Mehr als 70 Websites Anonymous hackt Server von US-Sheriffs

Rache für Festnahmen durch das FBI: Anhänger der Web-Guerilla Anonymous haben offenbar einen Server geknackt, auf dem mehr als 70 Websites von US-Strafverfolgern gehostet wurden. Nun stehen vertrauliche E-Mails und persönliche Daten im Internet.

Mitteilung der Hacker: "Ihr verliert den Cyberwar"

Mitteilung der Hacker: "Ihr verliert den Cyberwar"


Hamburg - Hacker aus dem Umfeld der Web-Guerilla Anonymous brüsten sich mit dem Einbruch in einen Server, auf dem offenbar mehr als 70 Websites von US-Strafverfolgern gehostet wurden. Der Hack sei bereits vor einer Woche gelungen, insgesamt habe man zehn Gigabyte an Daten kopieren können. Darunter seien Hunderte E-Mails, Login-Daten, Informationen zu Mitarbeitern und sogar zu Spitzeln der Polizei.

Die Unbekannten kündigten am Samstag an, die Daten zu veröffentlichen, um die Strafverfolger lächerlich zu machen. Über das Anonymisierungsnetzwerk "Tor" war ein Server angebunden, auf dem unter anderem Liste mit mehr als 7000 Namen, Adressen und Login-Daten bereitgestellt wurde. Dabei soll es sich um den Auszug einer Datenbank einer Online-Akademie der Polizei in Missouri handeln. Außerdem wurden E-Mails von 56 der betroffenen Domains veröffentlicht.

Ein Polizist spielte gegenüber der Nachrichtenagentur AP die Bedeutung des Hacks herunter. Er glaube nicht, dass es auf der Website seines Sheriff Departments vertrauliche Informationen gebe. "Das ist nur eine Website mit lokalen Informationen", sagte Deputy James Cox aus Cameron Parish im US-Bundesstaat Louisiana. "Nur ein paar Informationen über unser Sheriff-Büro, Telefonnummern von Deputys...nur allgemeine Informationen." Das FBI soll in dem Fall Ermittlungen aufgenommen haben.

Doch offenbar trifft diese Einschätzung nicht auf alle der mehr als 70 kompromittierten Seiten zu, zumal wenn es sich bei den kopierten Daten um E-Mails handelt. Eine rund 7,4 Gigabyte große Datei mit den angeblich kopierten Daten wurde am Samstagabend als Torrent-Datei verbreitet. Die Veröffentlichung zählen die Hacker zur "Operation AntiSec", zu der Anonymous aufgerufen hatte. Dabei sollen möglichst viele vertrauliche Daten von Behörden im Internet veröffentlicht werden. Bis jetzt ist der Einbruch bei den Strafverfolgern offenbar der größte Erfolg der AntiSec-Hacker.

Ermittler nannten die Hacker "script kiddies"

Außerdem prahlen sie damit, wie einfach der Einbruch erfolgt sei. Offenbar konnten sie über ein nachlässig programmiertes Script zur Datenbank-Abfrage eigene Befehle einschleusen. Nach Angaben der Hacker hätten die Server-Administratoren nach einem ersten Einbruch eine Warnung der Bundespolizei FBI erhalten und daraufhin die Websites auf einen neuen, angeblich besser gesicherten Server umgezogen. Dabei seien aber auch die Hintertüren der Hacker mit kopiert worden.

Innerhalb von einer Stunde wollen die Hacker sämtliche Websites mit eigenen Nachrichten versehen haben. Bei einer Stichprobe am Samstag waren die betroffenen Seiten offline. "Ihr verliert den Cyberwar", schreiben die Anonymous-Anhänger. Das Department of Homeland Security hatte die Web-Guerilla in einem Rundschreiben angeblich als Gruppe von "script kiddies" bezeichnet, die keinerlei Schaden an kritischer Infrastruktur anrichten könnten - unter Hackern eine Beleidigung. Auf große Teile der Anonymous-Anhängerschaft dürfte diese Einschätzung zwar zutreffen - aber eben nicht auf alle.

In ihrer Mitteilung bekundeten die Unbekannten ihre Solidarität mit Topiary und jenen Anonymous-Anhängern, die sich wegen der Blockade der PayPal-Website verteidigen müssen. Topiary ist der Nickname eines Mitglieds der im Anonymous-Umfeld entstandenen Hacker-Gruppe LulzSec. Die britische Polizei hatte Ende Juli einen 18-jährigen Verdächtigen festgenommen. Bisher hieß es von Seiten der Web-Guerilla stets, die Polizei habe nicht den richtigen Topiary erwischt.

Bei einem koordinierten Zugriff in den USA und Europa wurden im Juli insgesamt 21 Personen festgenommen und 35 Durchsuchungen durchgeführt. Der Schlag richtete sich vor allem gegen Anhänger von Anonymous. 14 Verdächtige wurden in den USA vom FBI geschnappt, weil sie an Blockaden des Online-Zahlungsdienstleisters PayPal mitgewirkt haben sollen.

