Mehr Datenschutz Nerds wollen Facebook-Alternative programmieren

In wenigen Tagen kamen mehr als 170.000 Dollar zusammen: Vier Studenten einer New Yorker Uni haben Geld gesammelt, um ein neues soziales Netz zu programmieren. Anders als bei Facebook soll die Privatsphäre im Vordergrund stehen - verschlüsselter Dateientausch inklusive.
Studenten Maxwell, Daniel, Raphael und Llya: Den Nerv der Zeit getroffen

Studenten Maxwell, Daniel, Raphael und Llya: Den Nerv der Zeit getroffen

Foto: diaspora

Vier Freunde gegen Facebook: Sie sind zwischen 19 und 22 Jahre alt, studieren Informatik; sie haben eine Idee - und haben gerade mehr als 130.000 Dollar gesammelt, um ihren Plan zu verwirklichen. Sie wollen ein neues soziales Netzwerk programmieren, mit offenem Quellcode, mit umfangreichem Datenschutz und starker Verschlüsselung.

Ihr soziales Netz, genannt Diaspora, soll nicht auf ein zentrales Rechenzentrum vertrauen, so wie es bei Facebook und Co. der Fall ist. Stattdessen soll jeder Diaspora-Nutzer seinen eigenen kleinen Server betreiben. Diaspora soll ein Peer-to-Peer-Netzwerk sein; so können die Nutzer untereinander kommunizieren, ohne dass die Daten erst an eine Zentrale geschickt oder dort hochgeladen werden müssen. Auf diese Weise kann jeder selbst bestimmen, was er mit wem teilt - ohne auf die Einstellungen eines Anbieters zurückgreifen zu müssen, für den Privatsphäre eine eher lästige Idee aus der Vergangenheit darstellt.

Ihr Projekt kommt genau zur richtigen Zeit, im Netz mehrt sich gerade das Unbehagen über die Datenallmacht des 400 Millionen Mitglieder starken Netzwerks Facebook. Insbesondere die schleichende Abkehr von der Privatsphäre ruft Kritiker auf den Plan. Gerade hat sich die "New York Times" die allgemeinen Facebook-Geschäftsbedingungen angesehen  - sie zählt mehr Wörter als die Verfassung der Vereinigten Staaten.

Den vier Studenten - Daniel Grippi, Maxwell Salzberg, Raphael Sofaer und Ilya Zhitomirskiy - ist aufgestoßen, dass soziale Netzwerke wie Facebook die Kommunikation und Aktivitäten ihrer Nutzer bis ins kleinste Detail nachvollziehen können. Das gelte praktisch für alle Nerds, erzählten sie der "New York Times". Also ersonnen sie Diaspora, drehten ein charmantes Video, in dem sie ihre Idee vorstellen und richteten eine Seite zum Geldsammeln auf der Förderplattform Kickstarter  ein.

10.000 Dollar wollten sie zusammen bekommen - es wurde mehr als das Zehnfache. Dabei ist die Idee eines offenen, von der Web-Community entwickelten sozialen Netzwerks keineswegs neu. Mugshot hieß eines dieser Projekte, die 2006 unter dem Dach von Linux-Distributor RedHat entwickelt wurden. DiSo ein weiteres, das der Wordpress-Blogplattform auf offenen Standards basierende Netzwerk-Funktionen hinzufügen will. An DiSo wird noch gearbeitet, Mugshot ist schon wieder verschwunden.

Trotzdem trauen offenbar mehr als 4700 Spender den vier jungen Programmierern zu, eine echte Alternative zum omnipräsenten Facebook auf die Beine zu stellen. Die Jungs geben sich dann auch wenig kleinlaut, erklären ähnliche Projekte für gescheitert und wissen schon, was sie alles besser machen wollen: Sie wollen nicht viel Zeit auf ein möglichst perfektes, umfassendes Programm verschwenden - sondern schnell erste Ergebnisse präsentieren. In den Semesterferien soll es losgehen.

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