Münchens Rechnerlandschaft Die CSU mag keine Pinguine

Die CSU, bayerische Regierungs- und Quasi-Monopolpartei, will gegen die Entscheidung der Münchner SPD vorgehen, 14.000 städtische Rechner von Programmen des Quasi-Monopolisten Microsoft auf Linux umzustellen. Das verlange nach einer Prüfung.

In München schienen die Würfel längst gefallen: Mit der Entscheidung der SPD-Ratsfraktion für Linux und gegen Microsofts Windows schien in Europa die bisher umfangreichste Umstellung eines Verwaltungsnetzwerkes auf das Open-Source-System in trockenen Tüchern. Die CSU, klar auf Seiten Microsofts, aber in München nur Opposition, hatte da schlechte Karten. Doch mit einer demokratisch gefällten Entscheidung muss man sich ja nicht abfinden, solange es noch eine übergeordnete Instanz gibt - und die ist fest in Händen der CSU.

Die CSU-Stadtratsfraktion werde die Entscheidung nun von der zuständigen Regierung von Oberbayern untersuchen lassen, berichtet das Wirtschaftsmagazin "Capital". Zugleich zitiert es den christsozialen Stadtrat Robert Brannekämper mit den Worten: "Schließlich hätte der Steuerzahler (bei einer Entscheidung für Microsoft Windows) zehn Millionen Euro sparen können." Die Stadt München lehnte mangels Kenntnis der angeblichen CSU-Pläne einen Kommentar zunächst ab.

Ende Mai hatte der Stadtrat mit der Mehrheit von Rot-Grün entschieden, das verwendete Betriebssystem Windows nicht zu erneuern, sondern durch das auf einer offenen Entwicklungsplattform basierende Linux-System zu ersetzen. Die endgültige Vergabe des Auftrags soll allerdings erst im Frühjahr erfolgen.

Bleibt die Stadt bei ihren Plänen, würde es sich um die größte Linux-Installation handeln, die es bislang in Europa gegeben hat. Die Nachricht von der Münchner Entscheidung hatte in der IT-Presse weltweit Schlagzeilen gemacht und war als mutiger, innovativer Schritt begrüßt worden. Medienberichten zufolge belaufen sich die gesamten Kosten der Umstellung auf rund 30 Millionen Euro.

Das entschlossene Engagement der Münchner CSU ist "Capital" zufolge durch die dringende Bitte von Microsoft Deutschland motiviert. Demnach setzt Deutschlands Microsoft-Chef Jürgen Gallmann auf die CSU, um in München doch noch zum Zuge zu kommen. Der US-Softwaregigant wolle die Entscheidung der Landeshauptstadt nicht einfach akzeptieren, hieß es. "Wir haben das bessere Angebot abgegeben", zitierte das Magazin Gallmann. Das hatte zudem der mächtige Microsoft-Chef Steve Ballmer persönlich serviert, der dafür extra seinen Urlaub in der Schweiz unterbrach - und erfolglos wieder von dannen ziehen musste.

Das jedermann zugängliche Linux wird seit einigen Jahren als aussichtsreichste Alternative zu Microsofts Windows gehandelt. Es war Anfang der Neunziger von dem finnischen Studenten Linus Torvalds entwickelt worden, der es später im Internet veröffentlichte und alle Programmierer aufforderte, es weiter zu entwickeln. Die Kernsoftware selbst kostet den Anwender wenig oder gar nichts, das Betriebssystem darf zudem individuellen Erfordernissen angepasst werden.