Michael Moore Kommt, klaut meinen Film!

Es dauerte nicht lang, bis erste Kopien von "Fahrenheit 9/11", Michael Moores neuestem Dokumentarfilm, ihren Weg in die P2P-Börsen fanden. Moore selbst findet das "okay" und erntet dafür heftige Kritik. Seine politischen Gegner rufen sogar dazu auf, den Film herunterzuladen - um Moore wirtschaftlich zu schaden.

Jack Valenti, noch Chef der mächtigen Motion Picture Association of America (MPAA), kann sich aufregen über den Mann: Michael Moore hat ein Talent dafür, mit seinen Meinungen anzuecken. Worüber sich die Bosse von Hollywood zurzeit aufregen ist, dass Moore sich eben nicht aufregen kann oder will, "nur" weil sein neuester Film fleißig über P2P-Börsen getauscht wird.

"Ich bin mit den Copyright-Gesetzen nicht einverstanden", zitiert ihn der "Sunday Herald", "und ich habe keinerlei Probleme damit, dass sich Leute den Film herunterladen und ihn mit anderen Menschen teilen, so lange sie nicht versuchen, Profit aus meiner Arbeit zu ziehen. Dagegen hätte ich was."

Moore macht also gute Miene zum bösen Spiel: "Ich verdiene schon genug. Ich habe diesen Film gemacht, weil ich die Welt verändern will." Alles andere entspräche auch kaum seiner propagierten Mission: "Je mehr Menschen diesen Film sehen, desto besser. Also bin ich froh darüber, dass das geschieht."

Dass es so massiv geschieht, hat auch etwas mit der Zahl und Verbissenheit von Moores Gegnern zu tun. Weil sich Moore wiederholt für P2P ausgesprochen hatte, nagelten ihn seine politischen Gegner auf diese Position fest - und riefen über eigene Webseiten dazu auf, "Fahrenheit 9/11" herunterzuladen, um Moore zu schädigen.

Zeitweilig geschah die Verteilung des Filmes ganz offen über Webseiten. Selbst gegen die ging Moores Filmvertrieb Lions Gate Films nicht juristisch vor: Nach anfänglichen Protesten schloss sich die Vertriebsfirma offiziell Moores Sichtweise an.

Jetzt sorgt also offenbar eine eigentümliche Koalition aus Moore-Fans und -Feinden dafür, dass "Fahrenheit 9/11" zu einem der populärsten Downloads im Bittorrent-Netz wird.

Moores Äußerungen wurden von MPAA-Chef Jack Valenti heftig kritisiert. Raubkopien und Piraterie kosteten die Industrie Milliarden und damit auch "Tausende von Jobs". Recht eindeutig stempelte Valenti Moore einmal mehr zum Außenseiter der Branche ab: "Der Sieg über die Piraten hängt in höchstem Maße von der Geschlossenheit und Entschlossenheit der gesamten Branche ab."

Moore steht seit längerem auf Kriegsfuß mit den großen Studios. Disney hatte sich im Vorfeld zu den Filmfestspielen in Cannes, wo "Fahrenheit 9/11" den Hauptpreis gewann, geweigert, den Film in den Vertrieb zu nehmen. In den Vereinigten Staaten versuchte Moore bisher vergeblich, die Entscheidung der MPAA, "Fahrenheit 9/11" erst ab 16 Jahren freizugeben, mit juristischen Mitteln aufheben zu lassen.

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