Automatisierte Produktion Jeden Tag ein neues Video von Muse

Ihr aktuelles Musikvideo hat die britische Rockband von einem Computer erstellen lassen. Weil das so schön einfach ist, veröffentlicht sie nun jeden Tag eine neue Version davon.

Screenshot aus Muse-Musikvideo
MUSE

Screenshot aus Muse-Musikvideo

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In ihrem aktuellen Musikvideo zur Single "Dig down" huldigt die britische Rockband Muse der Remix-Kultur im Internet - und gibt die Kontrolle an Computer ab. An dem Video waren kein Regisseur und kein Drehbuchautor beteiligt. Eine künstliche Intelligenz hat das Musikvideo erstellt - und sich dafür bei Clips aus dem Internet bedient.

Der Gesang von Frontmann Matthew Bellamy ist in dem Video ausgeblendet, stattdessen sprechen Stars und Politiker den Liedtext im richtigen Timing zu einer Playback-Version des Lieds. Neben vielen anderen ist Facebook-Chef Mark Zuckerberg in dem Clip zu hören und auch US-Präsident Donald Trump kommt zu Wort.

Erstellt wurde das Video von einer künstlichen Intelligenz. Die Software ist zunächst mit Hunderten Stunden an Online-Videos gefüttert worden, vor allem mit Reden, Pressekonferenzen und TV-Interviews. Diese Clips sind während der Instrumentalparts als Videokacheln zu sehen, die im Takt ausgetauscht werden.

An den Stellen, an denen normalerweise der Gesang einsetzen würde, erscheinen dann bildschirmfüllende kurze Videoschnipsel, in denen Promis und Politiker taktgenau jene Worte oder Sätze sagen, die im Original von Bellamy gesungen werden.

Einen Monat lang haben die Entwickler der Agentur Branger Briz aus den USA die künstliche Intelligenz mit den vielen Videos trainiert. Die Software hat die Clips dabei vor allem auf nach gesprochenen Wörtern untersucht, die im Text von "Dig down" vorkommen. Am Ende dieses Prozesses hat das Programm Videoschnipsel aus den Clips so aneinander gereiht, dass sie ein Video ergeben, dass genau zum Song von Muse passt.

Nachdem die künstliche Intelligenz dieses Verfahren einmal erlernt und die ihr zur Verfügung gestellten Clips analysiert hatte, ist es jetzt reine Routine, sie daraus neue Videos berechnen zu lassen. Die Band veröffentlicht deshalb jeden Tag eine neue Version ihres Musikvideos.

Das Video soll zu Diskussionen anregen

Rein gesanglich klingt das Ergebnis furchtbar. Doch darum geht es auch nicht, da Muse sowieso bereits ein klassisches Musikvideo zu der Single veröffentlich hat. Laut einem Statement von Branger Briz gegenüber dem Tech-Portal "Engadget" geht es darum, mit dem Video eine politische Diskussion anzustoßen. "Wir glauben, dass es wichtig ist, eine öffentliche Debatte über die Vorteile und Gefahren dieser neuen und unglaublich einflussreichen Technologie zu führen".

Doch auch das ist wohl nicht der einzige Grund. Die Musiker haben mit den Schnipsel-Clips wohl auch eine beliebte Kunstform im Netz gewählt, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. So wie die Videokünstler von Baracksdubs, die in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt haben, dass man mit den zusammengesetzten Wortfetzen einen unterhaltsamen Effekt bei Musikvideos erzielen kann.

Das bekannteste Remix-Video der Schnitt-Experten ist mit rund 50 Millionen Aufrufen bei YouTube eine Version des Songs "Call me maybe", die aus Hunderten von TV-Aufnahmen des früheren US-Präsidenten Barack Obama zusammengesetzt ist.

Die Künstler von "Sung by movies" hingegen setzen Dialoge aus Filmszenen zu Musikvideos zusammen. In einem ihrer Videos kann man sich etwa anschauen, wie die "Game of Thrones"-Darsteller den Song "I will survive" singen. Der Unterschied zum Musikvideo der Band Muse: Die Produktion der manuell geschnittenen Clips kostet enorm viel Zeit. Die Schnittkünstler müssen stundenlang Dialoge durchlesen, Material sichten und schließlich die Szenen passgenau zusammenschneiden.

Mit einer künstlichen Intelligenz, wie Muse sie verwendet, ist das natürlich viel leichter.



insgesamt 1 Beitrag
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hup 08.07.2017
1. Taktgenau?
Das Video demonstriert eher wozu "KI"s noch nicht in der Lage sind, als was sie können. Wobei hier vermutlich "KI" als Begriff wieder falsch für einem gewöhnlichen pattern-algorithmus benutzt wurde, der mit KI nichts zu tun hat. So oder so, das Ergebnis ist künstlerisch grauenvoll und weitenteils schlicht unverständlich.
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