Virtuelle Währung Chef von Bitcoin-Börse Mt. Gox beteuert Unschuld

In Tokio hat der Prozess gegen den ehemaligen Chef von Mt. Gox begonnen. Die Firma hatte 2014 Insolvenz angemeldet. Ihr waren Bitcoin im Wert von damals mehreren Hundert Millionen Dollar abhanden gekommen.

Mark Karpeles, ehemaliger Chef von Mt. Gox (Archivbild)
REUTERS

Mark Karpeles, ehemaliger Chef von Mt. Gox (Archivbild)


Der Chef der gescheiterten Bitcoin-Plattform Mt. Gox, Mark Karpeles, hat zu Beginn eines Prozesses gegen ihn in Tokio seine Unschuld beteuert. "Ich schwöre vor Gott, dass ich unschuldig bin", sagte der 32-jährige Franzose am Dienstag auf Japanisch vor Gericht. Er war im September 2015 wegen Datenmanipulation und der Veruntreuung von Kundengeldern angeklagt worden.

Karpeles widersprach dem Vorwurf, Geld seiner Kunden für persönliche Zwecke missbraucht zu haben, und bekräftigte, dass die Handelsplattform Opfer eines Hackerangriffs geworden sei. "Die Pleite von Mt. Gox hat für viele großen Schaden angerichtet, und als damaliger Chef entschuldige ich mich von ganzem Herzen", sagte er.

Die in Tokio ansässige Handelsplattform Mt. Gox hatte im Februar 2014 den Tausch von Bitcoin in reale Währungen ausgesetzt, nachdem 850.000 Bitcoin mit einem Wert von damals 480 Millionen Dollar aus den Onlinegeldbörsen der Firma verschwunden waren. Kurze Zeit später meldete Mt. Gox Konkurs an - und schadete damit dem Ruf der virtuellen Währung Bitcoin erheblich. Mt. Gox war lange Zeit der größte und wohl auch bekannteste Bitcoin-Händler gewesen.

Ein Bitcoin ist derzeit mehr als zweitausend Dollar wert

Bitcoin war 2009 als Antwort auf die Finanzkrise erfunden worden. Geschaffen wurde die virtuelle Währung von einem unbekannten Programmierer, der eine von Staaten, Zentralbanken und anderen Finanzinstituten unabhängige Währung wollte. Das virtuelle Geld wird durch komplexe Verfahren berechnet.

Der Wechselkurs zu echten Währungen schwankt stark - von einst nur wenigen US-Cent ist er auf derzeit mehr als 2300 Dollar gestiegen, mehr als doppelt soviel wie vor wenigen Monaten.

Mark Karpeles soll laut Anklage zwischen 2013 und 2015 wiederholt Computerdaten verändert haben, um eigene Rechnungen zu bezahlen. Unter anderem soll er sechs Millionen Yen - rund 46.000 Euro - von einem Kundenkonto zum Bezahlen eines Himmelbetts verwendet haben.

Karpeles war im August 2015 festgenommen und fast ein Jahr später gegen Kaution freigelassen worden. Der Franzose lebt seit einigen Jahren in Japan und hatte im Jahr 2011 die Mehrheit an Mt. Gox gekauft.

