Medienkrise Hearst-Gruppe will Geld für Online-Angebote verlangen

In der US-Zeitungsbranche herrscht nackte Panik: Der US-Medienkonzern Hearst will nun wieder Geld für Online-Inhalte verlangen. Die Werbeerlöse reichten nicht, um die eigenen Ausgaben abzudecken, erklärte Hearst-Chef Steven Swartz dem "Wall Street Journal" zufolge.

New York - Kehrtwende im Zeitungsmarkt in den USA: Die Zeitungen des US-Medienkonzerns Hearst wollen künftig verstärkt Geld für ihre Online-Angebote verlangen. Das kündigte der Chef der Hearst- Zeitungsgruppe, Steven Swartz, in einem internen Schreiben an die Mitarbeiter an, das am Wochenende im "Wall Street Journal" veröffentlicht wurde. Ein Teil der heute kostenlosen Artikel im Internet soll künftig wieder nur gegen Bezahlung angeboten werden. In den vergangenen Jahren hatte sich auch bei US-Zeitungen eher der Trend durchgesetzt, möglichst viele Angebote kostenlos zu machen, um mehr Nutzer und Werbung anzulocken.

Mit der schweren Wirtschaftskrise gingen allerdings die Online- Werbeerlöse zurück, wie auch Swartz einräumte. Hinzu kommen die stetigen Auflagenrückgänge. Hearst hatte deswegen das Geschäftsmodell seiner Zeitungsgruppe untersucht - mit einem alarmierenden Ergebnis: "Eine unausweichliche Schlussfolgerung unserer Analyse ist, dass unsere Kostenstruktur erheblich von dem heutigen Umsatzpotential unserer Branche abweicht", schrieb Swartz. Kürzer gesagt: Zeitungen kosten in den USA heute mehr, als sie einbringen.

Hearst, einer der großen US-Medienkonzerne, gibt 16 Zeitungen heraus, darunter den "Houston Chronicle" oder den "Seattle Post- Intelligencer". Das Magazin "Fortune" berichtete, Hearst erwäge auch, einen eigenen E-Book-Reader auf dem Markt zu bringen, um seine Print-Titel verstärkt in digitaler Form zu vertreiben.

Auch der Chefredakteur der "New York Times" hatte kürzlich laut über eine Rückkehr zu Bezahl-Inhalten nachgedacht. Den US-Medien geht im Moment in rasantem Tempo das Geld aus - die "NYT" konnte nur überleben, weil der schwerreiche Mexikaner Carlos Slim ihr ein Darlehen über 250 Millionen Dollar gewährte.

Die Frage bleibt allerdings bestehen, ob Menschen heute eher bereit sind, für Nachrichten und Analysen im Web Geld zu bezahlen als vor einigen Jahren. Mit "Wall Street Journal" und "New York Times" hatten sich zuletzt die beiden letzten großen US-Zeitungen weitgehend von gebührenpflichtigen Inhalten im Netz verabschiedet.

Die jetzt bei Hearst vollzogene Strategieänderung könnte eine Wendung zum Besseren markieren - oder aber den endgültigen Untergang der Presse in den USA einläuten. Erst vor wenigen Tagen hatte die "Rocky Mountain News", eine der ältesten Zeitungen des Landes, sich von ihren Lesern verabschiedet: Das Blatt wurde eingestellt, weil es nicht mehr zu finanzieren war.

cis/dpa
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