Megaupload-Gründer Kim Dotcom feiert Geburtstag im Knast

Gut geplanter Zugriff: Neuseeländische Ermittler haben das Anwesen des Megaupload-Gründers Kim Dotcom kurz vor dessen Geburtstagsparty gestürmt, um auch Gäste aus Deutschland verhaften zu können. Die Opposition kritisiert die Regierung: Warum bekam Dotcom eine Aufenthaltsberechtigung?

DPA

Von Anke Richter, Christchurch


Auckland - Seinen 38. Geburtstag verbrachte Kim Dotcom am Samstag im zentralen Untersuchungsgefängnis von Auckland. Am Freitag hatten neuseeländische Polizisten den Gründer der von US-Behörden geschlossenen Download-Plattform Megaupload verhaftet.

Polizeihubschrauber kreisten über dem ländlichen Vorort Coatesville, 76 Beamte drangen auf das Luxusanwesen vor, der Hausherr verschanzte sich im elektronisch gesicherten Panikraum. US-Behörden streben die Auslieferung von Kim Dotcom an, die Anklage wirft ihm die Bildung einer kriminellen Vereinigung und Urheberrechtsverletzungen vor.

Dass Kim Dotcom einen Tag vor seiner Geburtstagsparty verhaftet wurde, ist kein Zufall. Ein neuseeländischer Ermittler gab am Wochenende an, man habe die Festnahmen und die Hausdurchsuchung mit Bedacht am Freitag durchgeführt. Die Fahnder hätten vorab gewusst, dass einige der von den US-Behörden gesuchten deutschen Staatsbürger zu Dotcoms Geburtstagsparty anreisen würden. Die Ermittler hatten womöglich Zugriff auf den E-Mail-Verkehr der Angeklagten, sie wussten von der geplanten Geburtstagsparty auf Dotcoms Anwesen, sie wussten sogar, dass einer der Angeklagten eine "Predator"-Statue besaß, und sie kannten die Seriennummern von Kameras aus dem Besitz der Megaupload-Macher.

Warum erhielt Kim Dotcom eine Aufenthaltsberechtigung?

Das Schicksal von Kim Dotcom, geboren 1974 als Kim Schmitz in Kiel, beschäftigt Neuseeland. Vor allem die Frage, wie der schillernde Deutsche zur Aufenthaltsberechtigung gekommen ist.

Der Vier-Millionen-Staat am Rande des Pazifiks ist ein begehrtes Einwandererland, die Immigration schwierig. Das sah Kim Dotcom genauso: "Ein rares Paradies auf Erden" sei Neuseeland, atomfrei und friedlich. So warb Schmitz im vergangen Jahr in einem Interview mit dem "New Zealand Herald" um und für seine neue Heimat. Er und seine Frau "haben drei kleine Kinder und wollen, dass sie sicher und gesund in schöner Umgebung aufwachsen", sagte er.

Die finnische Staatsbürgerschaft besaß der 38-Jährige bereits. Seinen letzten Wohnort Hongkong hatte er dauerhaft zugunsten Neuseelands aufgegeben. Seine Kinder würden die Haustiere und die Natur dort lieben. Der protzige Lebemann, Ultra-Kapitalist und PS-Liebhaber, stellte sich plötzlich als besorgter Öko dar: "Ich bin langfristig nicht optimistisch und glaube, dass wir eine Zuwachs an internationalen Konflikten und Umweltverschmutzung sehen werden." Überbevölkerung und die "drastische Verringerung von Ressourcen" würden dazu führen, dass Neuseeland "eines der begehrtesten Länder der Welt" werde, mit einem "unermesslichen Reichtum".

Kim Dotcom spendet in Neuseeland

Zum nationalen Wohlstand wollte der schillernde Dotcom gerne beitragen. Er investierte zehn Millionen Neuseeland-Dollar in Staatsanleihen, spendete für die Erdbebenopfer in Christchurch und ein Kinderhilfswerk. Unter der Einwanderungskategorie "hoher Investor" wurde ihm 2010 die Aufenthaltserlaubnis erteilt, als nur einem von zehn Menschen mit gleichem Status in Neuseeland. In dem Interview mit dem "New Zealand Herald" erwähnte Kim Dotcom, dass er in Deutschland von Gerichten verurteilt worden sei, dies habe er auch gegenüber neuseeländischen Behörden angeben, obgleich die lange zurückliegenden Verurteilungen in Deutschland bereits aus dem Zentralregister gelöscht seien.

Dafür, dass Dotcom eine Aufenthaltsgenehmigung erhielt, musste sich jetzt Warwick Tuck, der Chef der Einwanderungsbehörde, öffentlich rechtfertigen. Mögliche "charakterlichen Nachteile" des Krösus seien durch den Vorteil für das Land aufgewogen worden, verteidigte dieser die Entscheidung. Die oppositionelle Labour-Partei kritisierte: "Dubiose Personen" könnten sich offensichtlich ins Land einkaufen.

