Mitnick hackt Buch Die Kunst der Täuschung

Kevin Mitnick, einst meistgesuchter Hacker der Welt, deshalb fünf Jahre Häftling, nun zwangsweise Computer-abstinenter und geläuteter IT-Sicherheitsexperte, hat ein Buch gehackt. Es geht um Hacker und ist ein Roman. Natürlich alles erfunden, sagt Mitnick.

Kein Zweifel, Kevin Mitnick ist auf dem Weg zum Promi. Auf jedem Foto wirkt er dünner, fitter, dynamischer, sauberer, amerikanischer, freundlicher. Auch die Anlässe für Fotos sind heute andere als früher: Bekannt wurde sein Gesicht durch ein Bild, das ihn Fußfesseln tragend in Jogginghosen auf dem Weg von der Grünen Minna in ein Gerichtsgebäude zeigt. Dort wartete man bereits auf ihn, seit langem.

1995 war das, und Mitnick bereits seit drei Jahren ein berüchtigter Mann. Sein Katz-und-Maus-Spiel mit dem FBI ist inzwischen nicht nur in mehreren Büchern beschrieben, sondern auch verfilmt worden ("Takedown", 2000). Als er 1995 zur Strecke gebracht wurde, galt er als meistgesuchter Hacker der Welt.

Vor zwei Jahren kam er frei, unter Auflagen. In die Presse schafft er es seitdem immer wieder, denn längst haben die Medien den geläuterten Ex-Datendieb als Experten und Plauder-Partner entdeckt. So glänzte er in Talkshows, aber auch vor dem US-Kongress: Der Kontext ist anders, die Inhalte aber immer gleich. Mitnick redet über das, was er nicht mehr darf: Hacken.

Jetzt schreibt er auch darüber

"The Art of Deception" - die Kunst der Täuschung - steht auf dem Einband, der seinen Namen trägt, und selbst das ist fast so etwas wie Programm. Denn Mitnick saß nicht allein am Schreibtisch, was die Sache bestimmt erleichterte: Schließlich ist es dem Guten noch bis 2003 verboten, einen Computer zu benutzen. Als tippfähiger Mitautor fungiert William L. Simon, und der hackt hauptberuflich Bücher: Seine Publikationsliste ist längst zweistellig, seine Spezialisierungen dabei eindeutig.

Immer wieder ist Simon "Co-Autor", verleiht diversen Brancheninsidern Stil und Stimme ("My 500 days at Apple"). Alles dreht sich um die Themen Computer, Business, Musik und das "Afterlife", was ja auch zu Mitnick passt - und zwar alles. Denn mit dem einstigen Hackerkönig ist Geld zu machen.

Der hat sich nun einen Roman ausgedacht, heißt es, frei erfunden und ohne Bezug zu seinen Taten. Anderenfalls müsste er nämlich die Profite aus dem Verkauf des Buches an seine einstigen Opfer abtreten. So bestimmt es ein Passus in seinem Urteil.

Das stutzt ihm noch bis Januar die Flügel, und dass er dann gebührend abhebt, dazu will das Buch ab Oktober seinen Beitrag leisten. Denn erst in knapp drei Monaten kommt das auf den Markt, "nur" sämtliche Nachrichtenagenturen haben es schon vorab bekommen. Über den Inhalt verraten sie wenig, aber darauf kommt es bei diesem Roman wohl auch nicht an: Drin ist, was drauf steht - Mitnick. Der, das ist wohl vorprogrammiert, wird als Schriftsteller, IT-Sicherheitsberater, hackender Promi (wann kommt die TV-Show?) und weiß der Fuchs was noch ab Januar die Früchte seiner Jugendsünden ernten.

Mit vollem medialen Rückenwind. Amazon hat das noch nicht lieferbare Buch soeben zum Sonderangebot gemacht: "The Art of Deception" ist vorab mit einem Preisabschlag von 30 Prozent zu haben. Ein programmierter Bestseller, so zu sagen, und auch das ist ja irgendwie ein Hack.

Frank Patalong

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