Murdoch fällt um "Wall Street Journal" wird nicht komplett kostenlos

Mischfinanzierung statt Gratisseite: Medienmogul Rupert Murdoch erklärt beim Weltwirtschaftsforum in Davos die Zukunft seines "Wall Street Journals" im Web. Das Abo-Angebot soll mit Kostenlos-Artikeln Werbegeld verdienen, das Online-Abo wird dabei sogar teurer.


In eigener Sache berichtet die US-Wirtschaftszeitung "Wall Street Journal" über die Pläne des Neueigentümers: Rupert Murdoch hat in Davos Details zur neuen Internet-Strategie des Blatts verraten. Seit Monaten befeuerte Medienmogul Murdoch mit Andeutungen über die Bedeutung von Online-Werbung Spekulationen, dass seine im vorigen Jahr erworbene Zeitung ihr Web-Angebot komplett kostenlos anbieten wird.

Konzernchef: Rupert Murdoch spricht über seine Pläne für WSJ.com
AP

Konzernchef: Rupert Murdoch spricht über seine Pläne für WSJ.com

Derzeit ist WSJ.com eine der wenigen erfolgreichen kostenpflichtigen Medienseiten im Netz: 60 Millionen Dollar Online-Abogebühren hat die Seite im vorigen Jahr eingenommen. Auf dieses Geld will Murdoch nicht verzichten. Das "Wall Street Journal" zitiert ihn: "Wir werden die kostenlosen Angebote des 'Wall Street Journals' im Web ausbauen und verbessern. Aber es wird ein starkes Angebot für Abonnenten geben."

Kehrtwende: Klares Jein zum Kostenlos-Prinzip

Zum Abo-Angebot erklärt Murdoch: "Die wirklich besonderen Dinge werden immer noch in einem Abo-Modell verfügbar sein – und wahrscheinlich teurer werden."

Kostenlos sind bereits heute ausgewählte Texte, Videos, Blogs, Podcasts, Lifestyle-Artikel, Kommentare und Service-Beiträge für Privatanleger. Der Jahrespreis für die kostenpflichtigen Angebote soll schon im März steigen – angeblich um fast 20 Prozent von 99 auf 119 Dollar. Printabonnenten sollen wie bisher 79 Dollar Jahresaufschlag für den unbeschränkten Online-Zugang bezahlen.

Hintergrund: Das kostenpflichtige WSJ.com lockt weniger Besucher als die kostenfreien Web-Angebote anderer US-Tageszeitungen. Im Dezember war das "Wall Street Journal" mit 5,4 Millionen echten Besuchern in einer Rangliste des Online-Marktforschers Nielsen nur auf Platz fünf – die "New York Times" war mit 17,2 Millionen Besuchern auf dem ersten Platz.

Je mehr Besucher kommen, desto mehr Geld bringt die Online-Werbung. Allerdings rechnet das "Wall Street Journal" seinem Neueigentümer heute vor: Um die 60 Millionen Dollar an Abogeldern, die dem Gratis-WSJ.com fehlen würden, durch Werbeeinnahmen auszugleichen, müsste die Besucherzahl sich auf 20 Millionen vervierfachen.

lis

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