Verschwindende E-Books Liebe Leserin, lieber Leser,

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"Ballast der Republik" von den Toten Hosen, gekauft Mitte 2012 als MP3 - das wäre mein neuestes Album, könnte ich plötzlich keine Musik mehr streamen. Mittlerweile nutze ich fast nur noch Spotify, um an aktuelle Songs zu kommen, und gehe lieber auf Konzerte und Festivals, als mir Werke einzelner Künstler zu kaufen, die für Abonnenten nur eine Sucheingabe entfernt sind.

So wie ich machen es Millionen Webnutzer. Von Zeit zu Zeit bekommen wir Onlineleiher aber immer mal wieder vor Augen geführt, wie abhängig wir von Anbietern sind, die uns nur temporär oder nach ihrem Gutdünken Zugang zu Musik oder anderen Medien bieten. Erst kürzlich etwa verschwand - nach der Pleite des Herstellers - das Videospiel "Minecraft: Story Mode" aus zahlreichen Onlinestores. Wer nicht rechtzeitig alle Episoden auf sein Gerät geladen hat, wird das Spiel unter Umständen nie mehr zu Ende spielen können.

Und ich als Spotify-Kunde musste neulich schlucken, als ich vom Ende des Musikdienstes Juke von Media-Saturn erfuhr. Nicht, weil ich ihn je benutzt hätte, aber weil ich auf Facebook las , wie umständlich Nutzer ihr Musikarchiv retten sollten: Sie sollten Screenshots ihrer gespeicherten Alben und Playlist machen, "damit kein Song vergessen wird". Ihre Lieblingslieder würden sie sich dann woanders mit viel Aufwand wieder zusammenbasteln müssen.

Einer von vielen E-Book-Readern

Einer von vielen E-Book-Readern

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Nun macht das Ende eines weiteren Dienstes Schlagzeilen. Microsoft hat zum 2. April das E-Book-Angebot seines Onlinestores geschlossen - und "ab dem frühen Juli" , also möglicherweise ab dieser Woche, werden alle dort gekauften oder auch kostenlos heruntergeladenen E-Books nicht mehr lesbar sein. DRM, also ein digitaler Kopierschutz, macht es möglich, dass Microsoft die Bücher aus der Ferne abschalten kann.

Immerhin erstattet der Konzern die Kaufpreise aller E-Books zurück, wenn auch nur als Microsoft-Store-Guthaben. Und wer sich vor dem 2. April in einem E-Book Notizen gemacht hat, bekommt noch einmal 25 Dollar extra - weil auch diese Anmerkungen verschwunden sein werden. Trotzdem klingt das Ganze unwirklich: "'Die Bücher werden nicht mehr funktionieren.' Ich kann diesen Satz nicht glauben" - dieser Kommentar eines Nutzers  zum Thema wurde auf Twitter oft geteilt.

Doch so dystopisch das Verschwinden ausgerechnet von Büchern klingt: Der Onlinemarkt wandelt sich seit Langem in eine Richtung, in der uns solche Ereignisse häufiger bevorstehen könnten. Wir kaufen in App-Stores Nutzungslizenzen statt der eigentlichen Produkte, wir basteln uns Watch- und Playlists in der Hoffnung, dass bestimmte Streamingdienste noch lange bestehen. Und auch beim Gaming geht der Trend zu Flatrate- und Streamingdiensten, bei denen auf unseren Rechnern oder Konsolen im Grunde nur noch die Startprogramme der Dienste liegen.

Die moderne Onlinewelt des digitalen Kaufens und Leihens ist schnell, auch was die Vergänglichkeit von Diensten angeht - das sollte man nicht vergessen, wenn man sich mal wieder vom Microsoft Store zu Apples iTunes zu Amazons Kindle-Service durchklickt. Wer der Entwicklung etwas entgegensetzen möchte, kann das etwa durch Käufe in Shops wie GOG tun , die von vorneherein auf DRM verzichten, oder - in rechtlichen Grauzonen - indem er sich damit beschäftigt, wie sich ein DRM-Kopierschutz entfernen lässt.

Apropos Datenrettung: Schon vor einiger Zeit habe ich alle meine wichtigen Audio-CDs auf meinem Rechner gesichert. Man kann Medien schließlich nicht nur durch Geschäftsentscheidungen von Großkonzernen verlieren, sondern auch ganz altmodisch, indem Datenträger den Geist aufgeben. Und dann steht man, wenn es schlecht läuft, am Ende wirklich nur noch mit seinen "Ballast der Republik"-MP3s da.


Seltsame Digitalwelt: Stärkere Magnete, schwächere Leistung

Vor einem Jahr habe ich hier im Newsletter von "Yikerz" geschwärmt, einem Magnetspiel, das mir in den USA aufgeschwatzt wurde. Mittlerweile verdankt mir der Hersteller mehrere Sammelbestellungen von Freunden und Bekannten. Ich komme mir mitunter vor wie ein "Yikerz"-Vertreter, der aber ohne Provision arbeitet. Ich erkläre Leuten die - simplen - Regeln und rate ihnen dann, dass man besser bei Amazon.com als bei Amazon.de bestellt, wo das Spiel das Vierfache kostet. Und, klar, in Duellen bin ich nach Monaten Training von Anfängern kaum zu schlagen.

Magnetspiel "Yikerz"

Magnetspiel "Yikerz"

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Letztens aber verlor ich beim Spielen gegen meine Schwester. Die Magnete in dem von ihr bestellten Spiel waren merklich stärker, viele meiner Ablegroutinen liefen ins Leere. Gab es mittlerweile etwa eine neue Version des Spiels, mit stärkeren Magneten? Oder waren nur bei mir die Magnete zu schwach? Zur Sicherheit habe ich mir jetzt ein Zweitspiel bestellt: Als ehrenamtlich tätiger Vertreter in Übersee sollte man ja auf dem neuesten Stand sein - und bloß nicht zu leicht zu besiegen.

App der Woche: "Minit"
getestet von Tobias Kirchner

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In "Minit" hat der Spieler, wie es der Name vermuten lässt, nur eine Minute Zeit. Sobald der Held mit Schnabel sein Schwert in die Hand nimmt, läuft die Uhr. Dann müssen Monster besiegt, Rätsel gelöst, Gespräche geführt und Hindernisse überwunden werden. Läuft die Zeit ab, geht es wieder von vorne los.

Was nach einer unmöglichen Herausforderung klingt, funktioniert ziemlich gut. Hat man das Prinzip erst mal verstanden, sind auch schnell die ersten Fortschritte geschafft. Durch das Zeitlimit ist "Minit" ein sehr kurzweiliges Spiel, weil es sich eben auch lohnt, mal nur eine Minute zu spielen. Damit eignet es sich auch perfekt für eine schnelle Runde auf dem Smartphone.

Für 5,49 Euro, von Devolver Digital: iOS , Android 


Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche,

Markus Böhm

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