Mozilla unterstützt Microsoft Firefox-Macher kritisieren Googles Browser-Kidnapping

Microsofts größter Browser-Konkurrent kritisiert Googles Tricks im Browserkrieg. Der Konzern kapert mit einem Plug-in Microsofts Internet Explorer - wohl auch, um den eigenen Dienst Google Wave zu stützen. Das sei schlecht für die Sicherheit, kritisieren die Firefox-Macher.
Mitchell Baker: Die Mozilla-Chefin kritisiert Googles dreiste Browser-Tricks

Mitchell Baker: Die Mozilla-Chefin kritisiert Googles dreiste Browser-Tricks

Foto: HO / REUTERS

Dieser Trick ist schon dreist: Google hat in der vergangenen Woche eine frühe Version von Google Chrome Frame veröffentlicht. Dieses Plug-in jubelt Microsofts Internet Explorer (IE) das Herz von Googles hauseigenem Browser Chrome unter, ohne dabei die Bedienoberfläche des IE zu verändern. So soll der Internet Explorer besser mit dem Web-Standard HTML5 zurechtkommen und die Web-Programmiersprache Javascript schneller ausführen können - die man zum Beispiel für Web-Anwendungen wie Google Wave braucht. IE-Nutzer müssen sich das Plug-in herunterladen und installieren - dann aber ist beim Browsen nicht mehr zu erkennen, ob eine Seite über das Innenleben des Internet Explorers oder über Google Chrome Frame angezeigt wird.

Web-Entwickler müssten nur eine einzige Zeile Code in ihre Web-Anwendungen einfügen, damit Chrome Frame bei IE-Surfern aktiviert wird. Microsoft schimpfte natürlich über diesen Angriff, nun melden sich auch die Firefox-Entwickler. Mozilla-Chefin Mitchell Baker schreibt  in ihrem Blog: "Chrome Frame wird zu einer wachsenden Fragmentierung führen und den meisten Anwendern Kontrollmöglichkeiten wegnehmen, auch den Web-Entwicklern." Mozilla ist die Firma, die die Entwicklung des Firefox-Browsers koordiniert und vorantreibt.

Denn letztlich erlaube der Browser es Seitenbetreibern, zu bestimmen, mit welcher Software ihre Seiten geladen werden. Barkers Kommentar: "Für viele Menschen wird Chrome Frame das Web verwirrender und undurchschaubarer machen."

Firefox-Entwickler Mike Shaver schlägt vor : "Es wäre für das Web besser, wenn Entwickler, die Chrome Frame nutzen wollen, ihren Anwendern sagen, dass ihre Seite in Chrome besser aussieht und ihnen erklären, wie sie diesen Browser installieren können. Die Anwender würde etwas über die Vorteile alternativer Browser lernen und könnten eine bewusste Entscheidung treffen."

Eine bewusste Entscheidung müssen die Nutzer allerdings ohnehin treffen - denn wenn sie Chrome Frame nicht installieren, bleibt der Internet Explorer, wie er ist. Für Google ist das Plug-in nicht zuletzt ein Umweg, um möglichst viele Menschen in die Lage zu versetzen, den Web-Applikationen, die die Suchmaschinisten derzeit mit hohem Tempo entwickeln, ein möglichst breites Publikum zu verschaffen. Google Wave, eine Art Kombination aus E-Mail, Chat, Multimedia und Wiki-Systemen, geht heute in die erste größere Testrunde: 100.000 Betatest-Einladungen für die Web-basierte Kommunikationssoftware sollen am heutigen Mittwoch unter die Leute gebracht werden - und da ist es natürlich in Googles Interesse, dass jeder gängige Browser mit dem neuen Produkt zurechtkommt.

Marktanteile: Google und die Konkurrenz

lis/cis
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