Mehrere Klagen Ärger für Google

Nicht nur US-Politiker kritisieren, Angebote von Google gewährten Zugang zu Kinderpornografie, nun gibt es eine neue Klage - in Brasilien. Ein belgisches Unternehmen prozessiert unterdessen, weil Google für illegale Kopien seiner Produkte werbe.


Das belgische Unternehmen ServersCheck, das Soft- und Hardware herstellt, will Google vor ein Gericht in Leuven bringen. Die in manche Browser integrierte Google Toolbar, so der Vorwurf, weise den Benutzer auf illegale oder gecrackte Versionen von ServersCheck-Software hin, wenn man mit Google nach Produkten des Unternehmens suche. Das sei, als ob "jemand, der die Auskunft anruft, um nach Bezugsquellen für die Produkte einer bekannten Handtaschen-Marke zu fragen, den Ratschlag erhält, doch lieber nach illegalen Fälschungen zu suchen", so das Unternehmen in einer Stellungnahme.

Google: Pornografisches Material?
AP

Google: Pornografisches Material?

Man habe, so die Mitteilung weiter, zuvor bereits versucht, Kontakt mit Google aufzunehmen, um "das Vorschlagen von illegaler Software zu unterbinden". Man habe außerdem gefordert, dass der Markenname ServersCheck nicht durch die sogenannten Google AdWords in Anzeigen von Mitbewerbern auftauchen dürfe. Google Benelux habe aber nicht auf die Wünsche reagiert. Die Klage sei deshalb "die einzige Alternative".

Google habe das Vorschlags-Modul der Toolbar in der Vergangenheit bereits modifiziert, "zum Beispiel für sexuell konnotierte Schlagwörter oder Kreditkartennummern", so der Chef von ServersCheck, also sei dies offenbar möglich. Man habe dennoch nur angeboten, illegale Webseiten aus dem Index zu entfernen, nicht aber das Vorschlags-Modul für ServersCheck generell zu verändern. Google selbst habe mehrfach behauptet, es sei nicht möglich, das Modul Google Suggest anzupassen.

Google-Angebot als "Paradies für Pädophile"?

In Brasilien droht Google Ungemach von ganz anderer Seite, wie die Wirtschaftsagentur Bloomberg berichtet: Man ist dort Opfer des eigenen Erfolgs. Orkut, Googles Community-Angebot, hat in den USA längst gegen den übermächtigen Konkurrenten MySpace verloren - in Brasilien jedoch ist Orkut mit geschätzten acht Millionen registrierten Nutzern die Nummer eins. Im Auftrag des Generalstaatsanwalts haben sich zwei Strafverfolger nun zu Orkut-Kritikern aufgeschwungen: Das Angebot verletzte brasilianisches Recht, so Sergio Suiama und Karen Kahn. Das Angebot sei "ein Paradies für Pädophile, die dort versuchen, Sex mit Kindern zu arrangieren, und die dort pornografisches Material verbreiten", so Kahn.

MySpace ringt schon seit einiger Zeit mit derartigen Vorwürfen - nun ist, zumindest in Brasilien, die Konkurrenz dran. Google entgegnete in einem Schreiben, Google Brazil trage keine Verantwortung für die Inhalte des Orkut-Netzwerks. Eventuelle Beschwerden müssten direkt an die US-Zentrale gerichtet werden.

Ein US-Kommunalpolitiker hatte bereits Anfang Mai eine Klage gegen Google angestrengt - allerdings nicht wegen des Community-Angebotes. Jeffrey Toback wirft der Suchmaschine vor, sie ermögliche das Auffinden von Kinderpornografie.

cis



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