Skrupelloser Spam Betrüger legen Fake-Profile von MH17-Opfern an

Sie wollen aus der Neugier skrupellos Profit schlagen: Facebook-Profile mit den Namen und Bildern der Opfer des abgeschossenen Flugs MH17 führen zu dubiosen Webseiten voller Werbung.

Anteilnahme am Flughafen Schiphol: Betrüger nutzen die Aufmerksamkeit
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Anteilnahme am Flughafen Schiphol: Betrüger nutzen die Aufmerksamkeit


Spammer missbrauchen nach Angaben der britischen Zeitung "Daily Mail" Namen und Fotos von Opfern des in der Ukraine abgeschossenen Fluges MH17, um Internetnutzer auf eine Werbe-Website zu locken. Noch am Tag des Abschusses legten sie dazu gefälschte Facebook-Profile unter den Namen von Opfern an und verbreiteten über die Kanäle Links zu einem angeblich neuen Videos des Absturzes. Wer aus Neugierde draufklickte, ging in die Falle.

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Heft 30/2014
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"Eine Videokamera nahm den Moment auf, als MH17 in der Ukraine abstürzte. Schau dir hier das Video des Crashs an", stand in gebrochenem Englisch auf den mittlerweile wieder gelöschten Facebook-Profilen. Die Veröffentlichung des Eintrags erfolgte mit dem Namen des Flugkapitäns und verschiedener Passagiere, darunter auch dem einer Deutschen.

Wer das vermeintliche Video anklickte, wurde auf eine Website mit Pseudo-Nachrichten und reichlich Spam-Werbung umgeleitet. Zumindest Viren und andere Computer-Schädlinge befinden sich laut Virustotal.com aber derzeit nicht darauf.

Facebook hat mittlerweile die Fake-Profile gelöscht. Die Spam-Webseite war aber am Montagvormittag noch immer online. Sie ist registriert auf einen Mann namens Andrei A. in Bukarest und listet eine ganze Reihe von angeblich äußerst relevanten Videos zu aktuellen Ereignissen auf: ein Video vom Privatrechner eines jüngst verstorbenen Fußballspielers, die Chat-Protokolle eines Kannibalen und Video-Highlights aktueller Fußballspiele.

Allzu spektakulären Nachrichten im Netz mit Vorsicht begegnen

Die Fake-Nachrichten erscheinen handgemacht und nicht automatisiert erstellt. Inhaltlich sind sie wohl nicht illegal. Auf eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE hat der angebliche Webseitenbetreiber A. bislang nicht reagiert.

Es ist nicht das erste Mal, dass nach spektakulären Ereignissen Betrüger und skrupellose Geschäftemacher im Internet auftauchen und die allgemeine Aufmerksamkeit zu ihrem eigenen Vorteil nutzen. Laut Alastair MacGibbon vom australischen Centre for Internet Safety der University of Canberra seien etwa Spam-Seiten "extrem lukrativ" für Kriminelle. Der "Canberra Times" sagte er, dass "Betrüger heute superschnell alles auch nur irgendwie Aktuelle als Chance nehmen, um damit kriminell Geld zu machen." Das sei ein geschmackloser Trend - dem schwer beizukommen sei. Schließe man ein solches Angebot, eröffne nebenan gleich ein neues.

Wer sich schützen will, sollte seine Sinne schärfen und manchen Versprechungen im Netz mit Skepsis begegnen. Wenn eine allzu spektakuläre Nachricht auf Facebook zu einem unbekannten Web-Dienst führt: einfach ignorieren. Und vor allem sollte man solche höchst populären Nachrichten von unbekannten Quellen nicht auch noch selbst per Facebook weiterverbreiten. Weitere Tipps zum Umgang mit Betrugsmaschen im Internet finden Sie hier.

fko



insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
Lodovico S. 21.07.2014
1. reziprok Skrupellos
Es ist eine Sache aus diesen "spektakulären Ereignissen" persönlichen Gewinn ziehen zu wollen, aber ebenso skrupellos ist dann ja auch die Sensationsgeilheit zu nennen, die all jene dazu geführt hat, diese fake-links anzuklicken. Wäre die nach dramatischen Bildern heischende Masse nicht ebenso unmoralisch und skrupellos zu nennen?
leckermaul 21.07.2014
2. Ich werde wohl niemals begreifen
... wie auf diese Weise Geld gescheffelt wird. Generieren die Ads tatsächlich so viel Umsatz in der Realwirtschaft, dass sich der ganze Quatsch lohnt? Oder ist es einfach nur "Reklamegeld", das überhaupt nicht an den tatsächlichen Kauf beworbener Produkte gebunden ist? Letzteres wäre einfach nur eine globale Umlage aller Konsumenten zur Unterhaltung des Internets und könnte auch weniger nervig realisiert werden.
sappelkopp 22.07.2014
3. Mir ist nicht klar...
Zitat von sysopAFPSie wollen aus der Neugier skrupellos Profit schlagen: Facebook-Profile mit den Namen und Bildern der Opfer des abgeschossenen Flugs MH17 führen zu dubiosen Webseiten voller Werbung. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/mh17-malaysia-airlines-fake-profile-von-mh17-opfern-a-982067.html
...an welcher Stelle da Geld fließen soll, wer verdient da? Verwerflich ist allerdings die Nutzung der Fake Accounts mit den Namen der Nutzer. Allerdings wirft das auch ein bezeichnendes Licht auf jene, die aus purer Lust an der Sensation darauf klicken. Selbst Schuld, wenn die blind in irgendwelche Fallen rennen.
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