Merkels Instagram-Problem Lieber "Kussi" als Kyrillisch

Russische Trolle haben offenbar den neuen Instagram-Account von Angela Merkel zugespamt. Das Social-Media-Team der Kanzlerin ist hilflos - doch andere Nutzer springen der Regierungschefin bei.
Social-Media-Präsenz der Bundeskanzlerin: Merkels Instagram-Account wurde von russischen Trollen gekapert

Social-Media-Präsenz der Bundeskanzlerin: Merkels Instagram-Account wurde von russischen Trollen gekapert

Foto: Instagram/ Bundesregierung

Fünf Weißwürste, eine Brezn, ein Glas Bier, Pappteller und Tischdecke mit den weiß-blauen Rauten der bayerischen Staatsflagge. Unter dem Bild steht: "Das bayrische #Frühstück wartet auf #Bundeskanzlerin Angela #Merkel und US-Präsident #Obama. 07/06/2015 in #Krün #G7". Der Absender: die Bundeskanzlerin. Oder besser: ihr Social-Media-Team.

"Lecker", "Guten Appetit und viel Spaß" oder ein Herz-Emoticon posten Leser zu dem Bild. Seit Mittwoch hat Angela Merkel einen eigenen Instagram-Account . Unter "bundeskanzlerin" veröffentlichten ihre Mitarbeiter dort seither rund 50 Bilder, geschossen von den offiziellen Fotografen der Bundesregierung: Merkel beim Papst, Merkels Autokolonne in Tokio, Merkel auf dem Balkon des Präsidentenpalastes in Budapest. Es sind ästhetische Bilder, einige in schwarz-weiß, künstlerisch angehaucht gar. Unverfänglich - auf den ersten Blick.

Mehr als 35.000 Follower hat die Bundeskanzlerin auf Instagram bereits. Zu einem Foto von Schloss Elmau, wo sich Merkel gerade beim G7-Gipfel aufhält, schreibt jemand: "Du rockst das Ding". Andere Bilder sind kommentiert mit "Ich liebe Frau Angela Merkel" oder "Kussi".

Doch es gibt auch andere Kommentare, viele andere, und die bereiten dem Social-Media-Team des Kanzleramts gerade erhebliche Probleme. Beleidigungen, Pöbeleien, Obszönitäten, die man nicht zitieren will. Außerdem: Zig Kommentare in kyrillischer Schrift.

Foto: Instagram/ Bundesregierung

Wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" ("FAS") berichtet, wurde Merkels Instagram-Kanal kurz nach dem Start offenbar gezielt von russischen Internet-Trollen überschwemmt. Nach der Inbetriebnahme am 3. Juni habe es auf dem Konto innerhalb weniger Stunden Hunderte Kommentare in kyrillischer Schrift gegeben, bestätigte eine Regierungssprecherin. Bei den Kommentaren habe es sich laut "FAS" größtenteils um Hasstiraden gegen Merkel und die Ukraine gehandelt.

Allerdings seien nur wenige Mitarbeiter von Merkels Social-Media-Team der russischen Sprache mächtig. Die Mitarbeiter sollen es mit Internet-Übersetzungsdiensten versucht haben, doch es wurden einfach zu viele russische Kommentare. Daher sei entscheiden worden, russischsprachige Einträge grundsätzlich nicht mehr zuzulassen.

"Das Social-Media-Angebot der Bundesregierung ist generell deutschsprachig", sagte eine Regierungssprecherin. "Im Interesse der Lesbarkeit werden deshalb Kommentare in anderen Sprachen - abgesehen von englischsprachigen Beiträgen - gelöscht." Die Kommentare in kyrillischer Schrift seien nach und nach händisch entfernt worden.

Foto: Instagram/ Bundesregierung

Doch: Behoben ist das Problem noch nicht. Merkels Team postet weiterhin Bilder - und russische Kommentare folgen. "Warum schreiben hier nur russen? Los alle deutsch und englisch sprachlichen menschen viel schreiben… Wir müssen in der Überzahl sein…", wunderte sich am Sonntagmittag ein User, der sich berlin.cars nennt.

Unter den Nutzerkommentaren häufen sich obszöne Wortmeldungen in russischer Sprache. Zum Teil beschimpften sich Russen und Ukrainer gegenseitig, offensichtlich vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts und der deutschen Haltung dazu.

Dass vermutlich Trolle am Werk sind, lässt sich laut "FAS" daraus ablesen, dass die Instagram-Konten vieler russischer Kommentatoren nur aus einem Benutzernamen bestünden.

In jüngster Zeit wurden einige Details über die Arbeit der "Kreml-Trolle" bekannt, die zwölf Stunden am Tag die Kommentarspalten des Internets mit Propaganda-Stanzen im Sinne ihres Präsidenten Wladimir Putin befüllen. Erst kürzlich hatte eine Insiderin über das Vorgehen in der Trollfabrik des Kreml ausgepackt. Ludmila Sawtschuk, 34, war einer dieser Trolle.

Im Interview mit SPIEGEL ONLINE berichtet sie von ihrer Arbeit: "Die meisten arbeiten auf Russisch. Ich weiß aber, dass einige auch auf Englisch Beiträge verfasst haben. Ukrainisch spielt eine große Rolle. Ich habe auch von Deutsch gehört, aber nicht in diesem Gebäude." Betroffen seien unter anderem Social-Media-Profile und die Diskussionsbereiche aller großen Nachrichtenseiten.

"We kindly ask you to keep your manners"

Merkels Team in Berlin ist unterdessen weiterhin überfordert - oder unterbesetzt. Ziel des Social-Media-Teams der Bundesregierung ist es nun laut Sprecherin, alle Einträge, die nicht auf Deutsch oder Englisch sind, zu löschen - ohne diese vorher zu übersetzen. Das Gleiche gelte für "gewaltverherrlichende, diskriminierende, rassistische, fremdenfeindliche, sexistische, menschenverachtende oder verfassungsfeindliche Beiträge".

Doch die Beleidigungen gehen weiter, oftmals unter der Gürtellinie. "We kindly ask you to use english oder german language only and to keep your manners. Greetings, the Social Media Team" ("Wir möchten Sie freundlich bitten, auf Deutsch oder Englisch zu schreiben und sich an die Benimmregeln zu halten. Grüße, das Social-Media-Team"), postete Merkels-Truppe am Sonntagnachmittag.

Fest steht: So PR-technisch rund wie beim Facebook-Auftritt der Kanzlerin, der im Februar an den Start ging, läuft es bei Instagram bislang nicht.

Mit Material von Reuters und dpa
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