Microsoft gegen MikeRoweSoft Jetzt haben sich alle lieb

Der Streit zwischen Microsoft und MikeRoweSoft ist beendet. Der Konzern entdeckte die pädagogische Verantwortung gegenüber dem siebzehnjährigen Mike Rowe, der sich jetzt von dem Softwareriesen ausbilden lässt - und alle, alle sind glücklich.

Im wirklichen Leben hat die moderne Variante der Geschichte von David und Goliath ein Happy-End. Wir erinnern uns: Der siebzehnjährige Mike Rowe meldete im August letzten Jahres eine Internet-Domain an, über die er seine knospenden Fähigkeiten als Web-Designer vermarkten wollte - MikeRoweSoft.

Dass das rein phonetisch verdächtig nah an "Microsoft" herankam, war dem Schelm wohl bewusst, doch fand er das nur witzig. Nie, beteuerte er später, habe er im Sinn gehabt, Microsoft geldlich zu erleichtern.

Der Softwarekonzern brauchte einige Monate, bis er überhaupt auf die Zwergen-Website aufmerksam wurde. Dann aber reagierte er mit der üblichen Subtilität seiner Anwälte: Auf 25 Seiten machten die Mike Rowe klar, warum er sofort die Hände nach oben nehmen solle, die Website übergeben, weil sonst...

Mike Rowe fand das nicht witzig und fragte an, wieviel Microsoft ihm denn bieten würde für die Domain. Microsofts Antwort, die eines gewissen Humors durchaus nicht entbehrte: 10 Dollar. Mike Rowe erklärte sich damit einverstanden, wenn Microsoft drei Nullen anhängen würde: er forderte 10.000 Dollar.

Das Drama beginnt

Jetzt platzte der Knoten. Microsoft ließ seine Anwälte von der Leine, während sich Mike Rowe an die Presse wandte, für die diese "Teen gegen Titan"-Story ein gefundenes Fressen war. Schnell bemühte man sich bei Microsoft um Schadensbegrenzung, um eine gütliche Einigung.

Offenbar erfolgreich, auch wenn die "Washington Times" gestern titelte, "Teen zwingt Titan in die Knie". Das ist natürlich ein Missverstandnis, denn jetzt haben sich ja alle lieb: Microsoft kniet allenfalls nieder, um Mike Rowe demonstrativ zu knuddeln.

Microsoft-Sprecher Jim Desler jedenfalls beendete seine einwöchige Ich-ess-nur-noch-Kreide-Diät am Montag mit einer kleinen, aber rührenden Presseerklärung: "Dies ist die Geschichte eines jungen, hellen Teenagers, der ein Geschäft eröffnen wollte und einen kreativen Donmainnamen fand. Ich glaube, unsere erste Reaktion darauf war ein wenig zu unpersönlich. Sobald wir die Umstände verstanden hatten, wollten wir die Sache auf eine Art und Weise lösen, die auch ihm gerecht wurde."

Versöhnung hinter verschlossenen Türen

Denn, so Desler weiter, natürlich habe Microsoft, offenbar im vollen Bewusstsein seiner pädagogischen Verantwortung gegenüber dem Heranwachsenden, eine Lösung finden wollen, die "sein Interesse an Technik fördert".

Wie schön, und so sieht sie aus, die Lösung: Mike Rowe bekommt Präsente (unter anderem eine Xbox), eine neue Domain, tatkräftige Hilfe beim Aufbau der neuen Website und natürlich will Microsoft dafür sorgen, dass ihm keine Surfer verloren gehen, wenn die bei Microsoft statt bei MikeRoweSoft landen, wo sie ja eigentlich hinwollten. Darüber hinaus darf sich Mike über eine Einladung zu einer Microsoft-Party freuen und darauf, sich nach Abschluss seiner Schule kostenlos von Microsoft weiterbilden zu lassen.

Das ist toll, kostet Microsoft so gut wie nichts, ist für den Jungen aber eine Menge wert. Microsoft bekommt im Gegenzug die Domain MikeRoweSoft.com überschrieben, womit die akute Verwechslungsgefahr endlich gebannt wäre und wieder alle Microsoft-Kunden wirklich bei dem Softwarekonzern landen, selbst die Legastheniker. Wie Schade, dass nicht alle Domainstreitigkeiten so friedvoll enden, aber das hat wohl auch was mit den Beteiligten zu tun. Mike Rowe jedenfalls freut sich schon darauf, dass "all diese Medien wieder verschwinden".

Frank Patalong

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