mbö/dpa

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hefe21 11.07.2017
1. Ein Hoax vom Gox
"Ein Bitcoin ist derzeit mehr als zweitausend Dollar wert" - irgendwas muss da grundsätzlich schiefgelaufen sein, dass alle Welt mit dem "Wert"-Wahn rumläuft und -blökt. Ein Bitcoin ist wie alle anderen handelbaren Waren genau Null wert. Es kann lediglich bei einem Handel einen Preis haben, auf Basis dessen Käufer und Verkäufer das Objekt tauschen. Danach ist es wieder genau Null "wert", solange keine neuen Käufer/Verkäufer einen Preis vereinbaren. "Das virtuelle Geld wird durch komplexe Verfahren berechnet" - Bestimmt, mit dem Schmäh wurden ja schon viele "innovative Finanzprodukte" verkauft. Kommt wohl von "Komplexen", die bei Käufern der Scherzwährung hervorgerufen werden sollen. Dem voluminösen Nerd würde ein vernünftiger Mensch natürlich gar nichts abkaufen, im Gegenteil möchte man ein fettlösendes Shampoo spenden.
hr.lich-daemlich 11.07.2017
2.
Zitat von hefe21"Ein Bitcoin ist derzeit mehr als zweitausend Dollar wert" - irgendwas muss da grundsätzlich schiefgelaufen sein, dass alle Welt mit dem "Wert"-Wahn rumläuft und -blökt. Ein Bitcoin ist wie alle anderen handelbaren Waren genau Null wert. Es kann lediglich bei einem Handel einen Preis haben, auf Basis dessen Käufer und Verkäufer das Objekt tauschen. Danach ist es wieder genau Null "wert", solange keine neuen Käufer/Verkäufer einen Preis vereinbaren. "Das virtuelle Geld wird durch komplexe Verfahren berechnet" - Bestimmt, mit dem Schmäh wurden ja schon viele "innovative Finanzprodukte" verkauft. Kommt wohl von "Komplexen", die bei Käufern der Scherzwährung hervorgerufen werden sollen. Dem voluminösen Nerd würde ein vernünftiger Mensch natürlich gar nichts abkaufen, im Gegenteil möchte man ein fettlösendes Shampoo spenden.
Der Bitcoin ist limitiert und das sogenannte "minen" ist im Grunde das verteilte Verarbeiten der Informationen (Blockchain). Einerseits werden daraus weitere Bitcoins berechnet, die an alle Teilnehmer der Blockchain ausgeschüttet werden (was unter aktuellen Umständen eher ein Minusgeschäft ist, da durch zu viele Teilnehmer und recht hoher Daten-/Energieaufwand privat kein Gewinn mehr zu erwirtschaften ist mit der Blockchain). Es werden allerdings nur 18000 Bitcoins pro Jahr produziert. Tendenz sinkend. Bis 2030 soll der gesamte Pool der Bitcoins aufgebraucht sein, dann gibt es nur die, die schon am Markt sind. Jeder Bitcoin ist einzigartig und wurde inzwischen sogar schon in Mikrobitcoins aufgebrochen um kleinere Preise bezahlen zu können. Als ich zuerst davon gehört habe, war ein Bitcoin kein zehn Euro wert. Ganz nebenbei sind Ihre Geldscheine genauso viel wert, wie ein Bitcoin. Nichts. Nur der Markt weist dem einen Wert zu. Das ist mit jeder Währung so. Wenn sie da jetzt von Scherzwährung sprechen, dann haben sie das Währungssystem insgesamt überschätzt, da es ursprünglich nur eine Tauschhilfe war.
brucewillisdoesit 11.07.2017
3.
Zitat von hr.lich-daemlichDer Bitcoin ist limitiert und das sogenannte "minen" ist im Grunde das verteilte Verarbeiten der Informationen (Blockchain). Einerseits werden daraus weitere Bitcoins berechnet, die an alle Teilnehmer der Blockchain ausgeschüttet werden (was unter aktuellen Umständen eher ein Minusgeschäft ist, da durch zu viele Teilnehmer und recht hoher Daten-/Energieaufwand privat kein Gewinn mehr zu erwirtschaften ist mit der Blockchain). Es werden allerdings nur 18000 Bitcoins pro Jahr produziert. Tendenz sinkend. Bis 2030 soll der gesamte Pool der Bitcoins aufgebraucht sein, dann gibt es nur die, die schon am Markt sind. Jeder Bitcoin ist einzigartig und wurde inzwischen sogar schon in Mikrobitcoins aufgebrochen um kleinere Preise bezahlen zu können. Als ich zuerst davon gehört habe, war ein Bitcoin kein zehn Euro wert. Ganz nebenbei sind Ihre Geldscheine genauso viel wert, wie ein Bitcoin. Nichts. Nur der Markt weist dem einen Wert zu. Das ist mit jeder Währung so. Wenn sie da jetzt von Scherzwährung sprechen, dann haben sie das Währungssystem insgesamt überschätzt, da es ursprünglich nur eine Tauschhilfe war.
Die letzte Bitcoin wird 2140 gemined. Das läßt sich so gut vorhersagen, da die Anforderungen an den Hash und somit der Schwierigkeitsgrad kontinuirlich an die verfügbare computational power angepasst wird, so daß im Ergebnis alle 10 min ein neuer Block berechnet und somit (degressiv) neue Bitcoins gemined werden. Man sollte allerdings nicht vergessen, das die Miner neben den geschürften Bitcoins auch an den Transaction fees für jede Transaktion verdienen, wobei der Shift (aus dem von Ihnen genanntem Grund) von geminten Bitcoins in Richtung Transaction Fee geht. Für die Zukunft heißt das: wer nicht ausreichend zusätzlich bezahlt, dessen Zahlung via Bitcoin wird nicht nicht bearbeitet, d.h. findet nicht statt. P.S. Was viele immer wieder vergessen: Gold hat auch kaum einen wirklichen materiellen Wert. Außer als Stromleiter und Rheumamittel ist es für wenig Dinge wirklich brauchbar. Erst dadurch, daß viele es haben wollen und glauben es wäre etwas wert, wird es so "wertvoll", fiat money dasselbe.
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