Urheberrechtsverletzungen, Betrug, Geldwäsche Zwei Kollegen von Kim Dotcom entgehen Auslieferung an die USA

Die beiden früheren Mitbetreiber von Megaupload, Mathias Ortmann und Bram van der Kolk, werden in Neuseeland vor Gericht gestellt. Damit droht nur noch Kim Dotcom die Auslieferung in die USA.
Kim Dotcom (M.)

Kim Dotcom (M.)

Foto: MICHAEL BRADLEY/ AFP

Zwei weitere frühere Kollegen des deutschen Internetunternehmers Kim Dotcom werden von Neuseeland nicht an die USA ausgeliefert. Sie hätten sich mit der neuseeländischen Regierung und den USA darauf geeinigt, wegen ähnlicher Vergehen in Neuseeland vor Gericht gestellt zu werden, teilten die beiden früheren Mitbetreiber von Megaupload, Mathias Ortmann und Bram van der Kolk, am Dienstag mit. Damit droht jetzt nur noch Kim Dotcom die Auslieferung.

Die US-Behörden werfen Dotcom und drei weiteren Betreibern massive Urheberrechtsverletzungen, Betrug und Geldwäsche vor. Dotcom hatte im Jahr 2005 die Plattform Megaupload gegründet, auf der Internetnutzer Dateien kostenlos hoch- und herunterladen konnten. Nach Auffassung des US-Justizministeriums diente die Seite ausdrücklich als Tauschbörse für urheberrechtlich geschützte Inhalte wie Filme, Fernsehserien und andere Dateien.

Im Januar 2012 schalteten die US-Behörden Megaupload ab, neuseeländische Polizisten durchsuchten auf US-Antrag Dotcoms Anwesen in Auckland, beschlagnahmten Kunstwerke und mehrere Luxus-Autos und nahmen Dotcom fest. Seitdem wehrten er und seine Kollegen sich gegen eine Auslieferung an die USA. Gegen den ehemaligen Marketingmanager Finn Batato war das Auslieferungsverfahren aufgrund einer lebensbedrohlichen Erkrankung bereits im vergangenen Jahr eingestellt worden.

175 Millionen Dollar Gewinn

Ortmann und van der Kolk erklärten am Dienstag, der Fall habe ihr »Leben schwer belastet«. Keiner von ihnen wolle Neuseeland verlassen, wo sie ihren ständigen Wohnsitz hätten. Die neuseeländische Staatsanwaltschaft bestätigte die Einigung. Demnach entspricht die am Dienstagmorgen vor dem Bezirksgericht in Auckland eingereichte Anklage den Vorwürfen der USA.

Die US-Bundespolizei FBI stuft die Aktivitäten von Megaupload als größten Fall von Urheberrechtsverletzung in der US-Geschichte ein. Die Plattform erzielte demnach einen Gewinn von 175 Millionen Dollar, der Schaden soll sich auf mindestens 500 Millionen Dollar belaufen. Dotcom und seine Mitangeklagten haben die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Dotcom wirft den US-Behörden vor, im Namen der einflussreichen Filmindustrie in Hollywood einen Rachefeldzug gegen ihn zu führen. Bei einer Auslieferung und Verurteilung in den USA drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft. Der inzwischen 48-jährige Unternehmer erklärte am Dienstag, er werde »weiter kämpfen«.

pbe/AFP