Dotcom durfte die Millionen-Villa nicht kaufen

Ganz so einfach wurde es Schmitz auf dem Weg ins Paradies nicht gemacht. Mitte vergangenen Jahres - da ermittelte bereits das FBI gegen ihn - bemühte er sich um den Kauf des opulenten Anwesens nördlich von Auckland, das er vorerst als Feriensitz angemietet hatte und in dem die Verhaftung im Morgengrauen nun stattfand: Tennisplatz, Pool, Giraffenstatuen im Garten, 30 Bedienstete in schwarzen Uniformen, die in Golfwägelchen durchs 24 Hektar große Gelände kreuzen.

Ein Wohnsitz wie aus Hollywood, ein großer Fuhrpark, unterirdische Gänge. Die Besitzer boten das Luxusdomizil über Sotheby's zuletzt für 30 Millionen Neuseeland-Dollar zum Kauf an. Dotcoms Traum vom eigenen Familiensitz am Ende der Welt ging nicht in Erfüllung. So berichtete der "New Zealand Herald" kürzlich, dass Dotcom das von ihm bewohnte Anwesen nicht kaufen dürfe - weil er die "Good Character"-Kriterien nicht erfülle, die von Ausländern beim Landerwerb auf der Insel verlangt würden.

Schmitz wehrte sich öffentlich gegen die "Hasser", die ihm den Weg zu seinen ambitionierten Plänen versperrten: "Ich habe mir das Recht erarbeitet, im Jetzt und der Zukunft zu leben, nicht in der Vergangenheit." Er sei ein "erfolgreicher Geschäftsmann" mit "gutem Charakter" und würde Arbeitsplätze schaffen. Die Sympathie der Auckländer versuchte er zu gewinnen, indem er der Metropole ein Feuerwerk spendierte, das angeblich eine halbe Million NZ-Dollar gekostet haben soll. Das hielt weniger leicht zu beeindruckende Neuseeländer jedoch nicht davon ab, sich über Dotcoms angeblich dreiste Parkmanöver zu mokieren und über seine Rundfahrt im schwarzen Mercedes auf dem Gelände eines Golfplatzes.

Wenige Wochen vor seinem Geburtstag zeigte Kim Dotcom sich zuletzt öffentlich in einem YouTube-Video: Damals feierte er seinen Aufstieg auf den ersten Platz in der Rangliste der erfolgreichsten Spieler des Kriegsshooters "Call of Duty - Modern Warfare 3". Kim Dotcom feierte mit Torte und Konfetti, ein Video aus besseren Tagen.

Mitarbeit: Konrad Lischka



insgesamt 65 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Hesekiel 22.01.2012
1.
Zitat von sysopGut geplanter Zugriff: Neuseeländische Ermittler haben das Anwesen des Megaupload-Gründers Kim Dotcom kurz vor dessen Geburtstagsparty gestürmt, um auch Gäste aus Deutschland verhaften zu können. Die Opposition kritisiert die Regierung: Warum bekam Dotcom eine Aufenthaltsberechtigung? http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,810619,00.html
Die meistbeachtete Verhaftung 2011: Assange Die meistbeachtete Verhaftung 2012: Kim Dotcom Dass einmal freier Meinungsaustausch und Datentausch oder "raubkopieren" weltweit verfolgte Staatsfeinde werden würden hätte man vor einigen Jahren auch nicht gedacht. 21.Jahrhundert, du machst dich lächerlich..
_gimli_ 22.01.2012
2.
Zitat Kim Dotcom: ""Ich habe mir das Recht erarbeitet, im Jetzt und der Zukunft zu leben, nicht in der Vergangenheit". Er sei ein "erfolgreicher Geschäftsmann" von "gutem Charakter" und würde Arbeitsplätze schaffen." Ich glaube ihm sogar, dass er diese Meinung über sich selbst hat. Er hat sich sein eigenes Weltbild gebaut und erkennt gar nicht, dass er schlicht ein Krimineller ist, der Arbeitsplätze zerstört. Armer Irrer.
Maronno 22.01.2012
3. Schmitz
Der Mann heisst "Schmitz". Bitte keine Mythen kreieren.
Homanx 22.01.2012
4. Wieder einmal.....
Zitat von sysopGut geplanter Zugriff: Neuseeländische Ermittler haben das Anwesen des Megaupload-Gründers Kim Dotcom kurz vor dessen Geburtstagsparty gestürmt, um auch Gäste aus Deutschland verhaften zu können. Die Opposition kritisiert die Regierung: Warum bekam Dotcom eine Aufenthaltsberechtigung? http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,810619,00.html
..... macht sich das amerikanische Gesetz zum Handlanger der amerikanischen Wirtschaft, wieder einmal mach sich der Rest der Welt zu Handlanger der Amerikaner..... Wie weit geht das noch? Es ist alles so krank...... Homanx
Iulius222 22.01.2012
5. Good character?
Ich bin wirklich überrascht; wie wäre es, wenn wir in Deutschland einmal zum Landerwerb "good character-Eigenschaften" verlangen würden? Oder gar bei der Einwanderung? Wie wäre es, wenn wir solche Einwanderungskriterien hätten, wie Neuseeland? Zu Kimble muss ich sagen, unglaublich, welche Kohle er mit megaupload gescheffelt hat. Scheint ein wahrer Goldesel gewesen zu sein. In HongKong wurden gerade nochmal 40 Mio HKD an Werten beschlagnahmt. Wer immer noch glaubt, dass das alles doch legal war, der träumt. Das war organisierte Kriminalität.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.