Mudschahidin Muppet Böser, böser Bert

Der Beweis, dass Bert aus der Sesamstraße mit dem Bösen im Bunde steht, scheint erbracht: In Bangladesch demonstrierten Taliban-Anhänger mit einem Plakat, das Bert Seite an Seite mit Osama Bin Laden zeigt.

Dass dieser griesgrämig dreinblickende Typ mit den starken, dunklen Augenbrauen trotz seiner ab und an demonstrativ zur Schau getragenen freundlichen Momente in Wirklichkeit ein Schurke ist, das wissen seine Feinde seit Jahren. Die Rede ist - natürlich - von Bert aus der Sesamstraße.Bereits seit 1996 sammelt die Website "Bert is Evil" dafür Beweise - und ist damit nicht allein. Webauf, webab häufen sich die - oftmals fotografischen - Belege und Indizien dafür, dass besonders der Obergriesgram Bert mit niemandem Geringeren als dem Beelzebub persönlich im Bunde steht.Bisher jedoch waren außerhalb von Cyberia die Hinweise für die Richtigkeit dieser These eher dünn gesät. So richtig ernst nahm das aus gutem Grund niemand. Bis jetzt.Denn erstmals gingen letzte Woche zwei Bilder per Agenturticker um die Welt, die mit drastischer Deutlichkeit vor Augen führten, wer da wirklich mit wem gut Freund ist: Anlässlich einer Taliban-freundlichen Demonstration in der Stadt Dhaka in Bangladesch tauchten Plakate auf, die deutlich Bert aus der Sesamstraße Seite an Seite mit Osama Bin Laden zeigen. Gut Freund mit dem Internet war da offenbar der Besitzer eines Copyshops. Er suchte und "saugte" Bilder von Osama Bin Laden im Netz - offenbar ohne zu bemerken, dass einer der abgelichteten Kumpane des Terror-Fürsten nicht nur die traditionelle Tracht vermissen ließ, sondern zudem - ausgerechnet - ein Amerikaner war! So also geriet die gefüllte Socke Bert auf ein Demonstrationsplakat mit nun echtem Einmaligkeitswert: Erst nach fast einer Woche fiel die seltsame Allianz zwischen dem Sesamstraßen-Abgeordneten und dem Oberterroristen auf. Holländische Medienmacher hatten sich aufmerksam angesehen, was sie da eigentlich veröffentlichten. Rückfragen führten zum AFP-Fotografen Jewel Samad, und der schwört Stein und Bein, dass sein Bild völlig unmanipuliert sei. Gleich lautende Auskünfte kommen von der Nachrichtenagentur AP, die ebenfalls ein Bild in Umlauf brachte.Lachen gibt Kraft Die amerikanische Presse stürzt sich heute mit diebischer Freude darauf: Noch immer lähmen die Nachwirkungen des Schocks vom 11. September das öffentliche Leben; noch immer wirken die Schockwellen nach und beeinflussen auch, wer was und wie in den Medien berichten soll und kann. Pietät bleibt ein Kriterium der Berichterstattung - aber sie behindert auch die Aufarbeitung der Geschehnisse.Das Internet besann sich schneller als die kommerziellen Medien darauf, dass "Comic Relief" - die Erleichterung durch ein befreiendes Lachen - Wunder wirken kann. Galgenhumor ist letztlich eine psychologische Instanz, die dazu dient, den Menschen auch im Angesicht des nackten Terrors handlungsfähig zu halten. ...ausgelacht werden lähmtDen Angelsachsen ist die älteste aller satirischen Traditionen näher und bewusster als etwa den Deutschen: Ein Feind, über den man lachen kann, hat keine Macht mehr. Die Stilisierung Bin Ladens zum Satan auf Erden ist lähmend, verklärt den kapitalstarken Terror-Paten zum übermächtigen Gegner. Da nehmen es die Amerikaner dankbar auf, dass Bin Ladens eigene Unterstützer ihn nun auf Lebensgröße - und weniger als das - zurechtstutzten. Der böse, böse Bert und sein Verbündeter, der böse Bin Laden: Mit einer Kraft, die ihre eigene Propaganda so stümperhaft organisiert und sich selbst lächerlich macht, wird man auch noch fertig.Für die amerikanische Presse zumindest ist der Fauxpas ein Grund zum Feiern. Redakteure, die sich die Demo-Bilder noch etwas genauer ansahen, fanden prompt weitere Peinlichkeiten: "Nach genauerer Inspektion", berichtet "Wired" launig, hätten die Redakteure ein weiteres aus dem Web geklautes Bin-Laden-Scherzbild auf dem Demo-Plakat gefunden. "Es zeigt Bin Laden mit einer Flasche Jack Daniels". Na denn Prost!

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.