Spielkonsole Xbox soll Set-Top-Box fürs Wohnzimmer werden

Microsoft plant offenbar, die nächste Xbox noch stärker mit dem traditionellen Fernsehen zu verzahnen. Einem Medienbericht zufolge soll die Konsole zu einer Art Set-Top-Box werden. Xbox-Menüs könnten dann auch ins laufende TV-Programm eingeblendet werden.

AFP

Redmond - Microsoft will seine Spielekonsole Xbox weiterentwickeln und in eine Set-Top-Box verwandeln. Unter Berufung auf Firmen-Insider meldet "The Verge", die Redmonder seien dabei, ähnliche Features zu erarbeiten, wie sie von Google TV bekannt seien. Die Konsole soll dafür an den TV-Kabelanschluss angeschlossen werden können, über einen HDMI-Anschluss werde dann die Verbindung zum TV-Gerät hergestellt. Die neue Xbox würde dann im Fernseher eine eigene Benutzeroberfläche etablieren, die auch ins laufende TV-Programm eingeblendet werden könne.

Im Unterschied zum TV-Projekt von Google könne Microsoft zusätzlich von seiner Partnerschaft mit einer Reihe von Inhaltelieferanten profitieren. Schon jetzt ist die derzeit erhältliche Xbox 360 weit mehr als ein Spielgerät: Über den Xbox-Marktplatz kann man Musik hören und Filme kaufen oder leihen, zudem hat Microsoft auch Verträge mit diversen Inhalteanbietern geschlossen. In den USA etwa mit dem Sportsender ESPN, in Deutschland können Xbox-360-Besitzer beispielsweise auf die ZDF Mediathek zugreifen oder, gegen entsprechende Gebühren, Bezahlprogramme von Sky über die Konsole ansehen.

Grundsätzlich unterscheidet Microsofts Strategie sich nicht von den Konkurrenten Sony und Nintendo: Alle wollen ihre Wohnzimmerkonsolen als Verkaufsgeräte für Multimediainhalte einsetzen. Beim Einbinden von TV-Inhalten aber ist bei Microsoft schon jetzt weiter als die Mitbewerber, vor allem in den USA.

Das Bild soll anhalten, wenn sich der Zuschauer abwendet

In der neuen TV-Xbox solle außerdem ein weiterentwickelter Kinect-Sensor eingesetzt werden, berichtet "The Verge". Der werde nicht nur imstande sein, die Bewegungen mehrerer Personen zugleich zu erfassen. Er erkenne auch, wenn sich der Betrachter vom Bildschirm abwende und könne dann das Programm anhalten.

Microsofts Home-Entertainment-Pläne für die Xbox überzeugen nicht alle Beobachter in der Branche. Einige halten die Art und Weise, wie der Konzern den Nachfolger seiner Spielekonsole in die TV-Wohnzimmerunterhaltung integrieren will, für ziemlich umständlich. So fragt beispielsweise "Gigaom" ungläubig: "Wirklich, Microsoft? Eure Vision von der Zukunft des TV ist ein... HDMI-Kabel?" Dieses Konzept habe kein Potential, sondern bewahre lediglich den gegenwärtigen Status quo. Set-Top-Boxenseien veraltet, umständlich zu bedienen und würden manchmal mehr Strom verbrauchen als ein Kühlschrank.

Tatsächlich markiere Microsofts TV-Xbox nicht weniger als eine Niederlage, so das vernichtende Fazit. Mit dem Konzept des Live-Streaming ins laufende TV-Angebot mache sich das Unternehmen außerdem zur Geisel der Kabel-TV-Anbieter, die sich jederzeit aus der Integration zurückziehen könnten.

meu/cis



insgesamt 10 Beiträge
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lochkarte 11.04.2013
1. was ein Glück...
... das Microsoft gerade erst angekündigt hat die TV Plattform Mediaroom (u.a. T Entertain) an Ericsson zu verkaufen
bugmenot1984 11.04.2013
2. TOLL: Werbemeldung für Microsoft.
Soll werden. Genaueres weiß man offenbar nicht. Kriegt Ihr für sowas Geld? Warum schreibt ihr nicht stattdessen lieber über das XBOX-Mediacenter (http://xbmc.org/)? Die sind gemeinnützig und können sich keine Werbeabteilung leisten.
zila 11.04.2013
3. D.o.a.
Solange man eine Goldmitgliedschaft braucht um selbst so simple Dinge wie Sky-Drive, Internet-Explorer oder das werbefinanzierte Crackle zu nutzen (von Neflix ganz zu schweigen), ist die Xbox nach wie vor uninteressant. Mein Blueray Player von Sony kann das naemlich auch alles, ohne jedes Jahr erneut auf der Tasche zu liegen.
nordern_stalking 11.04.2013
4.
Solange Microsoft bei ihrer neuen Xbox auf "Online Zwang" setzt, ist diese Konsole extrem uninteressant. Nicht nur für mich. Da ändert auch keine "Set-Top-Box-Vision" etwas daran.
jpsjever 12.04.2013
5. Keine Werbung für die X-Box
Das, was man im Vorfeld so hört, wird schwerlich dazu beitragen, dass die X-Box 720 ( oder wie immer sie heißen wird ) ein Renner wird: die "always on(line)"-Problematik wurde schon erwähnt und für schlecht befunden. Aber auch der Kauf von Gebrauchtspielen soll unterbunden werden und die alten X-Box 360-Spiele werden auf der neuen Konsole nicht mehr laufen. Die für Basics erforderliche Goldmitgliedschaft ist auch nur ein weiterer Kostenfaktor, der mich abschreckt. Es gibt also kaum Argumente, die für die X-Box 720 sprechen...und es sieht so aus, als würde sie der nächste Flop nach Windows 8 werden.
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