Blood-and-Honour-Nutzerliste veröffentlicht

Sich ebenfalls zu Anonymous zählende Unbekannte haben eine Liste mit Nutzern der Neonazi-Website Blood and Honour veröffentlicht. Unter den Hunderten Namen sind Dutzende Personen aus Deutschland dabei, wie das kritische NPD-Blog berichtet, auffällig viele Nutzer aus dem Südwesten, aber auch aus dem restlichen Bundesgebiet. Der Hack ist Teil der sogenannten "Operation Blitzkrieg", im Zuge derer Anonymous-Anhänger in Rechnernetze von Rechtsradikalen eindringen und deren Websites abschießen.

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insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
blob123y 06.08.2011
1. Hick Hack und einsperren
da dies vertrauliche Info sind hat kein "Hacker" ein Recht andere mit Datenklau zu schaedigen, ich hoffe das die diese Typen sehr schnell finden, da Spuren da sein muessen und diese Clowns sehr lange wegsperren denn diese Daten koennen fuer manche Leute persoehnlich seht gefaehrlich werden und wenns persoehnlich wird hoehrt der Spass auf.
maka2 06.08.2011
2. Dahin wo's weh tut
Hahaha, da wusste einer mit welcher Klientel er es zu tun hat. "Script-kiddies", in der Tat. Das schmerzt. ^^ Die dürften in der Tat keinen größeren Schaden anrichten als auf der Website der Kreis-Sparkasse die Infos zu den Öffnungs-Zeiten mit "SK was here" auszutauschen. Wobei es mich aber auch nicht wundern würde wenn bei staatlichen Behörden die interne Server-Sicherheit so kriminel fahrlässig gehandhabt wird, dass auch total Ahnungslose da mit einer Standard-Anleitung einfach ungehindert rein kommen. Ist in der Vergangenheit immer wieder passiert.
1923 06.08.2011
3. Anonymous hat eine klare Hierarchie
Im Gegensatz zu den eigenen Beteuerungen, dass sie keine Hierarchie und Befehlsstrukturen hätten, sind die Operationen von Anonymous klar strukturtiert und werden von Führungsfiguren wie AnonymousAbu und dem in Schottland gefaßten Jung-Hacker Topiary ausgeführt. Die Behauptung, dass sie keine Führer hätten, dient hauptsächlich dazu, dass sie sich im Falle einer Festnahme dadurch exkulpieren können. Die durch den Zusammenschluß von Lulzsec und Anonymous entstandene Hacktivismusbewegung "Antisec" stellt eine neue Dimension der Cyberbedrohung dar, da sie auch unter dem Schirm einer zusammengewürfelten Ideologie operiert. Nach meiner Meinung sind hauptsächlich Jugendliche aus Indien, China und Rußland in dieser Gruppe organisiert. Nicht zuletzt durch den Angriff auf PayPal (EBay) und verstärktes Aufkommen der "Industrieviren" wie StuxNet weiß man, dass solche Gruppen erheblichen Schaden verursachen können. V.a. bei mittelständischen Unternehmen, welche über kritische Informationen verfügen besteht Handlungsbedarf.
grafzhl 06.08.2011
4. Anonymous
Zitat von 1923Im Gegensatz zu den eigenen Beteuerungen, dass sie keine Hierarchie und Befehlsstrukturen hätten, sind die Operationen von Anonymous klar strukturtiert und werden von Führungsfiguren wie AnonymousAbu und dem in Schottland gefaßten Jung-Hacker Topiary ausgeführt. Die Behauptung, dass sie keine Führer hätten, dient hauptsächlich dazu, dass sie sich im Falle einer Festnahme dadurch exkulpieren können. Die durch den Zusammenschluß von Lulzsec und Anonymous entstandene Hacktivismusbewegung "Antisec" stellt eine neue Dimension der Cyberbedrohung dar, da sie auch unter dem Schirm einer zusammengewürfelten Ideologie operiert. Nach meiner Meinung sind hauptsächlich Jugendliche aus Indien, China und Rußland in dieser Gruppe organisiert. Nicht zuletzt durch den Angriff auf PayPal (EBay) und verstärktes Aufkommen der "Industrieviren" wie StuxNet weiß man, dass solche Gruppen erheblichen Schaden verursachen können. V.a. bei mittelständischen Unternehmen, welche über kritische Informationen verfügen besteht Handlungsbedarf.
Schöne Meinung, nur vollkommener Unsinn. Der überwiegende Großteil der sog. "Anhängerschaft" kommt aus den USA, der Rest vornehmlich aus Europa (darunter aus Großbritannien, den Niederlanden, Frankreich, Spanien und Deutschland). Russen, Inder und Chinesen teilen gar nicht die gleichen Plattformen - 4chan, IRC - wie die vorgenannten.
donbernd, 06.08.2011
5. typisch
Wie lange wird es wohl dauern bis die Aktivitäten dieser Gruppe dafür herhalten dürfen um die Freiheit im Internet weiter zu strangulieren ?
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