleibt beliebt

Der gemeine Deutsche verbringt immer mehr Zeit mit Medien, ist der aktuellen Studie Massenkommunikation 2005 zu entnehmen. Radio und TV halten die Spitzenposition, doch das Web schließt auf: Die Nutzung verdreifachte sich in fünf Jahren. Auftraggeber der Studie: ARD und ZDF.


Noch ist die Medienwelt in Ordnung: Zwar klagt die gebeutelte Branche nach wie vor über schmerzhafte Umsatzeinbrüche, doch ihren Erfolg beim Publikum schmälert das letztlich nicht. Der Medienkonsum der Deutschen steigt und steigt. So etwas lässt sich in empirischen Studien prächtig dokumentieren und liefert die statistischen Argumente für die Werbekunden - und von denen hängt zumindest bei den privatwirtschaftlich organisierten Medien das Gros der Umsätze ab.

TV, wohin man sieht: einfach nur Zusehen ist Trend
DPA

TV, wohin man sieht: einfach nur Zusehen ist Trend

Jeder Leser, Zuschauer oder Hörer mehr, der dann noch mehr Zeit mit seinem Medium verbringt, wertet das Medium gegenüber den Werbekunden auf. Denn die bezahlen ihre Werbung in so genannten "Tausender-Kontaktpreisen" oder "TKP". Je mehr "Tausender" ein Medium also anzubieten hat, desto mehr ist es wert. Amerikanische Medien-Marketer sagen das ganz offen: Sie verkaufen nicht Inhalte oder Programme, sondern "Augen".

Und von denen blicken in Deutschland immer mehr immer länger auf die Medien. Insgesamt zehn Stunden, behauptet die Studie Massenkommunikation 2005, verbringt der durchschnittliche Bundesbürger pro Tag mit Medien. Vor fünf Jahren seien es knapp achteinhalb Stunden gewesen, sagt die im Auftrag der ARD/ZDF-Medienkommission erstellte Studie. Nach wie vor stehen demnach Radio und Fernsehen an erster Stelle.

Laut Untersuchung hört im Schnitt jeder Erwachsene ab 14 Jahren täglich 3 Stunden und 41 Minuten Radio und sieht 3 Stunden und 40 Minuten fern. Die Nutzungsdauer des Internets habe sich zwar verdreifacht, liege aber hinter den "etablierten Medien". Mit 44 Minuten täglich ist das Internet zeitlich gleichauf mit dem Hören von Musik über CD/MC oder MP3-Player (45 Minuten).

Die Zahl verschweigt jedoch, dass die Grundgesamtheit eine andere ist, hier also Äpfel mit Birnen verglichen werden: Es gibt erheblich mehr Fernseher als Web-Nutzer. Selbst an Euphorie grenzend optimistische Zählungen gehen nicht davon aus, dass viel mehr als 50 Prozent aller Deutschen aktive Web-Erfahrungen haben, die Zahl der das Web tatsächlich regelmäßig nutzenden Deutschen dürfte deutlich darunter liegen. Umso mehr Zeit verbringt der wirkliche Web-Nutzer mit "seinem" Medium.

Mehr passive als aktive Mediennutzung

Das sticht inzwischen andere Lesemedien klar aus. Gerade einmal 28 Minuten am Tag, erklärt die ARD/ZDF-Studie, nähme der Deutsche noch seine Tageszeitung in die Hand. Bücher (25 Minuten) und Zeitschriften (12 Minuten) müssten sich mit noch weniger Zeit begnügen. Mit Abstand der größten Beliebtheit erfreuen sich also weiter "Berieselungs-Medien", die vom Konsumenten relativ wenig aktives Engagement verlangen.

Das Fernsehen erfülle der Studie zufolge dabei mit seinem "breiten Angebotsspektrum" Informations- wie auch Unterhaltungsfunktionen, die Tageszeitung bleibe Informationsmedium, das Radio Tagesbegleiter und "Stimmungsmodulator". Das Internet fungiere vor allem als Informationsmedium. Große Teile der Bevölkerung hätten das Internet inzwischen in ihren Medienalltag integriert, ohne ihre bisherigen Nutzungsmuster und Funktionszuweisungen an die Medien grundlegend zu ändern, heißt es in der Untersuchung.

Für die Studie wurden vom 10. Januar bis 13. März 4500 Personen ab 14 Jahren befragt. Die ARD/ZDF-Langzeitstudie "Massenkommunikation" wird seit 1964 etwa alle fünf Jahre durchgeführt. Im Jahr 2000 wurde das Internet neu in den Medienvergleich einbezogen.



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