Megaprotest wegen Megaupload Anonymous startet Rachefeldzug gegen US-Justiz

Das FBI, das Justizministerium, Lobbygruppen und Plattenlabels: Die Internet-Guerilla Anonymous hat nach der Schließung des Filehosters Megaupload gezielte Attacken begonnen. Zahlreiche Websites waren vorübergehend nicht erreichbar.
Anonymous-Logo: "Holt euch Popcorn"

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Foto: Anonymous

"Holt euch Popcorn... es wird eine lange Nacht." Es war ein Protest mit Ansage auf einem Twitter-Account,  der der Internet-Guerilla Anonymous zugeordnet wird, einige nennen es die bisher größte Aktion dieser Art: Nachdem das FBI am Donnerstag den Filesharing-Dienst Megaupload geschlossen und seine mutmaßlichen Hintermänner festgenommen hatte, starteten die Hacker einen "Gegenschlag" gegen Urheberrechts-Verteidiger in den USA. Eine ganze Reihe von Seiten werden im Blog "AnonOps"  zum Ziel erklärt - offizieller geht es bei der Organisation kaum.

Die Aktion verwundert nicht. Die "Operation Payback" von Anonymous ist eine der älteren Aktivitäten der Web-Guerilla, schon diverse Male wurden die Seiten von Branchenverbänden mit Denial-of-Service-Attacken abgeschossen. Später wurde "Payback" erweitert und auf Aktionen zur Unterstützung der Enthüllungsplattform WikiLeaks ausgedehnt.

Im Blog "AnonOps" ist die Rede vom Justizministerium und den Lobbyverbänden RIAA und MPAA, die Berichten zufolge als erstes angegriffen wurden. Auch das Weiße Haus, die Seiten von Universal Music oder Warner Music sowie internationale Copyright-Behörden und -Organisationen und andere stehen auf der Anonymous-Liste. Das Tech-Blog "Gizmodo" bestätigt,  dass viele dieser Seiten nach dem Aufruf in der Nacht zum Freitag zumindest vorübergehend offline waren, darunter das FBI und das Justizministerium, wofür die Hacktivisten wie gewohnt auf Twitter  die Verantwortung übernahmen.

Die US-Justiz hatte am Donnerstag mit Megaupload einen der weltgrößten Filehoster vom Netz genommen, der für einen Schaden von mehr als 500 Millionen Dollar verantwortlich gemacht wird. Mehrere Verantwortliche, darunter der deutsch-finnische Gründer Kim Schmitz alias "Kim Dotcom" wurden festgenommen. Megaupload nannte laut der Nachrichtenagentur AP noch kurz vor der Schließung die Anschuldigungen, das Unternehmen fördere massenhafte Urheberrechtsverstöße, "grotesk überzogen". Die große Mehrheit des Datenverkehrs von Megaupload sei legitim.

Musiklobby ist "zutiefst dankbar"

Laut "Gizmodo" zeigte  sich etwa die Musikindustrie-Lobby RIAA "zutiefst dankbar", dass die Behörden zwei Jahre lang unentwegt an der Zerschlagung von Megaupload gearbeitet hätten. Zu sehen waren Erklärungen wie diese wegen der Anonymous-Hacks zunächst allerdings nicht.

Das Justizministerium nahm laut "Washington Post"  zudem bereits Stellung zu dem Angriff. Es seien zunehmende Aktivitäten auf der Website zu vermerken - ein Hinweis auf eine gezielte Distributed-Denial-of-Service-Attacke, bei der Webserver durch massenhafte Anfragen lahmgelegt werden. Auf den Umfang der Aktion deutet der "Realtime Web Monitor"  des Internet-Dienstleisters Akamai hin: Hier wurden 24 Prozent mehr Angriffe sowie mehr Web-Traffic als gewöhnlich verzeichnet - und das Stunden nach den ersten Berichten über Anonymous' Rache-Hacks.

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