Vermeintliche Covid-19-Arznei verkauft Ermittler heben Netzwerk für illegalen Handel mit Medikamenten aus

Über verschiedene Websites sollen zwei Münchner im großen Stil illegal Medikamente verkauft haben. Im Angebot waren Potenzmittel, Diätpillen und auch ein nicht mehr verwendetes Covid-19-Medikament.
Der Zoll beschlagnahmte im Zuge der Ermittlungen zahlreiche Arzneimittel

Der Zoll beschlagnahmte im Zuge der Ermittlungen zahlreiche Arzneimittel

Foto: Zoll

Ein 35-Jähriger und ein 38-Jähriger sollen von Deutschland aus einen weltweiten Handel mit verbotenen und verschreibungspflichtigen Medikamenten betrieben haben. Über zahlreiche Websites sollen die Beschuldigten unter anderem Potenzmittel, Diätpillen, Antibiotika und Medikamente gegen Krebs und HIV verkauft haben. Das gaben die Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) und das Zollfahndungsamt München am Montag bekannt.

Die Beschuldigten sollen die Medikamente "containerweise in Asien beschafft haben und über ein Drehkreuz in Singapur weltweit im Postverkehr weiterversendet haben", hieß es in einer Pressemitteilung. Verkauft wurden die Produkte über verschiedene Websites, angepasst an die jeweiligen Länder und Regionen. In den USA beispielsweise waren demnach inbesondere Schmerzmittel populär.

Laut den Ermittlern wurde über eine den Tätern zuzurechnende Seite auch ein Versuchsmedikament verkauft, das in Australien zeitweise zur Therapie von Covid-19 eingesetzt wurde. Das Medikament wurde zwischenzeitlich allerdings wieder vom Markt genommen. "Es ist perfide in der jetzigen Zeit, mit vermeintlichen Corona-Medikamenten noch Kasse zu machen, wo gar nicht bestätigt ist, dass die Medikamente überhaupt wirken", sagt Christian Schüttenkopf vom Zollfahndungsamt München.

Millionenschweres Geschäft

Im Zuge der Ermittlungen wurden bei den Beschuldigten Vermögenswerte in Höhe von 1,5 Millionen Euro beschlagnahmt, darunter mehrere hochwertige Sportwagen, Luxusuhren, Segways und teure E-Bikes. An der Razzia beteiligte IT-Spezialisten des Zolls stellten Kryptowährungen im Wert von über 600.000 Euro sicher. "Wir haben es hier mit Tätern zu tun, die offenbar ihren luxuriösen Lebensstil finanzieren wollen", so Schüttenkopf zur Motivation der Täter.

Neben hochwertigen Porsche-Modellen wurden bei den Beschuldigten auch Segways und E-Bikes beschlagnahmt

Neben hochwertigen Porsche-Modellen wurden bei den Beschuldigten auch Segways und E-Bikes beschlagnahmt

Foto: Zoll

Wie lukrativ der illegale Versand von Medikamenten ist, zeigen weitere Angaben des Zolls: 6000 Briefe, die Ermittler den Beschuldigten zurechnen, wurden allein am Frankfurter Flughafen beschlagnahmt. Außerdem wurden dort innerhalb eines Jahres 1700 Postsendungen mit 100.000 Tabletten und Pillen sichergestellt. Aus vergangenen Ermittlungen ist bekannt, dass die Dunkelziffer der tatsächlich verschickten Ware um ein Vielfaches höher ist, als das, was vom Zoll abgefangen werden kann.

Angebote offen im Netz, statt im Darknet

Die Produkte wurden nicht über das Darknet verkauft. Stattdessen waren die Websites offen im Netz verfügbar. "Otto-Normalkäufer müssen auch erst mal ins Darknet kommen, außerhalb des Darknets ist der Kundenstamm offenbar größer", so Schüttenkopf.

Vertrieben wurden die Medikamente laut Ermittlern über ein "Drehkreuz" in Singapur

Vertrieben wurden die Medikamente laut Ermittlern über ein "Drehkreuz" in Singapur

Foto: Zoll

Die Seiten gaben sich auf den ersten Blick den Anschein seriöser Onlineshops. Tatsächlich konnten verschreibungspflichtige Medikamente aber laut Ermittlern ohne Prüfung und mit wenigen Klicks bestellt werden. "Sobald im Internet Medikamente verkauft werden und nicht ein sonst übliches Rezept verlangt wird, sollte man die Finger davon lassen", so Christian Schüttenkopf.

Seriöse Online-Apotheken könne man daran erkennen, dass sie eine offizielle Erlaubnis zum Verkauf von Arzneien im Netz hätten. Die Seiten seien entsprechend im Versandhandelregister des Bundes  aufgelistet.

Die Beschuldigten sollen ihre kriminellen Dienste auch anderen international agierenden Tätern zur Verfügung gestellt haben. Im Gegenzug wurden sie zusätzlich an deren Umsatz beteiligt. Die Beschuldigten sollen ihre Gewinne über ein Geflecht von Scheinfirmen im Ausland verschleiert haben.

Die Websites selbst sollen in Island gehostet worden sein. Weil es für Ermittler schwerer ist, dort Server zu beschlagnahmen, konnten noch nicht alle Websites vom Netz genommen werden.

Gegen die bisher bekannten Kunden der Websites wurden Verfahren wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz eröffnet.

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