Mobiles Internet bei AT&T Firmen sollen Datenübertragung sponsern

Per Smartphone Videos anschauen ohne Datenverbrauch: Der US-Anbieter AT&T hat einen neuen Service angekündigt, bei dem Unternehmen Kunden den Abruf von Mobildaten sponsern. Kritiker sehen darin das Ende der Chancengleichheit im Netz.

AT&T-Logo: Abschied von der Netzneutralität
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Zum Start des neuen Services, den der Mobilfunkanbieter AT&T am Montag auf der Unterhaltungselektronikmesse CES vorstellte, sollen zunächst drei Partner an Bord sein. So plant das Gesundheitsunternehmen United Health Group, Lehrvideos anzubieten, die AT&T-Kunden ohne Auswirkung auf ihren Datenverbrauch abrufen können - weil United Health die Kosten für die Verbindung übernimmt. Ob ein Datenabruf gesponsert ist, sollen die Nutzer anhand eines Icons erkennen, das in diesem Fall auftaucht. Ralph de la Vega, der Geschäftsführer von AT&T Mobility, spricht von einem "Win-Win für Kunden und Unternehmen".

Und tatsächlich klingt das mit "Sponsored Data" betitelte Programm aus Kundensicht zunächst nicht verkehrt: Wenn Unternehmen Videoclips präsentieren wollen, warum sollten Kunden indirekt per Datenverbrauch dafür bezahlen müssen?

Doch der Vorstoß von AT&T könnte drastischere Konsequenzen haben, als das Health-Group-Beispiel suggeriert. Schließlich dürfte das "Sponsored Data"-Programm langfristig nicht nur genutzt werden, um Werbung kostenfrei abrufbar zu machen. Unternehmen wie Facebook, Amazon oder Google könnten ein Interesse daran haben, Kunden per Kostenübernahme zum Nutzen ihrer Angebote zu motivieren. Spätestens an diesem Punkt wird es problematisch, denn zahlungskräftige Unternehmen hätten plötzlich einen Vorteil gegenüber kleineren Konkurrenten. Die können sich den privilegierten Zugang zu den mobilen Nutzern womöglich nicht leisten. Die Chancengleichheit im Netz ginge verloren, zumindest im Mobilbereich.

Und auch den Kunden bringt ein Programm wie "Sponsored Data" nicht zwingend Vorteile: Wie "The Verge"-Kommentator Nilay Patel skizziert, könnten sich beispielsweise Online-Videotheken durch die Bank gezwungen sehen, die Verbindungskosten zu übernehmen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Den Betrag, den sie an AT&T zahlen, könnten sie infolgedessen aber einfach auf die Nutzerschaft umlegen, in Form höherer Ausleihkosten.

Konkurrent Verizon soll ähnliche Pläne haben

Kritik ans AT&Ts Programm äußerte am Montag unter anderem Public Knowledge. Die Washingtoner Non-Profit-Organisation hat die US-Aufsichtsbehörde FCC aufgefordert, zu untersuchen, inwiefern Datenlimits genutzt werden, um Inhalteanbieter zum Bezahlen zu zwingen. Laut des "Bits"-Blogs der "New York Times" ist AT&T mit seinem Vorstoß auch nicht allein - einer anonymen Quelle aus dem Firmenumfeld zufolge verfolgt Konkurrent Verizon vergleichbare Pläne.

Ähnliche Programme wie "Sponsored Data" gibt es auch in anderen Ländern. In Deutschland beispielsweise bietet die Telekom bei einigen Mobiltarifen die Möglichkeit, den Musikstreaming-Dienst Spotify zu nutzen, ohne dass dies das Datenvolumen belastet. Wer in diesem Fall die Kosten für den Datentransfer übernimmt, ist aber nicht bekannt.

