Mensch schlägt Maschine Kramniks Triumph gegen Fritze Flink

Deep Fritz' Strategie im dritten Spiel ging nicht auf. Schon nach 27 Zügen sah es klar besser aus für Weltmeister Wladimir Kramnik, doch unter wachsendem Zeitdruck schien ihm das Spiel zu entgleiten. Eine kurzzeitige Täuschung: Am Ende hatte Kramnik den Rechner dort, wo er ihn haben wollte.


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Kommentare aus dem laufenden Spiel:

Dramatische letzte Züge in der dritten Partie Mensch gegen Maschine: Kramnik (Schwarz) hatte sich in die Offensive gekämpft, Fritz wehrte nur noch ab. Doch dem Weltmeister ging langsam die Zeit aus, während Deep Fritz davon ein Übermaß hatte. Schachgroßmeister Julian Hodgson im Spielkommentar: "Ich habe gerade ausgerechnet, dass Fritz zwischen zwei Zügen mehr Stellungen überprüft, als Kramnik in seinem ganzen Leben. Ein erschreckender Gedanke."

AFP
Erschreckend oder nicht: Kramnik schien eine Strategie gefunden zu haben, die verblüffend gut verfängt gegen seinen in der Rechenleistung übermächtigen Gegner. "Hat er gelernt", fragte einer der Kommentatoren, "wie Fritz zu denken?"

Der Eindruck konnte aufkommen: Bei manchen Zügen, meinte Hodgson, sei es überraschend, "dass ein Mensch auf solch einen Zug kommt". Auch zeichneten sich erste Muster ab: Kramniks Grundrezept gegen den Rechner scheint der frühzeitige Damentausch zu sein. Die offerierte Kramnik bereits mit dem 8. Zug - und nahm Deep Fritz auf diese Weise erfolgreich zahlreiche taktische Möglichkeiten.

Elisabeth Vlasov: "Fritz überprüft 3,5 Millionen Stellungen in der Sekunde, Kramnik nur zwei. Und doch gewinnt Kramnik. Irre!"

Eine Meinung, die - rund eine Stunde vor Partieende - fast alle Kommentatoren teilten. Zwar gelang es Fritz zwischenzeitlich, das eigene Standing wieder etwas zu verbessern, doch Kramnik behielt die Initiative. Alexander Kure vom Fritz-Team kurz vor 17 Uhr: "Kramnik hat die Fähigkeiten, das nach Hause zu schaukeln."

Gegen 17 Uhr kommen Großmeister Julian Hodgson Zweifel daran: "Wenn Kramnik noch zwanzig Minuten auf der Uhr hätte, würde er wahrscheinlich gewinnen. Aber er hat nicht genügend Zeit, den optimalen Plan zu finden."

Um 17.02 Uhr blieben Kramnik noch knapp 17 Minuten Bedenkzeit. Fritz verfügte noch über 44 Minuten. Ab dem 31. Zug schaffte es Fritz, die eigene Position weiter zu verbessern. Hodgson sah die Remischancen des Rechners "deutlich erhöht".

Erhöht war nun auch das Tempo, und Kramniks Zähler wirkte wie eingefroren: Der Weltmeister ging bis zum 40. Spielzug zu einer Art "Blitzschach" über. Immer weiter schrumpfte der Zeitvorteil des Rechners - und Kramnik gelang es, innerhalb der für die ersten 40 Züge angesetzten zwei Stunden zu bleiben.

Es begann eine Phase länger durchdachter Züge. Kramnik verfügte seit dem 42. Zug über zwei Bauern mehr, beide Spieler neben dem König sonst nur über jeweils einen Läufer. So brillant Kramniks Leistung gegen den Rechner war, so mühselig wurde nun der Abschluss.

Großmeister Danny King: "Das war wieder eine herrliche Leistung. Ich bin gespannt, ob er das so weitermachen kann, denn diese Partien haben Kraft gekostet!"

Die Kommentatoren des Live-Mitschnitts:

Anna Dergatscheva, russische Schachmeisterin
Julian Hodgson, Schach-Großmeister, Großbritannien
Daniel King, Schach-Großmeister, Großbritannien
Nigel Short, Großmeister und ehemaliger Kasparov-Herausforderer
Frederic Friedel, ChessBase (Deep-Fritz-Entwickler)
und andere...

Die Match-Termine:

Freitag, 4. Oktober
Sonntag, 6. Oktober
Dienstag, 8. Okober
Donnerstag, 10. Oktober
Sonntag, 13. Oktober
Dienstag, 15. Oktober
Donnerstag, 17. Oktober
Samstag, 19. Oktober

Die Partien beginnen jeweils um 14 Uhr MEZ

Ort der Veranstaltung: Manama, Bahrein

Aktueller Spielstand: Kramnik 2.5 / Deep Fritz 0.5



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