In geheimen Rechenzentren Microsoft führt neue "Deutsche Cloud" ein

Vor einem Jahr stellte Microsoft seine deutsche Cloud ein. Jetzt startet der Konzern einen zweiten Versuch: Kundendaten sollen künftig zwar in Deutschland gespeichert werden, aber an weltweite Netze angebunden sein.
Microsoft-CEO Satya Nadella (Archivbild)

Microsoft-CEO Satya Nadella (Archivbild)

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Ted S. Warren/ AP

Mit einer neuen Version seiner deutschen Cloud will Microsoft seinen Kunden erneut eine Datenspeicherung in Deutschland anbieten. Im Gegensatz zu einem früheren Angebot müssen diese sich nun nicht mehr entscheiden, ob sie globale Lösungen oder Services aus deutschen Rechenzentren nutzen wollen. Vielmehr sind die neuen Dienste so gestaltet, dass die Daten zwar in Deutschland gespeichert und verarbeitet werden, die neuen Rechenzentren aber an Microsofts weltweite Cloud-Netzwerke angebunden sind.

Unter dem Eindruck der Snowden-Enthüllungen und der NSA-Affäre hatte der Konzern deutschen Kunden seit 2016 zunächst ein anders gestaltetes Cloud-System angeboten. Gegen Aufpreis konnten diese ihre Daten in Cloud-Rechenzentren speichern, die von der Telekom-Tochter T-Systems als Treuhänder für Microsoft betrieben wurden. So hatte der Windows-Konzern keinen Zugriff auf die Kundendaten und hätte bei Forderungen amerikanischer Behörden auch keine Daten aushändigen können.

Bereits nach drei Jahren erklärte der Konzern dieses Angebot dann aber zum Auslaufmodell. Die Anforderungen der Kunden hätten sich in diesem Zeitraum "dramatisch geändert", sagte damals Microsoft-Manager Markus Nitschke. Für viele Kunden sei der isolierte Cloud-Dienst doch nicht praktikabel gewesen. Mit dem neuen Angebot soll das nun anders sein. Microsoft bekennt sich dabei unter anderem "zur Einhaltung der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) für unsere Cloud-Dienste".

Regionen statt bloß Rechenzentren

Bemerkenswert an Microsofts Kommunikation zu dem neuen Angebot ist, dass das Unternehmen nie von Cloud-Rechenzentren, sondern stets von Cloud-Rechenzentrumsregionen spricht. Der Begriff ist ein Hinweis darauf, dass es sich hier nicht um einzelne Rechenzentren handelt. Stattdessen hat Microsoft in Frankfurt und Berlin jeweils mehrere, ein Manager spricht von "n plus 1", Rechenzentren aufgebaut.

Diese Häufung soll unter anderem für mehr Datensicherheit sorgen. Fällt eine Anlage aus, kann sofort eine nahegelegene Zweitanlage übernehmen und den Betrieb sicherstellen. Wie bei derartigen Rechenzentren üblich, hält Microsoft die Standorte geheim. Nicht einmal Fotos aus dem Inneren der Anlagen mag das Unternehmen herausgeben.

Nicht für jedermann

Zum Start meldet Microsoft, dass bereits drei Großkunden, die Deutsche Bank, die Deutsche Telekom und SAP, das Angebot der neuen deutschen Cloud nutzen werden. Vorläufig stehen ihnen dort die sogenannten Azure-Services zur Verfügung. Erst ab dem ersten Quartal 2020 sollen auch Office 365 und Dynamics 365 verfügbar werden.

Wie schon bei Microsofts erstem deutschen Cloud-Dienst richtet sich das Angebot ausschließlich an geschäftliche Anwender. Privatnutzer bleiben weiterhin außen vor.

mak
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