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Windows 8: Weder Fisch noch Fleisch

Netzwelt-Ticker Browser-Streit um Windows 8

Microsoft droht in den USA ein neues Kartellverfahren. Weil das Unternehmen Konkurrenz-Browser in Windows 8 behindern könnte, kümmert sich der US-Senat um das Thema. Außerdem im Überblick: Was es mit den aktuellen Apple-Gerüchten auf sich hat und Kodaks angeblicher Atomreaktor.

Wie das Kongressblatt "The Hill" berichtet , untersuchen Mitarbeiter des Rechtsausschusses des US-Senats Beschwerden, wonach Microsoft konkurrierende Anbieter von Web-Browsern auf bestimmten Versionen von Windows 8 auszubooten versuche. Die Rede ist von einer Beschwerde des Browser-Herstellers Mozilla gegen Microsofts Ankündigung, auf der Windows-8-Version für Computer mit Arm-Prozessor keine Drittanbieter-Browser zu dulden. Dafür sprechen Sicherheitsbedenken und programmiertechnische Gründe  .

Doch nicht nur in den USA droht Microsoft Browser-Ärger: Seit 2009 muss der Konzern nach einer Vorgabe der EU-Kommission Windows-Käufern bei der Installation des Betriebssystems eine Browser-Wahl anbieten. Zuvor installierte Microsoft standardmäßig den hauseigenen Internet Explorer. Jetzt fragt sich "Computerworld":  Müsste diese Vorgabe nicht auch heute noch gültig sein? Der Deal mit der EU-Kommission erwähnt ausdrücklich zukünftige Versionen von Windows - allerdings, im Originaltext, "Windows Client PC Operating Systems after Windows 7 (PDF) ", gültig nur für die nächsten fünf Jahre.

Gilt die Abmachung damit auch für Microsofts Mobil-Variante des Desktop-Betriebssystems Windows 8, Windows RT? Laut "Computerworld"  äußerten sich am Montag weder die EU-Wettbewerbskommission noch Microsoft zu dieser Frage. Stattdessen macht ein Gerücht die Runde, nach dem das Update auf Windows 8 nur 15 Dollar (und vermutlich auch Euro) kosten  wird, wenn man nach dem 2. Juni 2012 einen PC kauft. Microsoft selbst schweigt bislang allerdings auch zu dieser Meldung.

Gerüchte über iOS 6-Gerüchte

Plötzlich sind sie überall, die Geschichten über die angeblichen Funktionen in Apples künftigem Mobil-Betriebssystem iOS 6  und das soziale Netzwerk, das Apples Datendienst iCloud  bald sein soll. "Betanews" hat sich nach dem Grund für die Gerüchteküche gefragt - und eine interessante Antwort konstruiert: Es gehe in Wirklichkeit um Facebooks Börsengang; die angeblichen Leaks seien gut platzierte Apple-Propaganda. Sie seien eine versteckte und nur für Analysten entzifferbare Kampfansage an Google und Facebook. Weil Apple nicht von Online-Anzeigen abhänge, könne das Unternehmen im Bereich Suche, Social, Speicher und Synchronisation ein umso gefährlicher Konkurrent für Facebook und Google werden - und potentielle Facebook-Anleger sollen das wissen. Spannende These - interessanter, weiterführender Artikel .

Nokia wirft Apple Siri-Manipulation vor

"Siri, was ist beste Smartphone aller Zeiten?" Auf diese Frage antwortete Apples sprachgesteuerte Suche Siri bis vorgestern noch anhand von Online-Bewertungen: "das Nokia Lumia 900". Die Meldung machte im Web die Runde und kam auch bei Apple an. Dort schraubte man sofort an Siris Suchalgorithmus und trieb ihm die Nokia-Flausen aus.

So zumindest lauten die Vorwürfe , die Handy-Hersteller Nokia nun beim "Sydney Morning Herald" laut werden lässt. Weil Apple die Antwort "Nokia Lumia 900" nicht mochte, zwinge man das System nun zu einer Scherzantwort: "Moment … es gibt auch andere Handys?" oder "Du machst Scherze, oder?" Zumindest bei Wolfram Alpha , der Quelle von Siris klugen Antworten, steht das Lumia 900 noch auf dem ersten Platz zur entsprechenden Frage: "Was ist das beste Smartphone?" Das iPhone 4S steht dort derzeit auf Platz 13.

Was am Dienstag sonst noch in der Netzwelt wichtig war:

  • "Kodak hatte einen Kernreaktor",  titelte die US-Tageszeitung "Democrat and Chronicle" - und entzündete damit ein Strohfeuer in den Tech-Blogs. Alles halb so wild, ergibt eine kurze Recherche beim GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung:  Solche Forschungsreaktoren seien weit verbreitet , energetisch kaum der Rede wert und könnten von Kodak zum Beispiel bei der Herstellung von Dosimetern verwendet worden sein.
  • Virenalarm auf Wetter.com : Kriminelle haben laut heise.de eine Schwachstelle im Anzeigenserver OpenX missbraucht, um präparierten Javascript-Code in den vielbesuchten Wettervorhersagen von Wetter.com unterzubringen. Mittlerweile ist die Gefahr gebannt.
  • Apple hat eine Software zum Entfernen der Flashback-Malware  für Mac OS X 10.5 Leopard, den Vorvorgänger des aktuellen OS-X-Betriebssystems 10.7 Lion, veröffentlicht. Praktischerweise deaktiviert es gleich auch noch das Java-Plug-in für Safari.
  • Antivirus-Hersteller Kaspersky merkt an,  dass die Geschichte, laut der Apple das russische Unternehmen um Hilfe bat, aus dem Kontext gerissen war. Apple habe niemals um Hilfe beim Kampf gegen Malware gebeten.
  • Websites mehrerer Menschenrechtsorganisationen sind in den letzten Tagen Opfer von Malware-Attacken geworden - vermutlich gezielte Angriffe, um Dissidenten zu enttarnen und Kritiker zu entmutigen. Sicherheitsexperte Brian Krebs versucht eine Analyse .
  • Die Träume eines alternativen drahtlosen Breitbandnetzes in den USA müssen erstmal beerdigt werden. LightSquared ist nach massiven Investitionen pleite  - offenbar, weil das Datennetz den GPS-Betrieb gefährdet hätte.

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