mbö



insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
EvilGenius 07.01.2014
1.
AT&T, ist doch nichts als eine Tarnfirma der NSA. Nein Danke.
wutentbrannt 07.01.2014
2. Frage
Zitat von sysopAPPer Smartphone Videos anschauen ohne Datenverbrauch: Der US-Anbieter AT&T hat einen neuen Service angekündigt, bei dem Unternehmen Kunden den Abruf von Mobildaten sponsern. Kritiker sehen darin das Ende der Chancengleichheit im Netz. Mobiles Surfen: AT&T lässt Unternehmen Mobildaten sponsern - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/mobiles-surfen-at-t-laesst-unternehmen-mobildaten-sponsern-a-942172.html)
Allen ist klar, dass die Googles, Facebooks und Amazons dieser Welt in erheblichem Maße von der TK-Infrastruktur profitieren, ohne sich auch nur ansatzweise an den immensen Investitionen für die Netze zu beteiligen. Wie - wenn nicht für den Transport deren Inhalte - sollen diese Unternehmen sonst am Aufbau und am Erhalt der TK-Infrastruktur beteiligt werden? Auf diese Frage wissen die Verfechter der absoluten Netzneutralität leider nie eine Antwort.
redbayer 07.01.2014
3. Danke AT&T
Warum muss ausgerechnet der Spiegel, die aus der Werbewirtschaft lancierte dümmliche Kritik an dem AT&T Vorhaben auch noch nachbeten? Oh wie ungerecht, da könnten Firmen die mehr Geld haben sich damit Vorteile verschaffen gegenüber solchen die weniger Geld haben oder da könnten die Ausgaben für die Werbung übers Netz sogar auf die Kundenpreise aufgeschlagen werden - so als ob das noch nie so gewesen wäre. Bei ein bischen Nachdenken hätte man auch darauf kommen können, dass Firmen seit Jahren Mobilkunden um ihr Netzendgeld prellen, weil sie ungefragt und unbestellt dem Mobilnutzer Werbung auf das Display hauen, mit hochdatenvolumigen Bildern, Musik und Animationen, die bei den üblichen Volumenstarifen dem Nutzer abgezogen werden, obwohl er sie gar nicht wollte. Im übrigen Wirtschaftleben würde man da vom Erschleichen einer Leistung und Betrug sprechen. Es ist völlig richtig, dass AT&T durch seine Initiative nun eine Gegenbewegung auslöst. Das Ziel muss sein, dass die "Werbeverbrecher" nicht nur für die Volumenswegnahme bezahlen, sondern auch für die beim Endbenutzer gebundene Aufmerksamkeit (z. B. für den Zeitaufwand von 10 Sekunden Werbung zu ertragen bezahlen; könnte z. B. von der Netzgebühr abgezogen werden). Nur wenn der Nutzer es will z. B. die Werbung anklickt, wird der Aufwand dafür akzeptiert. Danach würde wohl ein Großteil der Medien erstmal werbefrei werden (welch eine Erlösung) und nach einiger Zeit wohl auch die westlichen Wirtschaften zusammenbrechen.
hansgustor 07.01.2014
4.
Zitat von wutentbranntAllen ist klar, dass die Googles, Facebooks und Amazons dieser Welt in erheblichem Maße von der TK-Infrastruktur profitieren, ohne sich auch nur ansatzweise an den immensen Investitionen für die Netze zu beteiligen. Wie - wenn nicht für den Transport deren Inhalte - sollen diese Unternehmen sonst am Aufbau und am Erhalt der TK-Infrastruktur beteiligt werden? Auf diese Frage wissen die Verfechter der absoluten Netzneutralität leider nie eine Antwort.
Doch, ich habe die Antwort: Gar nicht. Bitte nochmal über Netzneutralität informieren. Demnächst schlägt Dobrindt vor Autos und Benzin kostenlos für die Nutzer bereitzustellen, dafür müssen dann Einzelhandel und Vermieter bezahlen, weil die ohne Verkehrswege nichts verdienen würden.
wolle0601 07.01.2014
5. Das bringt sehr wohl Vorteile für Endnutzer
denn Großabnehmer von Datenvolumen bekommen mit Sicherheit bessere Preise bei den Netzbetreibern. Und fair ist es auch, weil jetzt datenintensive Geschäftsmodelle von allen Netzkunden quersubventioniert werden.
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