Millionen-Versager Hipzip & Co. - die bittersten Format-Flops der Technikgeschichte

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2. Teil: Betamax, Video 2000 und VHS


Sony-Betamax-Rekorder: Schlechtes Marketing und restriktive Lizenzpolitik verhinderten den Durchbruch

Sony-Betamax-Rekorder: Schlechtes Marketing und restriktive Lizenzpolitik verhinderten den Durchbruch

Mit Werbetexten wie "Betamax, ein schärferes Bild" warb Sony Mitte der siebziger Jahre in TV-Spots für seine Betamax-Videorekorder. Emotional ging der Konzern das Thema TV-Aufzeichnung an, zeigte das Großmütterchen, dem der Sohn mit Videos der Enkelkinder Tränen der Rührung entlockt und den Taxifahrer, der gegenüber seinen Kollegen prahlt, dass er sich nach der Nachtschicht noch die Late-Show vom Vorabend anschauen wird. Erst spät versuchte das Unternehmen auch mit Argumenten zu punkten, hob darauf ab, dass dem Betamax-System gegenüber der VHS-Konkurrenz in Testberichten eine bessere Bildqualität zugesprochen wurde.

Genützt hat es nichts, den Sieg trug das technisch unterlegene VHS davon. Der Legende nach wurde der Streit durch die Pornoindustrie entschieden. Die habe sich seinerzeit dafür entschieden ihre Brust- und Bauchfilmchen auf VHS zu veröffentlichen und damit die Entscheidung herbeigeführt. Die These ist schön, aber leider nur eine Legende. Denn die Pornofilmer entschieden sich erst für VHS, als es bereits zum dominierenden Format avancierte. Leidtragende waren da schon eher die Nutzer der von Philips entwickelten Video-2000-Geräte. Der niederländische Elektronikkonzern verbot damals die Produktion von Sexfilmen auf Video 2000. 1986 lief der letzte Video-2000-Rekorder vom Band.

Video-2000-Rekorder von Grundig: Keine Pornos, keine Kunden

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Die Entscheidung zwischen VHS und Betamax wurde damals allerdings durch Sonys rigide Lizenzpolitik herbeigeführt. Der japanische Konzern behielt es sich vor, sein Format nur Firmen zu öffnen die bereit waren viel Geld in eigene Produktionsstätten zu investieren. Die von JVC entwickelten VHS-Geräte und Kassetten konnten ebenfalls von Lizenznehmern in eigenen Fabriken hergestellt werden. Gleichzeitig bot das Unternehmen aber auch eine Auftragsproduktion an, was für etliche Unternehmen die attraktivere, weil billigere Variante war. Auf diese Weise konnten VHS-Geräte in kürzerer Zeit auf den Markt gebracht werden.

Tot ist Betamax deswegen aber bis heute nicht. Als Betacam lebt eine für Videoprofis optimierte Weiterentwicklung des alten Sony-Formats bis heute in TV-Studios in aller Welt weiter.

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