Meghan McCain Die Pop-Prinzessin des Wahlkampfs

Meghan McCain ist die Rebellin unter den amerikanischen Kandidatenkindern. Sie bloggt über den Wahlkampf ihres Vaters und gibt gleichzeitig Musik- und Modetipps. Die Blondine könnte zur wichtigen Helferin des Republikaners werden.

Von Khuê Pham


Meghan McCain, republikanische Senatorentochter, sieht an diesem Tag aus wie eine Rapperin: Die schwarze Wollmütze hat sie tief ins Gesicht gezogen, ihre blonden Haare hängen in Strähnen herunter, dicke Lidstriche umrahmen die Augen. Ihr Vater hat gerade die republikanischen Vorwahlen in South Carolina gewonnen, und sie erzählt atemlos von der Bekanntgabe: "Es war eine der besten Erfahrungen meines Lebens", spricht sie in die Kamera, "alle haben gekreischt und sich umarmt, ich kann’s kaum beschreiben."

Meghan McCain: Charmante Online-Unterstützung für Papis Wahlkampf
Heather Brand

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Es ist einer ihrer Video-Blogs vom Anfang dieser Woche: persönlich, poppig und wenig politisch. Die 23-Jährige zieht mit ihrem Vater auf Wahlkampftournee durchs Land, doch die typische Rolle einer Politikertochter – stumm, lächelnd und vor allem: unauffällig – spielt sie nicht. Sie ist lieber Star als Statistin. Auf Fotos macht die Fashionita eine gute Figur, in ihren Videos berichtet sie als lässige Moderatorin vom Leben on the road. Zu sehen sind ihre Auftritte auf McCainBlogette.com.

Wie eine Rockband auf Tour

Schon beim ersten Klick wird klar, dass McCainBlogette eher Pop als Politik ist. Den Besucher begrüßt eine schwarz-graue Frauensilhouette mit Laptop und knallroten Absatzschuhen. Das Ganze erinnert an die Fernsehserie "Sex and the City" und deren Hauptdarstellerin, eine Designerfummel-tragende Kolumnistin. Überhaupt wimmelt es in McCains Einträgen nur so von Anspielungen auf Musik, Mode und Film.

"Alle, die wissen wollen, wie es sich gestern Nacht angefühlt hat, sollten sich den U2-Song 'Elevation' anhören", schreibt McCain über die eingangs erwähnten Vorwahlen in South Carolina. An einer anderen Stelle vergleicht sie die Wahlkampagne mit einer Rockband auf Tour: "Manchmal kommen wir uns vor wie die Darsteller aus einem meiner Lieblingsfilme, 'Almost Famous – Fast berühmt'." Über Chelsea Clinton berichtet sie, dass die ehemalige erste Tochter nicht nur charmant, sondern auch modisch sei. Als sich die beiden bei einer Wahlkampfveranstaltung in New Hampshire kennen lernten, hatte Clinton "echt tolle Schuhe an".

Die Kunstgeschichte-Absolventin der Columbia University beschreibt ihren 71-jährigen Vater gegenüber MTV als "nicht so sexy wie Obama, aber auf jeden Fall mit einer Anziehungskraft [auf junge Wähler]". Den demokratischen Konkurrenten findet sie "süß", zu ihren Vorbildern gehört die Stripperin Dita von Teese. Politische Analyse sucht man auf diesem offiziell unabhängigen Blog vergeblich. Statt Weltanschauungen verbreitet die junge McCain lieber Musik – und Make-Up-Tipps.

McCain tanzt aus der Reihe

Damit ist sie, was laut Salon.com "in der brutalen, unmenschlichen Kampfzone der Präsidentschaftspolitik niemals erlaubt ist: eine Kandidatentochter, die ihr eigenes Ding macht". Andere Politikerkinder halten sich als family support (Chelsea Clinton), Kampagnenleiter (Sarah Huckabee) oder Fan-Blogger (Mitt Romneys fünf Söhne) im Hintergrund. McCain hingegen macht mit ihren modischen Outfits und forschen Einträgen Furore – und zwar als eine Art politische Paris Hilton: schön, blond, naiv. "Ihr Blog ist der einer 23-Jährigen, die ihren Vater anhimmelt, der nun mal auf Wahlkampftournee ist", schreibt Salon.com, "es ist kein Blog einer Kandidatentochter, die Teil der Kampagne ist."

Das sieht Sreenath Sreenivasan, Leiter für neue Medien an der Columbia University, anders. Für ihn spielt McCainBlogette eine wichtige Rolle im Wahlkampf von John McCain: "Er ist der älteste Bewerber mit dem geringsten Coolness-Faktor, er kann die Unterstützung seiner hippen Tochter gut gebrauchen." Das Blog mache den 71-jährigen Senator aus Arizona attraktiver für junge Wähler, weil er den Republikaner von einer persönlichen Seite zeige. "Traditionelle Kampagnen sind immer weniger in der Lage, die Massen anzusprechen", sagt der Medienforscher SPIEGEL ONLINE. "Blogs und YouTube-Videos sind wichtige Wahlkampfinstrumente geworden - gerade, wenn es um junge Wähler geht."

Bloggen aus dem Weißen Haus

44 Millionen US-Amerikaner im Alter von 18 bis 29 Jahren dürfen dieses Jahr ihre Stimme abgeben, das ist ein Fünftel der Wahlberechtigten. Bei den bisherigen Vorwahlen lag ihre Beteiligung laut CNN-Wahltagsbefragungen bei 17 bis 22 Prozent bei den Demokraten und 10 bis 14 Prozent bei den Republikanern. Das Wählerpotential dieser Gruppe ist groß, und die Kandidaten buhlen mit YouTube-Videos, Facebook-Einträgen und Blogs um ihre Gunst.

Für Meghan McCain ist der Sieg ihres Vaters in South Carolina ein gutes Zeichen: Seit 1980 hat jeder republikanische Präsidentschaftsbewerber dort erst die Vorwahlen gewonnen. "Ab jetzt wird es nur noch größer und besser", schreibt sie in ihrem Blog unter einem Eintrag namens "Thank You South Carolina". Dem Fernsehsender NBC hat sie bereits erzählt, was für eine Präsidententochter sie abgeben würde: "Ich wäre auf jeden Fall eine sehr öffentliche erste Tochter", sagte sie, "wenn ich könnte, würde ich wahrscheinlich im Weißen Haus bloggen."

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