Microsoft gegen MikeRoweSoft "Aber das ist doch nun mal mein Name!"

Wenn Unternehmen fürchten, dass sich aus einem Domain-Namen eine Verwechslungsgefahr mit ihrer Marke ergibt, mahnen sie gern und schnell ab und fordern die Übergabe der Adresse. Der 17-jährige Mike Rowe erlebt das gerade - und ist nicht einverstanden mit Microsofts Friedensangebot. Microsoft bot ihm zehn Dollar.

Mike Rowe kann sich aufregen über den Brief aus Redmond. "Ich habe ja nie vorgehabt, die finanziell zu erleichtern", sagt er, aber "es hat mich irgendwie wütend gemacht, dass die mir nur zehn Dollar boten".

Zehn Dollar für eine Domain, Mike Rowes Domain. Mike lebt in Kanada, ist 17 und hat Ambitionen im Webdesign, und dass sein Name dem des größten Softwareunternehmens der Welt zum Verwechseln ähnlich klingt, wenn man ein "Soft" dahinterstellt, fand er "witzig".

Die Rechtsabteilung von Mikrosoft nicht.

Zwar dauerte es mehr als zweieinhalb Monate, bis die Herren von Redmond auf "www.mikerowesoft.com" stießen, doch im November bekam Mike Rowe schließlich Post. Die kam von einem kanadischen Rechtsanwaltsbüro und informierte ihn, dass er, Mike Rowe, mit seiner Domain mikerowesoft.com die Copyrights von Microsoft verletze. Die Anwälte rieten ihm, die Domain auf Microsoft zu überschreiben.

"Ich habe nicht erwartet, dass die gleich ihre ganzen hoch bezahlten Anwälte auf mich loslassen würden", sagt Rowe heute über seinen nächsten Schritt, der sicherstellen sollte, dass die Kommunikation mit Microsoft so schnell nicht abreißt: Er fragte höflich an, mit wie viel Abfindung er denn rechnen könne für die Überschreibung der Internet-Adresse.

Microsoft bot ihm zehn kanadische Dollar (6,21 Euro).

An diesem Punkt platzte Rowe der Kragen: "Da verlangte ich dann 10.000 Dollar." Am Donnerstag letzter Woche erhielt er als Antwort darauf einen 25-seitigen Brief, der ihm vorwarf, Microsoft zu einer hohen Abfindung nötigen zu wollen. Rowe kontaktierte die Medien, und der Knoten platzte: Nach ersten Berichten im kanadischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk verbreitete sich die Geschichte nach und nach um den Globus. Rowes Website, einst so gut wie unbekannt und unauffindbar, mausert sich zu einer populären News-Seite in Sachen Mikerowesoft gegen Microsoft. Solidaradressen und Fanpost fluten Rowes Mail-Account. Aus der kleinen Realsatire aus Webwelt und Markenrecht war eine Nachricht geworden.

Und auch Microsoft gibt sich diplomatisch. Am Sonntag nahm Microsoft-Sprecher Jim Desler gegenüber der Nachrichtenagentur AP offiziell Stellung zu dem Fall: "Microsoft befand sich im Rahmen eines ernst gemeinten Versuches, zu einer für alle Seiten akzeptablen Lösung zu kommen, im Gespräch mit Mr. Rowe. Wir hoffen weiterhin, dass wir die Angelegenheit zu allseitiger Zufriedenheit lösen können."

Für Mike Rowe ist das weniger eine Frage des Geldes als eine des Stils, sagt er. "Es ist nicht deren Name. Es ist mein Name."

Seit Veröffentlichung dieses Artikels ist Mike Rowes Seite schwer erreichbar. Im Laufe des Nachmittags sollte die Website wieder zu sehen sein.

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