Mega-Schnüffler Big Brother Pentagon

Rund um die Uhr, rund um die Welt will das US-Verteidigungsministeriurm künftig das Internet überwachen: Bit für Bit, jede E-Mail, jede Kontobewegung. Das, sagt Pentagon-Sprecher Poindexter, sei nicht Gier nach Kontrolle, sondern Kampf gegen den Terror.

Im US-Verteidigungsministerium laufen Bemühungen, ein gigantisches System zur weltweiten Überwachung des Internet einzurichten. Der Chef der "Informationsabteilung" im Pentagon, John Poindexter, erklärte in einem am Dienstag veröffentlichten Interview der "Washington Post", Ziel sei es, die Spur von Terroristen überallhin verfolgen zu können.

Dazu will das Pentagon nach Informationen der Zeitung Zugriff zu Datenbanken in der ganzen Welt erhalten. Das Überwachungssystem würde dann systematisch Millionen von Datenpaketen durchschnüffeln und so Kreditkartenabrechnungen, verdächtige Reiseaktivitäten oder ungewöhnliche Arzneimittelverschreibungen wie etwa zur Behandlung von Milzbrand aufdecken.

Das geht klar noch über die Möglichkeiten des von Amerikanern und Briten installierten Echelon-Systems hinaus, mit dessen Hilfe US-Geheimdienste die elektronische Kommunikation auch ihrer Verbündeten überwachen. Das System war im letzten Jahr vom EU-Parlament vehement kritisiert worden, weil es von Briten und Amerikanern nachweislich gezielt auch zur Industriespionage in Partnerländern genutzt wurde.

Doch gut ein Jahr nach den Anschlägen vom 11. September scheint der Zweck noch immer jedes Mittel zu heiligen: "Wir können die Terroristen nur finden und ihnen zuvorkommen, wenn wir ihre Spur verfolgen", sagte der frühere nationale Sicherheitsberater.

Kritiker merkten an, die US-Regierung werde es sicher schwer haben, für ein solches Überwachungsprogramm die Zustimmung befreundeter Staaten einzuholen: Tatsächlich erinnert das Vorhaben gespenstisch an Orwells Vision von der Gedankenpolizei.

Noch schwieriger dürfte es allerdings sein, ein solches Programm überhaupt in die Praxis umzusetzen: Die NSA ertrinkt schon jetzt in der Echelon-Datenflut, derzeitige Filtertechnologien arbeiten nicht präzise genug, das Profane vom Gefährlichen zu trennen. Ein solches Überwachungssystem müsste in der Lage sein, täglich den Inhalt mehrerer Milliarden E-Mails in zahlreichen Sprachen zu analysieren - und dabei beispielsweise ziellose Waffenangebote, Titelhandel, Medikamenten- und Drogenspams von echten E-Mails zu scheiden. Selbst Poindexter gibt zu, dass noch Jahre vergehen würden, bis die Technologie entwickelt sei, um derart riesige Datenmengen zu filtern.

Doch die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren. Poindexters Abteilung verfügt über einen Jahresetat von 200 Millionen Dollar, und erste Großaufträge zur Entwicklung der Schnüffelsoftware wurden schon vergeben. Nach Informationen der "Washington Post" berät Poindexter auch die Nationale Transportsicherheitsbehörde bei der Entwicklung eines Programms, um verdächtige Passagiere aufzuspüren.

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